Das Glück auf Reisen

Man hört mich derzeit regelmäßig irgendwo tief aufseufzen.

Ich muss wieder mehr reisen, stelle ich fest. Das Reisen fehlt mir so sehr, tippe ich.

Warum? Weil mich Reisen glücklich machen. Ganz tief drinnen, und rundherum. Ja, aber warum? fragt da die Reisemeisterei.

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Zuerst sollte ich mich wohl um Definitionen kümmern. Das Reisen, von dem ich hier schreibe, ist ein Unterwegssein in der Fremde. Die Fremde kann nah oder fern sein, das ist gar nicht übermäßig wichtig. Es ist auch nicht so sehr wichtig, ob ich 3 Wochen unterwegs bin oder ein halbes Jahr, wobei manches Zeit braucht, um sich zu entfalten und einzuschleifen und daher länger manchmal doch besser ist, aber das ist eine andere Geschichte. Es ist auch nicht sehr wichtig, ob man zu Fuß und mit dem Bus und in Herbergen unterwegs ist oder mit dem Zelt oder mit dem Auto, alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich meine damit weniger Urlaubsreisen mit einem einzigen festen Ziel (wobei man auch dort auf gewisse Weise eine Reise leben kann).

Also kurz: Reisen = anderswo unterwegs sein. IMG 1164

Glücklich macht mich auf Reisen, dass ich flexibel bin. Mir gefällt das Wetter hier nicht? Dann ziehe ich morgen weiter. Die Landschaft ist atemberaubend schön? Dann bleibt man eben fünf Tage, zehn Tage, statt nur zu übernachten. Ich kann jeden Tag neu entscheiden, ob mir der Ort gefällt, der Übernachtungsplatz, die Preise, die Nachbarn. Ich muss keinen Plan einhalten und lebe ganz wörtlich in den Tag hinein. Beschränkungen sind höchstens das Wetter, Busfahrpläne, Öffnungszeiten, Krankheiten, Kinderlaunen, aber eigentlich findet sich immer sofort ein Plan B. Gegessen wird, was der jeweilige Ort hergibt, mal frisches Gemüse in Unmengen vom Stand am Wegesrand, mal das Menü in der Stadt, mal Nudeln vom Campingkocher. Man hat fast alles immer bei sich, das vereinfacht Ausflüge und Planänderungen. Es ist hilfreich, sich auch schnell davon frei zu machen, bestimmte Routen unbedingt abzufahren oder bestimmte Sehenswürdigkeiten gesehen haben zu müssen. Alles kann, nichts muss.

Glücklich macht mich, dass das Reisen meinen Kopf frei macht. Der Grund dafür ist wohl ein bißchen all das, was unter dem ersten Punkt steht. Zuhause habe ich Termine, Zeiten, zu denen Dinge erledigt sein wollen. Zuhause kann ich zwar davon Urlaub nehmen, aber dann meinen Nachbarn oder dem Wetter nur in Grenzen entfliehen. Die ToDo-Liste kann ich zwar ignorieren, aber sie steht in Form von unausgepackten Umzugskisten und vollgeräumten Wäscheschubladen und Papierstapeln auf dem Tisch doch immer vor meinen Augen. Das alles verschwindet recht schnell, sobald ich eine Weile unterwegs bin. Und da ich ja die kleinen Unbequemlichkeiten – zu warm, zu kalt, zu langweilig – einfach durch Weiterziehen ändere, kann ich mich auf anderes konzentrieren. Auf Träume. Bücher. Gespräche. Mich. Partner. Die Kinder. Was eben gerade passt. Ich fühle mich unterwegs meist sehr ruhig und ruhend, selbst wenn es rein äußerlich manchmal anstrengend scheint. Womit ich wieder an dem Punkt bin: ich brauche das Reisen.

Kritische Geister meinten übrigens schon mal, das wäre eine Illusion, eine Scheinflucht vor meinen eigenen Problemen. Schließlich müsse ich ja nach der Reise irgendwann wieder zurück zu den Nachbarn, dem Wecker, der ungestrichenen Küche und der Steuererklärung mit dem Papierstapel. Es ist aber so: erstens ist “muss” ein fragliches Wort, wie einem spätestens beim dritten Langzeit-Aussteiger klar wird, den man unterwegs trifft. Ich will (bisher) zurück, weil ich ganz gern ein sicheres Einkommen habe, feste Freunde, ein eingerichtetes Zuhause, ganz zu schweigen von so Kleinlichkeiten wie deutscher Krankenversicherung und – mittlerweile – Kinderbetreuung. Zweitens ist es keine Flucht, ebensowenig wie der Feierabend eine Flucht vor dem Arbeitstag ist. Es ist eine ganz bewusste Auszeit, ein Abschnitt zum Auftanken, der mir gut tut. Das aber nur am Rande.

IMG 1343Glücklich macht mich die viele Natur auf Reisen. Beim Camping oder Wandern ist das gewissermaßen per Definition inbegriffen, morgens riecht es nach Gras und Tau, abends riecht es nach Sonnenuntergang, man riecht das Wetter und sieht die Sterne. Aber auch, wenn ich nicht draußen übernachte, bin ich wesentlich mehr im Freien. Zuhause hat man drinnen Platz und unendliche Beschäftigungsmöglichkeiten (oder auch Beschäftigungsnotwendigkeiten), die unterwegs weg fallen. Bei 10qm Herbergszimmer flüchtet man zwangsläufig irgendwann. Und von den unbekannten Landschaften und Orten, die man neugierig erkunden will, habe ich noch nicht mal angefangen. Frische Luft tut mir gut, frische Luft macht mich morgens wach und abends müde und macht meine Lungen frei. Außerdem entspannt mich weites Grün und bewegtes Wasser und starker Wind, und zumindest die zwei letzteren sind an vielen Orten häufiger als hier in Bayern.

