Der Knirps ist exakt 1 Jahr alt.
Heute feiern wir also den ersten Kindergeburtstag, also den ersten des eigenen Kindes, und natürlich ist alles chaotisch wie eh und je. Wäre sonst ja nicht ich. Immerhin habe ich Urlaub. Den üblichen Monatsbericht werde ich wohl erst morgen schreiben – keine Zeit, ich bin nun drei Tage hintereinander abends mit dem Knirps beim Einschlafstillen eingeschlafen, da fehlen wesentliche Freistunden. Und während ich selig in voller Montur geschlummert habe, hat der Mann eifrig Muffins für die Spielgruppe heute gebacken.
Geburtstagsgeschenk gab es bislang nur eines. Den kleinen Brio-Rennwagen. Er wurde bereits den gesamten Morgen glücklich vom Knirps durch die Gegend geschoben. Die anderen (ok – eigentlich nur noch eins) stecken beim Paketdienst, weil ich nicht rechzeitig bestellt habe. Genau wie das Geschenk von der Oma, was wiederum recht deutlich macht, woher ich mein Chaos habe. Dann kommt noch eine selbstgenähte Puppe a la Waldorf von der anderen Oma dazu, die gibt es dann vermutlich, wenn wir hinfahren. Was haben wir für ein Glück, dass der Knirps von dem ganzen noch keine Ahnung hat und somit keinem übel nehmen wird, wenn die Geschenke nach und nach eintröpfeln.
Eigentlich war ja auch Party geplant, aber die einen Partygäste sind erkältet, der Knirps hatte bis gestern morgen etwas Durchfall, also habe ich die anderen auch abgesagt. Weil aber doch nur bis gestern morgen und weil er sonst gar nichts hatte (die Zähne vielleicht?), sind die beiden Männer jetzt trotzdem zur Spielgruppe gezogen. Ich sitze derweil hier, lerne ein bisschen, blogge fast gar nicht und werde gleich noch schnell einen winzig kleinen Schokoladenkuchen zusammenwerfen. Mehr für uns Erwachsene, aber der Knirps darf natürlich auch. Und wir haben sogar ein Kerzchen.
Und sonst? Flashback-Zeit. Sehr extrem. Schon die letzten Tage musste ich ständig an die Zeit vor der Geburt denken, wie wir warteten, die erfolglose Einleitung zwei Tage vorher, die ständigen Ultraschalls zur Größenschätzung, und dann dieser lange, lange Geburtstag. Geburts-Tag. Eigentlich ist das heute wohl hauptsächlich für mich ein großer Tag, denn wie gesagt, mit einem Jahr ist das Verständnis und Interesse daran sehr begrenzt. Für mich aber – wow. Ein Jahr ist diese Extremsituation jetzt her. Vor einem Jahr atmete und heulte und schrie ich und hatte noch keine Ahnung, wie der Tag zu Ende gehen sollte. Ich war müde und an meiner absoluten Grenze. Aber dann war es irgendwann geschafft, und seither ist, so sentimental das klingen mag, wirklich alles anders. Alles. Und es begann an diesem einen Abend, als er mir endlich noch leicht blau in den Arm gelegt wurde. Als wir die Nacht über kaum schliefen, weil immer einer von uns den Knirps im Arm hatte, der keinesfalls abgelegt werden wollte – vom ersten Moment an. Ich erinnere mich, wie ich die Schmerzmittel erst ablehnte und dann zwei Stunden später erbettelte, wie ich im Bad fast umkippte. Wie der Mann die ganze Nacht im Familienzimmer wickelte, tröstete und schaukelte, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Wie wir beide einfach da lagen, in den ersten Stunden, und rund um die Uhr den Knirps betrachteten, einfach nur so ansahen und gelegentlich streichelten. Es war überwältigend. Es ist so unfassbar viel passiert an diesem einen Tag, da war selbst der Geburtsbericht noch viel zu kurz dafür (und das will wirklich etwas heißen).