Glücklich macht mich, dass Reisen verbindet. Zuhause hat man sich gemütlich eingerichtet, vielleicht mit Freunden, Nachbarn, Familie. Manche treffen auch in der Heimat regelmäßig ganze Horden neuer Leute; ich gehöre eher zu den Menschen mit kleinem Freundeskreis und kuschligem Sofa, und das ist auch in Ordnung so. Unterwegs ist das jedoch alles anders. Unterwegs hat man Fremde in der Herberge mit am Frühstückstisch oder im Bad, die Nachbarn stehen auf dem Campingplatz ohne Sichtschutz nur drei Meter weiter, und Kinder spielen sowieso nach zehn Minuten über jede Sprachgrenze hinweg. Man kennt sich nicht aus und ist auf die kleinen Tips angewiesen, die Einheimische und Erfahrene fast immer gerne weitergeben. Der Kontakt zu anderen wird notwendiger, aber auch viel einfacher und unmittelbarer. Ich brauche jedesmal einige Tage, bis ich mich da hineingefunden habe; dann stelle ich zu meinem Erstaunen fest, dass mein Selbstbewusstsein täglich steigt, dass ich viel problemloser Leute anspreche und Geschichten erzähle. Sogar in holprigen Fremdsprachen. Ich habe diesen Effekt noch nicht komplett durchschaut, aber er tut gut. Und manchmal trifft man Freunde, die man Jahre und Jahrzehnte behält.

Glücklich macht mich, dass das Reisen relativiert. Nicht alles, aber doch vieles. Fast zwangsläufig ist man zum Beispiel mit wenigen Dingen unterwegs; im Wohnmobil noch mit mehr als beim Rucksack, aber immer deutlichIMG 0041 eingeschränkt gegenüber dem normalen Wohnalltag. Weniger Unterhaltung, weniger Kleidung, weniger Kochutensilien, weniger Werkzeug. Man lernt recht schnell, welche dieser wenigen Dinge man auch noch hätte daheim lassen können, weil sie einfach nicht wichtig sind. Und man lernt am allerschnellsten, was man wirklich braucht, um sich wohlzufühlen. Die “Konzentration aufs Wesentliche” klingt nach platter Weisheit, trifft es aber doch erstaunlich gut. Reisen relativiert auch die “kleinen Aufreger”. Schlechtes Wetter beispielsweise. Natürlich sind fünf Tage Dauerregen sehr unangenehm, beim Zelten etwa ganz unmittelbar unangenehm. Aber was hilft’s? Am Ende macht man es sich doch mit Schlafsack und Kerze und gutem Käse (seit Kindern: zusätzlich mit Schaufeln und Matschsachen) am Zelteingang gemütlich, bleibt zwei Tage länger, damit der Schlamm trocknen kann, und macht irgendwie das beste draus. Oder man fährt weiter. Oder man lacht mit den gerade kennengelernten Nachbarn. Und letztendlich lernt man unterwegs gelegentlich, die kleinen Dinge zu schätzen. Weiches Toilettenpapier. Trockene Füße. Warmes Wasser zum Waschen. Trinkwasser in unbegrenzter Menge.

IMG 1103Glücklich macht mich, dass Reisen mich aus meiner Filterblase holt. Natürlich wissen wir alle, dass man anderswo anders lebt und die Welt anders aussieht als vor der Haustür. Es selbst zu erleben ist aber nochmal eine ganz andere Kategorie. Das gilt für Dinge, die man daheim einfach nicht erleben kann – einmal vor dem Grand Canyon oder auf der endlosen Atacama-Hochebene stehen – aber auch für unzählige Kleinigkeiten, an die man noch nie gedacht hat, weil es einfach bislang keinen Anlaß gab, darüber nachzudenken. Beispielsweise die freundlichen Aufforderungen in Südamerika und China, das Toilettenpapier in die Mülleimer statt die Schüssel zu werfen. Man staunt, und dann denkt man darüber nach, wie unselbstverständlich ein Abwassersystem offenbar ist, das große Mengen Papier verträgt. Oder: andere Länder und der ganz andere Umgang mit Kindern. Mit Essen. Mit Geld. Mit Zeit. Mit Familie. Andere Prioritäten, andere Sitten. Man sieht Klischees in Grundzügen bestätigt und doch komplett widerlegt. Man sieht das, was man zuhause gedankenlos hingenommen hat, ob Gutes oder Schlechtes, manchmal in überraschend neuem Licht. Das wirkt nach, und oft dauerhaft.

Glücklich macht mich, neues zu sehen. Das gilt nicht nur auf Reisen. Aber wo hat man in so kurzer Zeit so viel Möglichkeit, neues zu erleben? Neue Menschen, neue Landschaften, neue Sprachen, neues Essen, neue Farben, neue Pflanzen, im Grunde ist unterwegs jeden Tag alles neu. Ein Feuerwerk von Eindrücken. Ich sauge sie auf wie ein Schwamm und zehre davon buchstäblich Jahrzehnte. Warum es immer neues sein muss, wo doch auch der eigene Garten und die eigene Stadt daheim schön sind? Ja, warum lesen wir immer neue Bücher, wenn doch das erste Buch damals schon ganz gut war? Entdecken und Lernen macht mich glücklich.

Das alles ist mein Glück auf Reisen. Das und tausend kleine und große Dinge, die ich jetzt vergessen habe oder hier keinen Platz mehr haben oder für die ich schlecht Worte finde. Aber das Glück, das ist keine Frage.

Ich muss wieder weg. Bald.

2013-Rückblick-Stöckchen

Ja, ich hab das ganze Jahr und länger so gut wie nicht gebloggt.

Ja, mir ist trotzdem nach meinem Rückblickstöckchen.

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
4.

2. Zugenommen oder abgenommen?
weder noch.

3. Haare länger oder kürzer?
Vielleicht ein bisschen länger, aber kaum merkbar.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Kurzsichtiger, weil immer noch nicht beim Augenarzt, und auch sonst irgendwie.

5. Mehr Kohle oder weniger?
Verdient – mehr. Endlich die Gehaltserhöhung bekommen, die gefühlt schon lange fällig war.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Denselben und trotzdem einen besseren, weil zunehmend mehr Erfahrung, mehr Erfolge, mehr Verantwortung.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Viel gespart und gerechnet und trotzdem viel mehr. Zwei Wohnungen hauen rein.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Einen Kindergartenplatz für Zwuckel 2014. Ein Päckchen mit Duschgel, Wasserball, Schlüsselanhänger.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Hm. Etwas mehr. Mehr mit den Kindern draußen gewesen, mehr zu Fuß gegangen, Fahrrad gekauft.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Wenige. Bei den Kindern fast keine.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Der November. 4 Wochen krank, zwei davon krankgeschrieben und fix und fertig, Eitrige Nebenhöhlen, Würmer, Bronchitis, Rückenschmerzen, alles was man so in einen Monat reinkriegt.

12. Der hirnrissigste Plan?
Aus Unentschiedenheit und ähnlichem das ganze Jahr keinen Urlaub zu nehmen.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Alleine leben mit Kindern.

14. Die teuerste Anschaffung?
Neuer PC. Und die zweite Wohnung.

15. Das leckerste Essen?
Weihnachtsessen im Job war fein. Ansonsten schwärmte ich dieses Jahr sehr für einfache Perfektionen wie “warmes, frisches Butterbrot”.

16. Das beeindruckendste Buch?
Mein Leben ohne Gestern, Lisa Genoveva. Keine hohe Literatur, aber eindrücklicher Roman zum Thema Alzheimer.

17. Der ergreifendste Film?
keiner. Wenn Filme, dann nur Unterhaltung, aber nichts ergreifendes.

18. Die beste CD?
The essential Simon and Garfunkel. Zweifellos nicht aus diesem Jahr, aber ich habe sie jetzt gekauft und oft gehört.

19. Das schönste Konzert?
keins. 

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Zwuckel.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
der ganzen Familie. oder im Februar mit der weltbesten Freundin.

22. Zum ersten Mal getan?
Mit Kindern alleine gelebt, ein Kind ohne uns in den Kindergartenurlaub verabschiedet.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Geflogen, eine Nacht ohne Kinder im Hotel verbracht, Klezmer gespielt, die weltbeste Freundin getroffen, gehäkelt.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die Trennung. Die Depression, die ihr vorausging. Die anstrengende Zeit alleine, die folgte.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass man an Dingen arbeiten kann, dass wir das können, dass es sich lohnt, dass Depression eine Krankheit ist.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Viele kleine. Ich habe dieses Jahr wieder mehr geschenkt, selbstgebasteltes und gekauftes, und offenbar viele Volltreffer gelandet. Macht mich glücklich.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Ein Herz aus Gips, das uns der Knirps vor seinem Kinderurlaub bastelte, damit wir nicht zu traurig sind, wenn er weg ist.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Wohl ein Kindersatz.

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
“Du fragtest nach Perspektiven.”

30. Dein Wort des Jahres?

31. Dein Unwort des Jahres?
Allein.

32. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Kaum noch Blogs gelesen. Dennoch: http://www.documentingdelight.com/

33. 2013 war mit einem Wort:
anstrengend.

34. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchem vom vorigen Jahr!
Bitte schön: 201120102009 und 2008 . Ich kann kaum fassen, dass ich 2012 wirklich ausgelassen habe. Tza. 

Guten Rutsch!

Tagebuchbloggen. Sonntag.

Nun habe ich euch drei Tage vernachlässigt. Aber keine Sorge, mein Leben war in der Zeit nicht besonders interessant.

Und heute? Auch nichts großartiges, aber zum Abschluß der Tagebuchblogwoche lasse ich euch noch mal mit reinschauen. Bin allerdings diesmal schon so müde, dass ich garantiert die Hälfte des Tagesgeschehens vergesse…

Die Kinder sind gegen 7 wach, wie fast immer. Noch mit halbgeschlossenen Augen ist die erste Frage aus Knirpsrichtung: “Heute frühstücken wir im Restaurant, oder?” Ja, genau, heute ist auswärts essen geplant, ein gemütlicher Brunch. Das gehört keineswegs zum normalen Sonntagsalltag hier, macht aber natürlich trotzdem Spaß und fand schon viel zu lange nicht statt. Unser Fehler war aber, von einem “Frühstück” zu sprechen, denn jetzt wurden wir selbstverständlich zwei Stunden lang belagert: “Wann gehen wir los? Warum können wir nicht jetzt los gehen? Aber wir wollten doch nicht zuhause frühstücken? Warum haben die jetzt noch nicht auf? Wann ist 10 Uhr? Gehen wir jetzt endlich?” etc. pp., und ebenso selbstverständlich war der Knirps dann, als wir wirklich losgehen wollten, gar nicht in Gehlaune, sondern trödelte wieder munter vor sich hin. Aber gut.