Ich denke, ich mache nachher noch einen Abstecher zum Supermarkt und gönne mir einen alkoholfreien Sekt. Wir werden auf den Knirps anstoßen, auf diesen wundervollen kleinen Menschen, den wir schon ein ganzes Jahr lang begleiten dürfen und der das wundervollste ist, was uns je unterkam. Und dann stoße ich auch auf mich an. Auf das, was ich vor einem Jahr und in den letzten 365 Tagen geleistet habe. Wir haben genug Grund zum Feiern.
Der Knirps ist 11 Monate und 26 Tage alt.
Als ich heute abend nach Hause gekommen war und neben dem spielenden Knirps saß, da erzählte der Mann wie immer vom heutigen Tag. Und fast nebenbei erwähnte er auch, dass der Knirps heute zum ersten Mal frei stand. Vielleicht 10 Sekunden lang, oder so.
Ich gebe zu, im ersten Moment war ich enttäuscht. Enttäuscht und traurig, diesen großartigen Moment verpasst zu haben. Mein Kind lernt stehen! Richtig stehen, ganz alleine! Und ich bin nicht dabei, weil ich schon wieder arbeite. Weil ich ihn den ganzen Tag nicht sehe.
Aber als ich weiter darüber nachdachte, den Knirps neben mir betrachtete, da war es schon nicht mehr ganz so schlimm. Heute abend machte er zwar keine Anstalten, frei zu stehen, aber was macht das schon? Eigentlich ist es doch völlig egal, ob er nun heute um 14:32 (nein, die Uhrzeit wurde nicht notiert), morgen abend oder erst in zwei Wochen frei stehen würde. Genau so, wie es egal ist, ob er das mit 10 Monaten, mit 12 Monaten, oder erst mit 15 tun würde. Es spielt schlicht keine Rolle. Und selbst wenn mir heute niemand davon berichtet hätte, dann wäre die Welt trotzdem immer noch genau die gleiche und der Knirps würde genau im gleichen Tempo stehen und laufen lernen.
Je länger ich überlegte, desto unwichtiger wurde es. Natürlich finde ich es immer noch spannend, was er alles kann, wie er lernt, wie er sich entwickelt. Es ist toll, dabei zu sein und ihn begleiten zu dürfen. Und ebenso natürlich fehlt mir manchmal die Zeit, in der ich jetzt tagsüber weg bin und nicht mehr dabei sein kann. Dauerhaft 40 Stunden arbeiten und den Knirps nur abends kurz zu sehen wäre absolut nicht mein Ding, einfach weil mir diese einmalige Zeit entgehen würde und so vieles passiert. Daher bin ich auch froh, dass ich nach den Prüfungen wieder mehr Freiraum habe und der Teilzeitvertrag auf jeden Fall noch eine ganze Weile läuft.
Aber ob ich jetzt dabei bin oder vielleicht erst nächsten Sonntag, wenn ich den Knirps erstmals ganz alleine im Raum stehen sehe – das spielt gar keine Rolle mehr. Wichtig ist nur, dass es uns allen, unserer kleinen Familie gut geht. Und das tut es. Ich freue mich auch sehr, dass jetzt der Allerbeste an der Reihe ist, so viel mit dem Knirps zu erleben. Vielleicht nimmt man diese Zeit irgendwann viel zu selbstverständlich, die man mit den Kindern hat. Kaum vorstellbar, dass er als Papa in den letzten 11 Monaten so wenig vom Knirps gesehen hat wie ich jetzt in diesen drei Wochen, von der ersten Zeit nach der Geburt und unserem Urlaub mal abgesehen. Die beiden haben sicher viel aufzuholen. Schön also, dass jetzt der Papa solche ersten Male erleben darf und davon erzählen. Und ich freue mich darauf, den Knirps bald selbst stehen und gehen und rennen zu sehen. Egal wann.