Wir haben sogar zu viert den richtigen Bus erwischt. Nach 15 Jahren in dieser Stadt (hui!) kommt es mir ganz normal vor, für Freizeitaktivitäten mal eben 50 min mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt zu fahren; früher, daheim, auf dem Land, hätte ich da höchstens den Vogel gezeigt.

Das Brunchbuffet war beeindruckend. Schon alleine von der Auswahl her, aber auch die einzelnen Komponenten machten einem Gerne-Esser wie mir große Freude. Endlich mal nicht nur Schinken, Tomate-Mozzarella und ein paar Kuchen – statt dessen oder besser zusätzlich Caesars Salad, Spargel, Roastbeef, Carpaccio, Suppen, Garnelensalat, Couscous, ach, so viele leckere Sachen! Ganz mein Ding. Nicht, weil ich unbedingt viel essen möchte, sondern weil ich mich endlich einmal nicht entscheiden muss. Der Knirps, der ja sonst gerne auch Sushi und Curry und Räucherlachs und überhaupt fast alles isst, war entweder von der Auswahl überfordert oder entwickelt sich langsam in Richtung klassischer Kindervorlieben. Jedenfalls ging er an all diesen Leckereien recht unbeeindruckt vorbei und aß ganz langweilig einen Joghurt, einen Obstsalat, etwas Rührei, viel trockenen Reis, etwas Fisch, eine Stange Spargel und eine Apfeltasche. Aber gut, meinetwegen darf er auch langweilig satt werden, wenn’s schmeckt.

Fast noch luxuriöser als das Essen selbst: die alleinige Tatsache, dass ein gut ausgestattetes Kinderspieleck existiert. Anders wären 4h Brunch mit zwei kleinen Kindern wohl auch kaum machbar. Unsere Aufstehfrequenz wurde nochmal deutlich gesenkt, als direkt am Spieleck ein Tisch frei wurde und wir kurzerhand um einen Umzug baten. Zwuckel schlief zwischendrin eine Runde in der Manduca, der Knirps war bis auf einen kleinen Kindersesselstreit recht entspannt – alles in allem wirklich toll. Aus dem Rahmen fiel höchstens der Keyboarder der Live-Jazz-Band, der rein vom Aussehen so gar nicht zur Musikrichtung passte in ganz schwarz mit schwarz gefärbten Haaren und vor allem aber mit Nietenjeans, die einen ausufernden Blick auf seinen schwarzen Stringtanga und noch mehr freigab. Auf der Bühne über dem Buffet schwebend, übrigens. Ich habe heute leider kein Foto für euch, aber vermutlich hätte es diesen Artikel entscheidend aufgewertet.

Nachdem alle satt waren und der Lautstärkepegel doch langsam seine nervenzehrende Wirkung auf die Kinder zeigte, verließen wir das Restaurant und überfielen den nächsten Spielplatz. Sonne, austoben, gar nichts tun. Schon wieder perfekt. Zwuckel interessierte sich bis auf eine Wippe recht wenig für die Spielgeräte, denn wer braucht schon Spielsachen, wenn es Stöcke gibt. Ganz viele Stöcke. Und während der Knirps uns ständig im Auge hat, immer wieder bettelt, wir sollten doch mit zum Klettergerüst oder zur Schaukel kommen, marschiert Zwuckel einfach davon, ohne sich einmal umzusehen, versucht gerne auch mal, mit einer Gruppe 8jähriger Fußball zu spielen oder diskutiert mit Kindergartenmädchen, ohne ein Wort wirklich sprechen zu können. Und sammelt noch mehr Stöcke.

Gegen 16 Uhr beenden wir diesen wirklich wunderbaren Tag da draußen langsam. Die Kinder werden müde, wir auch, und wir haben ja noch die übliche Stunde Heimweg vor uns. Natürlich verpassen wir den Bus, der sonntags sowieso seltener fährt. Zum Ausgleich werden wir Zeugen eines Auftritts der Zivilstreife, Drogenfahndung oder sowas, jedenfalls Blaulicht (“Dadü! Dadü!”) und Zivilpolizisten, die Männer und Autos durchsuchen. Zweifellos sehr spannend für einen Vierjährigen. (“sind das Diebe? Nehmen sie die jetzt mit? was suchen die jetzt im Auto? was haben die da im Auto gefunden? warum müssen die da so stehen? bestimmt sind das Diebe, oder, Papa, und die müssen jetzt ins Gefängnis! Doch, das glaube ich schon. Warum haben die nur so ein kleines Blaulicht und gar kein Polizeiauto? Warum haben die normale Kleider an? Warum fahren die nur hinterher? Kommen die auch, wenn echte Diebe da sind?” etc. pp.) Wir besorgen unterwegs mal wieder zwei Brezen für hungrige Kinder, ertragen diverse Zwuckelkreischanfälle im Bus aus unbekannten Gründen, haben beim Aussteigen aus dem Bus einen Vierjährigen, der jammert, weil er nicht getragen wird und eine Einjährige, die kreischt, weil sie kurzzeitig getragen wird und sind irgendwann endlich zuhause.

Überhaupt, Zwuckelkreischanfälle: darin und im Nein sagen war sie heute einsame Spitze. Ich würde vermuten, ich habe von ihr heute mehr “Nnnnnnein!” gehört als vom Knirps in den ersten beiden Jahren. “So, jetzt gehen wir los.” – “Nein!” – An der Straße musst Du mir die Hand geben. “Nein!” “Mütze aufsetzen?” – “Nein!” “Das ist unsere UBahn, jetzt steigen wir ein.” -“Neinnn!” “Noch was essen? Tomate? Brot? Ei? ….” – “Nnnnnnein!” “Kuchen?”- “Nein! *pause* Jaaaaaa!” (war dann aber doch nein.) Sie hat meinen Kopf, denke ich.

Daheim beschließen wir, dass eigentlich alle mehr oder weniger satt sind und erklären die Brezen und etwas Brot zum Abendessen. Der Knirps ist kurzzeitig empört, weil für ihn kaltes Abendessen kein Abendessen sei, lässt sich aber mit Essiggurken besänftigen. Dann lässt er sich mit mehr oder weniger Aufwand und Trödelei und Streiterei (heute mal wieder eher mehr) für’s Bett fertig machen, zieht immerhin den Schlafanzug richtig schnell an, denn der ist neu und einteilig (der Neid auf das Schwesterchen und ihre Garderobe machte sowas nötig). Zwuckel dagegen lässt sich zwar ebenfalls umziehen, ist aber noch hellwach und beschäftigt sich bis kurz vor 9 selbst, während ich hier am PC sitze und der Mann irgendwo wurschtelt. Wir suchen noch die seit gestern schwer vermisste Zwuckelpuppe in und unter allen Möbeln suchen. Sie kommt nur ab und zu vorbei, um uns Playmobilmännchen vorzuführen oder stolz in Knirpsschuhen, Schlafanzug und Mütze durchs Wohnzimmer zu stiefeln. Irgendwann kommt auch sie von sich aus zum schlafen zu mir, schläft entsprechend sofort ein, und wir sitzen wie meistens hier im Wohnzimmer, einer hier, einer da, lesen ein wenig, reden ein wenig, naschen ein wenig (ich), schnarchen (Schnupfenzwuckel), und so weiter.

Sonntag vorbei. Danke an alle, die diese Tage mit-gelesen haben – mal sehen, wie es hier weitergeht.

Tagebuchbloggen. Mittwoch.

Heute gibt es etwas Abwechslung, denn Mittwoch ist mein erster Arbeitstag, dafür ist der Mann zuhause.

Das bedeutet, dass wir alle gemeinsam um 6:45 aufstehen. Oder besser: aufstehen sollten. Während die Männer schon auf sind, wälze ich mich mal wieder mit Snoozetaste im Bett, und auch Zwuckel meint auf meine Ankündigung, ich würde heute arbeiten gehen, nur: “Nein. Mama chhhrrrpschh-chhhrrpschh“, und zieht uns beiden dabei demonstrativ die Decke bis zur Nasenspitze. Sorry, Zwuckel, daraus wird nichts.

Wir frühstücken an diesen Tagen alle gemeinsam, nur dass jetzt der Mann für alle Kinderbelange zuständig ist. Ich darf also in ruhe essen, duschen, meine Sachen richten. Wie meistens setze ich mich anschließend noch kurz an den PC für eine kleine Internetrunde. Zwar komme ich dadurch noch später los, aber es hat sich als sinnvoll erwiesen, um im Büro einen Grund weniger für morgendliche Ablenkung zu haben. Ich bestelle endlich den Akku-Bohrhammer, um den ich schon seit Wochen herumschleiche und bin 20 nach 8 endlich fertig zum gehen.

Der Mann wird heute den kleinen Wocheneinkauf übernehmen und bringt den Knirps deshalb mit dem Auto zum Kindergarten, so dass die drei mich noch schnell mit zur U-Bahn nehmen können. Ich besitze zwar mindestens drei mobile Geräte, die mir unterwegs zur Unterhaltung dienen könnten (Smartphone, Tablet, ebook-Reader), aber ich schaffe es, kein einziges davon aufgeladen zu haben. Also muss ich die knapp 25 min U-Bahn-Fahrt zwangsläufig damit verbringen, Mitfahrer zu beobachten, Löcher in die Luft zu starren und vor mich hin zu träumen. Zugegeben, manchmal nicht die schlechteste Beschäftigung.

Gegen 9 bin ich also im Büro. Vielleicht auch kurz danach, das ist bei uns glücklicherweise nicht ganz so wichtig. Ich schalte den PC ein, öffne das Fenster zum durchlüften und gehe dann erstmal Kaffee holen und einen Teil des Teams begrüßen. Bis ich zurück bin, ist selbst meine Krücke von Computer arbeitsbereit.

An dieser Stelle werde ich etwas ungenauer, auch wenn das die Frau Brüllen mit der expliziten Arbeitsalltagsneugier enttäuschen mag. Sorry! Zum einen darf ich einiges nicht erzählen, anderes behalte ich für mich, um weiter so hübsch anonym zu bleiben. 