Gestern hatte ich es ja schon angedeutet, ich habe mir schon wieder ein lustiges Spielzeug gekauft. Und zwar das hier:

Ja, ganz richtig. Eine Nähmaschine. Ich, Frau Schussel, möchte nähen lernen. Die Frau, die bisher ein einziges Mal in ihrem gesamten Leben mit etwa 8 Jahren mit Mama an der Maschine saß und ein kleines Puppenkissen nähte. Die Frau, die nie stricken gelernt hat und auch das Häkeln irgendwo zwischen Schule und Erwachsenenleben wieder verlernt. (Soll ich erwähnen, dass der Mann bei Bekanntgabe meiner Pläne mit eher belustigtem Unterton “Aha. Ohje.” sagte?). Aber wie Ansku schon vor einiger Zeit ganz richtig feststellte: kommt Kind, kommt irgendwann Nähmaschine. Jetzt ist es also wohl bei mir so weit.
Es handelt sich dabei tatsächlich um eine billige schlichte Maschine vom Discounter. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass schon so manches euphorisch begonnene Projekt nach zwei Monaten im Keller endete. Und während dreistellige Summen im Keller ziemlich unangenehm wären, sind zweistellige Summen im Keller eben doof, aber erträglich. Mir ist natürlich bewusst, dass es wesentlich bessere und wesentlich tollere Maschinchen gibt, aber so zum einfach mal ausprobieren, ob das denn was für mich ist, halte ich sie für durchaus geeignet. Und wenn ich dann in drei Jahren total nähwütig geworden bin, dann habe ich meine Prüfungen bestanden, verdiene deshalb unglaublich viel Geld und dann kann ich immer noch zum preisintensiveren Profigerät greifen. Wenn ich dagegen keine Lust mehr habe, dann darf eben der Mann nähen. Der kann das nämlich im Gegensatz zu mir schon.
Bloggersdorf ist natürlich nicht ganz unschuldig an diesem Kauf. Mal abgesehen von den Minderwertigkeitskomplexen, die mich beim täglichen Blogrundgang gelegentlich befallen, weil ich den Eindruck habe, dass ich der einzige nähunfähige Mensch auf Erden bin. Überall werden Säckchen, Monsterchen, Shirts und anderer Kleinkram genäht. Teilweise die reinsten Kunstwerke, wirklich. Keine Sorge, ich bin nicht so naiv, anzunehmen, dass ich so etwas auf diesem Gerät oder mit meinen zwei Händen jemals hinkriegen würde. Aber der Mensch braucht ja Ziele etwas zum Träumen.
Und weil ja Prüfungen anstehen, bleibt das Ding erstmal noch vier Wochen in seiner Kiste. Etwas hibbelig bin ich aber trotzdem schon: wie fängt man denn als blutiger Anfänger am besten an? Mit einem Kopfkissenbezug vielleicht? Oder einem kleinen Stoffbeutel? Vielleicht auch etwas aufwendigeres, eine Buchhülle? Eine Decke? Einfacher Baumwollstoff vom Schweden liegt hier noch meterweise, ich wollte vor Jahren irgendwas damit basteln. Was eignet sich denn so als Projekt mit Lerneffekt für total unerfahrene Chaoten, und möglichst so, dass man es hinterher auch verwenden kann? Ich seh’ schon. Ich muss jetzt gleich sofort dann im März erst mal nach einem Buch wie diesem hier (“Nähen für Dummies”) suchen und mir ein paar schöne Ideen zurechtlegen. Und dann geht’s los. Hach, ich bin aufgeregt!
Und im Sommer lerne ich dann vielleicht Hemden bügeln.
- Heute morgen (viel zu früh. Wieso habe ich so einen frühen Termin ausgemacht?) sind wir zum Kinderarzt aufgebrochen. Geplant war die U6, aber dem hustenden Knirps kam der Termin natürlich auch gerade recht. Wir wurden von der Sprechstundenhilfe mit einem verwunderten “Waaas, ist der etwa auch schon wieder ein Jahr alt?” empfangen. Ja, keine Ahnung, wann das passiert ist, aber er wird tatsächlich nächste Woche ein Jahr. Hilfe! Der Knirps röchelt zwar immer noch und schläft hauptsächlich sitzend in meinem Arm, weil er liegend noch mehr röchelt und hustet – aber der Kinderarzt hat glücklicherweise eine sehr zugeschleimte, aber ansonsten nicht angegriffene Lunge bescheinigt. Also jetzt weiter Hustensaft und noch ein paar kurze Nächte, und alles wird gut. Und die üblichen Häkchen bei der U6 konnten auch gemacht werden, Knirps völlig gesund, Wachstum super (abgenommen hat er, der Knirps, wiegt nur noch 9,8 kg!) und überhaupt. Anschließend wollte der Knirps gern noch ein wenig mit dem tollen Spielzeug im Wartezimmer spielen, während ich mich ins Büro verdrückt habe.