Meine Arbeit besteht für die nächsten Stunden vor allem darin, am PC zu sitzen, Dinge zu lesen, nachzudenken und Dinge zu schreiben. Ich habe mein eigenes kleines, nettes Büro mit eigener Tür und ein paar Grünpflanzen, die überraschenderweise immer noch leben. Mit meinen Kollegen treffe ich mich hauptsächlich zum Mittagessen. Manchmal auch, wenn einer von uns eine Frage hat oder ein Problem diskutieren will oder sich einfach mal für fünf Minuten die Füße vertreten möchte.  Aber insgesamt sind wir Einzelkämpfer, jeder sein Ding, alles recht ruhig und von außen vermutlich langweilig. Zunächst sieht es heute nach einer entspannten Woche aus, dann sehe ich doch noch den neuesten Auftrag, der die Lage sofort in Richtung “machbar, aber stressig” verändert.

Als die drei Kollegen zum Mittagessen rufen, bin ich gerade endlich mal halbwegs konzentriert und sage deshalb solange “komme gleich”, bis die anderen fertig sind. Mist. Das passiert mir selten, über so ein bisschen zwischenmenschliche Ansprache am Tag bin ich doch froh – auch wenn die immer gleichen Themen gelegentlich was von Kaugummi haben. Zäh. Ich mache mir also schnell alleine meine Convenience-Käsespätzle in der Pfanne heiß. Kein optimales Essen, aber leider sitzen wir essenstechnisch etwas auf dem Trockenen. Keine Kantine, kaum Restaurants, kein Supermarkt, vereinzelte Imbisslokale. Ich bin kein großer Freund belegter Brote, und der Plan, mir Salat oder ähnliches von zuhause mitzubringen, scheitert oft an Zeit und Aufwand. Eine meiner Planbaustellen für dieses Jahr: besser essen im Büro. Irgendwann bald.

Dann weiter wie vormittags: lesen, nachdenken, schreiben. Irgendwann kommt ein Anruf von meinem Chef, dringende Sache, wichtige Sache. Ich werde ein wenig schultergeklopft, “Sie sind meine beste Allzweckwaffe für diesen Fall” – was mir durchaus zusagt, keine Frage. Am Ende bedeutet es aber dennoch, dass noch mehr Arbeit in die Woche gepresst wird. In diesem Fall: Fehler ausbaden, die andere gemacht haben, retten, was zu retten ist, und das innerhalb von 36 Stunden. Der Countdown läuft. Mein Kopf läuft leider nicht. Der blockiert mal wieder, wie so oft, gerade unter Stress. Beruhigend ist da höchstens, dass ich weiß, dass irgendwann der Knoten in meinem Hirn aufgeht und ich in rasender Geschwindigkeit jede Menge geschafft kriegen werde. Fragt sich nur, wann das passiert. Jedesmal dasselbe. Mein persönlicher kleiner Nervenkitzel.

Als ich schließlich kurz nach halb 7 aus dem Büro gehe, schneit es, und ich bin eher unzufrieden mit meiner heutigen Leistung. Aber was nutzt das Jammern. Morgen muss es besser gehen, morgen muss irgendetwas passieren. Heute hat das alles keinen Sinn mehr, sonst wäre ich eventuell länger geblieben. Auf dem Heimweg drängen sich am Marienplatz jede Menge schalgeschmückte Fußballfans in die Bahn. Der gegnerische Verein scheint aber von der harmlosen Sorte zu sein, es ist zwar gedrängelt voll, aber sonst ruhig, fast freundlich. Da habe ich schon andere Fußballfahrten erlebt. Immer wieder mittwochs. Die kleine Herausforderung des Abends ist dann jedesmal, sich ausgerechnet eine Station vor dem Stadion aus der Bahn zu kämpfen. Ich lasse den Bus stehen und gehe das letzte Stück zu Fuß, noch den Kopf ein wenig freipusten lassen. Unterwegs läuten Glocken, und Twitter bestätigt, es gibt einen neuen Papst.

An der Wohnungstür empfangen mich fröhliche Kinder, fertig abgefüttert und schon in Schlafanzüge verpackt. Zwuckel will sofort und auf der Stelle stillen und ist reichlich wütend, dass ich mich erst noch für dreißig Sekunden ins Bad wage. Der Knirps spielt, Zwuckel stillt, ich esse. Der Mann hat Gemüsebratlinge mit Joghurtsauce gemacht. Lecker. Ausnahmsweise schalte ich noch schnell den Livestream in den Vatikan ein, historisches Ereignis und sowas, auch wenn ich mich derzeit nicht als gläubig bezeichnen würde. Der Knirps schaut sich interessiert den Aufmarsch der Schweizer Garde an (“ist das auch Fasnet?”), will dann aber schlafen gehen, so dass ich mir für morgen noch überlegen kann, wie man ihm das Konzept Kirche und Papst verständlich erklären kann. Zwuckel schläft schon in meinem Arm ein. Der Mann kommt auch ziemlich schnell von der Einschlafbegleitung zurück, offensichtlich waren beide recht müde. Ich lese ein wenig zum neugewählten Franziskus, der Mann hat einen freien Abend und geht aus. Gegen halb 10 kann ich Armschlafzwuckel unglaublicherweise mit etwas Geduld und Spucke Deckenrollen ins Bett ablegen. Ich esse die restlichen Bratlinge, räume die Spülmaschine ein und schreibe diesen Artikel fertig. Mittwoch vorbei.