- Ich habe gerade eben bei meinem Lieblingsdiscounter ein Gerät gekauft, das ich mir bis vor kurzem im Leben nicht hätte in meinen Händen vorstellen können. Aber gut, ich bin jetzt Mutti, was solls. Dazu aber dann später mehr. Mag jemand raten?
- Gerade den ersten Krapfen/Berliner/Pfannkuchen des Jahres verspeist. (Rote Marmelade. Immer nur mit roter Marmelade!) Ja, is denn scho wieder Fasching? Freundlicherweise hat der Krapfen mich auch daran erinnert, dass ich wirklich dringend einen Zahnarzttermin brauche. Backenzahn links oben. Nach den Prüfungen.
- Ich habe zu wenig Lernzeit und viel zu viel Lernstoff. Habe ich das hier schonmal erwähnt? Ja? Macht nix, ich jammere doch gern. Zu wenig Zeit. Wirklich.
- Ich liebe Schnee, der nicht nur Matsch und Eis ist, sondern richtiger Schnee zum durchstiefeln und Bälle formen und sowas.
- Und nächste Woche also Geburtstag. Ich habe noch nichts geplant, zumindest nicht so wirklich bis zum Ende. Keinen Kuchen, keine Geschenke, keine Gäste für die Mama. Immerhin habe ich schon einen Urlaubstag eingereicht. So ein erster Geburtstag muss ja gebührend gefeiert werden.
Fröhlichen Wochenanfang euch allen. Ich stürze mich dann mal wieder auf die Bücher.
Der Knirps ist 11 Monate und 22 Tage alt.
Mit dem Netbook im dunklen Schlafzimmer zu sitzen, dem Knirps beim Atmen Röcheln zuhören und zu überlegen, ob wir jetzt gleich oder doch erst später in die Kinderklinik fahren, war nicht so ganz mein Plan für den heutigen Abend. Aber man sucht es sich eben nicht aus.
Heute morgen war er noch quietschfidel. Und wunderbar geschlafen hatte er noch dazu, wenn ich nicht wieder einen Tankstopp gnadenlos verpennt habe, dann war er nur zweimal wach. Bis halb 7. Im Laufe des Vormittags gab es dann gelegentliche kleine Hustenanfälle und leichte Meckerlaune, aber nichts dramatisches. Eine kleine Erkältung eben. Dann hielt er seinen Mittagsschlaf, und als er wieder wach wurde, konnte er plötzlich nicht mehr ohne Geräusche atmen und hing nur noch auf meinem Arm. Ein Geröchel und Gepfeife erster Klasse war das, wie Darth Vader, nur kleiner. Bei jedem Atemzug rasselte alles. Schlafen konnte er nachmittags dann auch nicht mehr, weil er immer nach fünf Minuten nach Luft schnappend aufwachte.
Abends wurde mir das ganze langsam, aber sicher unheimlich. Er rang immer wieder um Luft, hustete, schleimte, röchelte, weinte (soweit das noch ging) und besser wurde das ganze nur für wenige Minuten, wenn man ihn gut eingepackt mit nach draußen auf die Terasse nahm. Ich befragte also eine Freundin, die Ärztin ist. Die empfahl Inhalieren und beruhigte insofern, als sie darauf hinwies, dass kleine Lungen eben auch winzig kleine Luftwege haben und diese schneller pfeifen als andere. Es könnte sich also alles dramatischer anhören, als es am Ende ist. Essen wollte unser kleiner Röchelmann nicht mehr, also machten wir ihn bettfertig und stellten dabei fest: glühend heißer Knirps. 39,5, sagte das Thermometer mal wieder. Dafür, dass er am Vormittag noch äußerst munter war, ging das nun doch verdammt schnell.
Also Anruf beim Ärztetelefon der Krankenkasse. (Eine tolle Einrichtung übrigens – rund um die Uhr sind da Kinderärzte und Fachärzte für 6 cent pro Gespräch erreichbar, die sich geduldig alle Sorgen und Ängste und Berichte anhören und dann entweder zum Arztbesuch raten oder gute Tips bereithalten. Ein Segen, wirklich, und verstopft nicht die richtige Notaufnahme. ) Die meinten, der schnelle Verlauf und das hohe Fieber würden eher für eine Lungenentzündung als für harmlosen Husten sprechen. Und da er ja noch so klein sei und überhaupt… sollten wir doch bitte sofort in die Klinik fahren, falls das Fieber weiter steigt oder falls es ihm schlechter geht.
So. Hier sitze ich also nun, höre mir noch ein paar Ratschläge erfahrener Eltern über Twitter an (Danke!) und frage mich, wann und ob wir in die Klinik fahren. Eingeschlafen ist der Knirps schließlich, allerdings ungewöhnlicherweise ohne Stillen. Ich meine, ohne Stillen, abends! Das gab es vermutlich in 11 Monaten noch nie. Beim Papa im Arm wurde er endlich ruhig. Jetzt werden wir wohl noch mal Fieber messen, und der Allerbeste packt schon mal die Wickeltasche, falls wir dann doch gleich fahren. Denn irgendwie kommt es mir auch sehr komisch vor. Heute morgen noch Wirbelwind, jetzt elendes Häufchen, von 100 auf 0 in 8 Stunden.
So ist das wohl mit Kindern. So ist das jetzt wohl die nächsten 20 Jahre – wir werden uns bestimmt noch sehr, sehr oft fragen, wann wir in die Klinik fahren sollen….
Und ich böse Mama denke auch noch: wenn das schon sein muss, dann gut, dass es jetzt ist und nicht in meiner Prüfungszeit…
… ist nicht aufgehoben, heißt es so schön.
Nur ob das klappt, ist eher fraglich. Momentan schiebe ich nämlich tatsächlich alles auf, was verschiebbar ist und nichts mit meinen Prüfungen zu tun hat. Arzttermin? Im März. Mal wieder ein ganz normales Buch lesen? März. IKEA? März. Ebenso das Aufbauen von Möbeln fürs Kinderzimmer, Keller ausmessen und mit Regalen versehen, mit Freundinnen treffen, anderen Freunden Briefe schreiben, Haare schneiden, Küche streichen, Fotobuch für (Ur)Großeltern basteln, WoW spielen, mehr bloggen, meine Musiksammlung ordnen, Steuer für 2009 machen, mehr schlafen, etc. usw.
Alles ab März. Wenn diese dämlichen schrecklichen nervigen Prüfungen vorbei sind. So langsam befürchte ich, mindestens von März bis Juni im Dauerstress zu sein, wenn ich mir die Berge anschaue, die ich dorthin verschiebe…
… falls Du wie so viele andere jeden Tag* mit der Suchanfrage “natürliche Abtreibungsmittel” auf dieser Seite gelandet bist, gilt dieser Beitrag ganz Dir.
(Du hast keine Lust, das alles zu lesen? Bei Findefux gibt es jedenfalls Hilfe bei ungewollten Schwangerschaften, kostenloser und anonymer Notruf 0800-34 63 33 89)
Ich weiss nicht, warum Du danach suchst. (Vielleicht schreibst Du nur ein Referat über Kräuterkunde.) Aber nehmen wir einfach an, Du wärst schwanger und willst es nicht sein. Ganz egal, was Dein nächster Schritt ist – bitte schlag Dir diese “natürlichen Mittel” wieder aus dem Kopf. Du bist vielleicht verzweifelt und verunsichert, aber ich werde gleich erklären, warum ich diese Idee mit der “natürlichen Abtreibung” für keine gute halte.