Tagebuchbloggen. Dienstag.

Eigentlich dachte ich zunächst, der Montag würde als exemplarischer Kindertag ausreichen, andererseits: wenn schon belanglos bloggen, dann so richtig. Also heute wieder.

Dienstag ist mein zweiter Zuhausetag mit den Kindern. Also im Grunde alles wie Montag, nur manchmal ein bisschen anders.

Heute beispielsweise war der Mann nicht schon weg, als wir aufstanden, weil er verschlafen hatte. Der Knirps bettelte um Aufstehen, was ich erst mit einem Hinweis auf tiefste Nacht abwehren wollte, dann aber zugeben musste, dass wir 5 min vor Weckerklingeln waren. Er war dennoch gut gelaunt, aber nicht ganz so blendend wie gestern und etwas mehr in Trödelverfassung. Dennoch: ein recht entspannter Morgen für alle. Viertel nach 8 aus dem Haus, Zwuckel (“HopHop!”) auf den Rücken gepackt und uns zum Kindergarten aufgemacht. Dass heute der Mann die übertragbare Monatskarte hatte, ich prompt das Stempeln vergaß und damit schwarz fuhr, fiel mir erst später auf. Glück gehabt.

Von dort ging es auf direktem Weg zurück, diesmal mit Tragezwuckel, weil offensichtlich müde. Kaum daheim, schlummerte sie weg – wie üblich beim Stillen – und ich übermütiges Ding startete einen weiteren Ablegeversuch. Erfolgreich. 1,5 Stunden im Bett. Da tut sich was beim Schlafen zur Zeit. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Meine freie Zeit? Spülmaschine, PC, getwittert, Tagebuchblogger und sehr traurige Blogs gelesen. Was sind schon 90 Minuten. Zum Mittagessen ein paar kleine Kartoffeln mit ordentlich Öl und Rosmarin in die Pfanne geworfen, Gurkenstücke zum Knabbern dazu. Festgestellt, dass hungrige 1-jährige wirklich unbeirrbar immer wieder die nicht-mehr-zu-heiße-aber-doch-noch-sehr-warme Kartoffel in den Mund stecken, aber selbst beim fünften erschrockenen Ausspucken nichts dazu lernen.

Davor und danach außerdem, man verzeihe mir die fehlenden Minutenangaben: mit Zwuckel Klavier geklimpert; zweimal Weihnachten im Stall vorgelesen (“Beeebi! Bebi! Tuuuh!”); beide Kloschüsseln mit Zitronensäure entkalkt (das Münchner Wasser sorgt zwangsläufig für enormen Säureverbrauch); geblödelt, viel; verliehene und zurückerhaltene Babywäsche sortiert und kurzzeitig geärgert, weil da tatsächlich Oberteile mit verkrusteten Breiresten dabei waren; den Plastikmüllbehälter wieder eingeräumt, den Zwuckel ausgeräumt hatte, die währenddessen aber die Handschuhkisten im Flur auskippte, die ich dann wieder einräumte, während sie alle Plastikteller und restliche Senseo-Kaffeepads im Wohnzimmer verteilte, etc.pp.; diverse Tassen Espresso getrunken; lustlos Dinge in der Küche von rechts nach links geschoben; die Glastür zum Wohnzimmer mit Zwuckel geputzt, ich auf der einen Seite, sie mit geschätzten drei Metern selbstabgerollter Küchenrolle (ichbinganzentspannt) auf der anderen; vergessen, was ich sonst noch gemacht habe. Wie gestern eben, nur anders.

Wieder kurz nach 2 zum Knirpsabholen aufgebrochen. Ich war fest davon überzeugt, gestern wie heute zur selben Zeit losgegangen zu sein, aber gestern war ich 20 min zu früh, heute kam ich gerade so zwei Minuten vor Kindergartenschluss noch an. Neue Kochdienste für die nächsten Wochen eingetragen. Dem Knirps einen Laugenzopf gekauft (Kindergarten macht so schrecklich hungrig). Immer noch müdes Tragezwuckelchen erfolgreich auf dem Rücken behalten, so dass wir schon nach fast rekordverdächtigen 45 min zuhause waren, und das inklusive Baggerbestaunen. Wie schon die letzten Tage ist der Knirps direkt ins Bett gewandert und fast auf der Stelle alleine eingeschlafen. Seit er neulich krank war, Grippe oder sowas ähnliches, eine Woche lang hoch Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen, seither jedenfalls ist er eigentlich dauernd müde. Mir geht es ganz ähnlich, daher großes Verständnis.

Wir dödeln irgendwas vor uns hin, bis wieder kurz nach halb 6 der Mann nach Hause kommt. Wieder Küche fertig machen, Pellkartoffeln aufsetzen, Fisch in den Ofen schieben, Karottensalat durch die neue und schon heißgeliebte Küchenmaschine jagen. Pünktlich zum Abendessen (wir wissen ja: wenn er aufwacht, dann nach recht genau drei Stunden) wird der Knirps gegen 7 wach. Wieder schlecht gelaunt. Liegt vielleicht an der Dauermüdigkeit zur Zeit. Oder ihn drückt sonst irgendwo der Schuh. Jedenfalls zwei astreine Riesenwutanfälle, noch bevor er zu essen beginnt, es ging, glaube ich, um falsche Becher und zerfallende Fischstücke und falsche Sitzplätze. Man weiß es nicht so genau, weil es natürlich um diese Sachen eigentlich überhaupt nicht geht. Irgendwann (man lese: nach einer guten halben Stunde) beruhigt er sich und erzählt auf vorsichtige Nachfrage vom Kindertheater, das sie letzte Woche mit dem Kindergarten besucht hatten, von Figuren, die ihm womöglich etwas Angst gemacht hatten, aber nur ein bisschen. Vielleicht war es das. Vielleicht auch was anderes, da gäbe es die ein oder andere Option zur Zeit. Wir werden das wohl die nächsten Tage erleben.