Ja, es mag einige Mittelchen und Kräuterchen und Methoden geben, von denen man sagt, sie könnten eine frühe Schwangerschaft beenden. Im einfachsten und wahrscheinlichsten Fall könnte es gut passieren, dass einfach nicht die Wirkung eintritt, die Du Dir offenbar erhoffst. Die Schwangerschaft könnte fortgesetzt werden, vielleicht sogar, ohne dass es Dir so richtig bewusst ist. Aber auch solche Kräuterchen haben Nebenwirkungen, manchmal sogar sehr heftige, die Dich in ernste Gefahr bringen könnten. Das ungeborene Kind könnte geschädigt werden und dennoch weiter leben. Oder es könnte durch den Abbruch selbst Probleme geben, bei denen Du Hilfe in irgendeiner Form brauchst.
Solltest Du die Schwangerschaft wirklich beenden wollen, dann gibt es sicherere Wege dazu, ohne Deine Gesundheit zu gefährden. Mit ärztlicher Begleitung und mit jemandem, der Dir alle Möglichkeiten aufzeigt. Sollte es in Frage kommen, dass Du das Kind bekommen möchtest, dann kann eine Beratungsstelle Dir auch hierfür viele Wege und Hilfen anbieten, finanzielle Unterstützung oder Tips oder sogar für den Notfall eine Unterkunft.
Deshalb bitte ich Dich – lass’ Dich irgendwo beraten. Vielleicht bei einem Frauenarzt. Oder bei einer entsprechenden Beratungsstelle, etwa bei ProFamilia oder bei der Caritas (siehe unten). Alle diese Stellen unterliegen der Schweigepflicht, sie dürfen also niemandem etwas von Dir erzählen. Ganz egal, ob Du Angst davor hast, dass Deine Eltern (falls Du vielleicht noch sehr jung bist) oder Dein Partner oder jemand ganz anderes davon erfährt, dass Du schwanger bist. Dort ist Dein Geheimnis in guten Händen. Und natürlich ist die Beratung kostenlos. Wenn es für Dich schwierig ist, eine Beratung oder einen Arzt aufzusuchen, ohne dass es jemand merkt, dann versuche alle Tricks. Lass Dich von einer guten Freundin decken, mit der Du scheinbar Kaffee trinken gehst. Oder geh’ alleine zum “Shoppen” in die Stadt. Du kannst ja zuerst mal nur dort anrufen, damit Du weißt, wie das ganze ablaufen soll – dann kannst Du Dich immer noch entscheiden. Jedenfalls gibt es Leute, die da sind, um Dir zu helfen, egal mit welchem Ergebnis.
Hier also ein paar Adressen und Nummern:
Findefux hilft bei ungewollten Schwangerschaften. Es gibt auch eine kostenlose und anonyme Notrufnummer: 0800-34 63 33 89
Hier findest Du die Beratungsstellen von ProFamilia.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet viele Informationen zum Thema und eine Übersicht über alle Beratungsstellen.
Bei der Caritas gibt es auch eine Online-Beratung per Email oder Chat.
Alles Gute.
* ja, ich habe diese Suchanfrage tatsächlich mehrmals täglich und weiss nicht mal, wieso..
Ich bin jetzt seit drei Wochen wieder im Büro. Seither habe ich es geschafft,
1 x die Taste für “großen Kaffee” statt “kleinen Kaffee” zu drücken und damit die Kapazität meiner Kaffeetasse gnadenlos zu überschätzen,
2 x den Kaffee in die Auffangschale laufen lassen, während die Tasse noch unter der Milchdüse steht,
1 x die Milchschaumdüse laufen lassen, während ich nach draußen ging und auch hier die Tassenkapazität nicht ausreichte,
1 x meinen gesamten Schreibtisch mit der vollen Tasse zu fluten (ausnahmsweise auch mit Zucker, aber hey, immerhin keine Akten erwischt)
und außerdem zuhause
1 x in der Senseo ohne Pad Wasserkaffee gekocht und
1 x ebenfalls ohne Pad, aber dafür bei offenem Deckel heißes Wasser über die Arbeitsfläche verteilt (wieso gibt es da keinen Sicherheitsschalter?).
Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich überhaupt heil im Büro ankomme…. (und vielleicht sollte ich doch an meinem Schlafdefizit arbeiten).
Gestern waren wir unterwegs und feierten die beiden Schwiegerelterngeburtstage. Nur wir fünf, aber das war ganz gemütlich. Das ausgesuchte Lokal war ebenso gemütlich, etwas (aber wirklich nur etwas) edler, aber trotzdem noch bodenständig und so, dass man sich auch mit Kind ganz wohlfühlt. Allerdings waren wir gerade zu der Zeit da, zu der auch eine große Gesellschaft ihr Essen bekam und gefühlte hundert andere Gäste auch, so daß unsere Bestellung auf sich warten ließ. Kein Wunder, dass den Knirps da irgendwann die Geduld verließ, nachdem er schon zum zehnten mal von meiner Kirschsaftschorle probiert hatte (ich wollte meine Hose ja eh in die Wäsche tun..), sämtliche Servietten in Reichweite abgeräumt, ausgiebig mit Papas Handy gespielt hatte und auch keine Lust mehr hatte, mit Omas Schal Verstecken zu spielen.
Also nahm der Allerbeste den Knirps und lief mit ihm auf und ab. Zur Garderobe, zu den Toiletten, zur Küche, überall da, wo man eben nicht möglichst wenig im Weg steht und es etwas zu sehen gibt. Jedesmal, wenn er wieder zurück an den Tisch kommen wollte, forderte der Knirps ihn mit eindeutigen Handbewegungen zum weitergehen auf. Klar, bei uns war ja auch langweilig. Und nach einer dieser Runden kam der Allerbeste mit einem kleinen Flyer zurück, der ihm gefallen hatte. Allerlei bunt genähtes wurde da beworben. Ich faltete ihn wieder zusammen und sah ein Logo, das mir bekannt vor kam. Dann den Namen: Sturmkind. [Anmerkung: Die Werbung wirkt also
]
“Hey, die kenne ich!” entfuhr es mir da, und auf die fragenden Blicke des Mannes hin wurde mir auch sehr schnell bewusst, dass “kennen” wohl doch etwas zu viel gesagt ist für jemanden, dessen Blog ich lese, nie gesehen und nie gesprochen, selten kommentiert. Beim zweiten Anlauf erklärte ich ihm also, dass das die June wäre, die eigentlich auch damals im Sommer zu Kassiopeia hätte kommen sollen (“Du weisst schon, da wo Du mich dann abgeholt hast“) und die aber leider am Ende krankheitsverhindert war. Den Schwiegereltern dagegen hatte ich erst gar nicht versucht, die Lage zu erklären, und irgendetwas von “entfernte Bekannte” genuschelt. Wie denn auch? Was ein Blog ist, wissen sie vermutlich nicht, aber vor allem wissen sie nichts davon, dass ich blogge. Genaugenommen weiß das ausschließlich der Mann, und das soll meinetwegen auch so bleiben. Ich schreibe anders, denke ich, solange Freunde und Familie nicht mitlesen. Offener.
So sind meine beiden Welten meist säuberlich getrennt. Zwar habe ich schon den ein oder anderen Blogger getroffen, aber auch da waren dann eigentlich nur Blogger mit eventuellem Anhang da – immer noch eine reine Bloggerwelt, nur eben mal ohne PC. Meine Bekannten und Freunde im “wirklichen” Leben dagegen wissen nicht, was ich hier in die Welt hinaus schreibe, Frau Schussel ist für sie eine Unbekannte. Nur solche kleinen Erlebnisse, ein zufällig gefundener Flyer in einem Restaurant, zeigen mir dann wieder eindringlich, dass es eben doch nur eine einzige Welt ist – keine Aufteilung in “virtuelle” und “reale” Welt, sondern einfach Menschen wie ich und Du, die man nur noch nie gesehen hat, die da Geschichten aus ihrem Leben erzählen und mit denen man weint und lacht und über belangloses redet.