Nach dem Essen fällt Zwuckel müde mehr oder weniger in meinem Arm um, der Knirps trödelt noch ein wenig vor sich hin, wird bettfertig gemacht, bekommt Pippi vorgelesen, alles wie gestern. Einschlafen kann er heute aber nicht so einfach, also geht der Mann irgendwann raus und lässt die Tür halb offen. Auch das ist eine recht neue Errungenschaft hier, kam von alleine, kommt immer öfter: abends alleine einschlafen können. (Ich denke, er schläft jetzt, zumindest hören wir nichts mehr von ihm.) Wir beide sitzen noch mit Armschlafzwuckel im Wohnzimmer, der Mann kruschtelte erst irgendetwas, übernahm dann Zwuckel, las noch, ich schrieb hier, nein, ich schreibe noch, er schläft da hinter mir fast ein und deshalb: gute Nacht. Dienstag vorbei.

Tagebuchbloggen. Montag.

Die Frau Brüllen hat gefragt , was wir denn eigentlich so den ganzen Tag machen. Da dachte ich, das wäre der perfekte Anlaß, um so zu tun, als wäre nichts gewesen und sich unauffällig einzureihen. (Blogpause? wer? wo?) Muss man ja nur beschreiben, wenig denken, nichts kreatives oder hochintellektuelles, da lässt sich ganz gut ausprobieren, ob meine alten Blogfinger vor lauter Rost schon knarzen.

Also. Was mache ich den ganzen Tag?

Montag ist für mich Kindertag. Wenn unser Wecker um 6:45 klingelt, dann ist der Mann schon längst zur Arbeit verschwunden. Im Idealfall ist dabei keiner aufgewacht. Heute ist ideal. Der Knirps kuschelt sich müde an mich, während ich nicht minder müde zweimal die Snooze-Taste drücke. Zwuckel schnarcht tief und fest, also lasse ich sie liegen und kann mich ganz dem großen widmen – das passiert selten genug. Der wiederum ist offenbar ausgeschlafen und gut gelaunt, zumindest springt er alleine in Richtung Klo, statt nach Begleitung zu jammern. Ein guter Start.

Es ist also kurz nach 7. Mein mittelperfektionistischer Mann hat wie immer am Vorabend den Kindern Kleidermännchen auf dem Sofa parat gelegt und den Frühstückstisch vorgedeckt. Wir müssen uns also nur noch setzen und anfangen. Die blendende Knirpslaune besteht weiterhin, was keineswegs selbstverständlich ist; an manchen Montagen könnte ich zu dieser Zeit schon vom dritten Wutanfall berichten. Oder von sich kratzenden Geschwistern. Aber nein, heute alles friedlich, er schmiert sich also sein Honigbrot selbst, die Milchmenge im Becher ist die richtige und wir beide frühstücken gemütlich vor uns hin. Bis Zwuckel aus dem Schlafzimmer ruft. Mittlerweile ist es halb 8 und wir sind alle drei im Schlafanzug. Während also auch Zwuckel ihr Brot knabbert, zieht der Knirps sich an. Alleine und ziemlich schnell, er meint zwar, er würde einen Anziehwettbewerb mit mir veranstalten, achtet aber dabei nicht mal auf meine Teilnahme. Die gute Laune heute, ich wiederhole mich, an anderen Tagen… Eigentlich wollte ich morgens noch schnell die Spülmaschine erledigen, sprich, die dreckigen Geschirrberge vom Vorabend beseitigen, aber ohne Aufsicht springt mir Kamikazezwuckel gern mal seitlich vom Stuhl, also wird das verschoben. Der Knirps verwundert erfreut mich weiter, indem er unaufgefordert schon mal Zähne vorputzen geht. Alleine. Am Ende jedenfalls schaffen wir es alle um 20 nach 8 aus dem Haus, vollständig angezogen, gewaschen und mit sauberen Zähnen und mit nur einmal umdrehen, weil ich von außen das zum Lüften offene Schlafzimmerfenster sehe.

Unser täglicher Weg zum Kindergarten besteht aus 25 min Fußweg, 1 Station U-Bahn und nochmal 15 min Fußweg. Ohne Kinder kann man von beiden Fußwegen gute 10 min abziehen. Mit selbstlaufendem Zwuckel kann man auf beide Fußwege gute 20 min dazurechnen. Das zusammen mit der Tatsache, dass wir gegen 9 im Kindergarten sein sollten, ist der Grund, wieso ich sie jetzt nicht wie erwünscht laufen lasse, sondern auf den Rücken packe. Kleiner, empört schimpfender 11kg-Rucksack (“auch! auch!”).

Um kurz vor 9 lassse ich mich wie fast immer von einem freudestrahlenden Knirps aus der Kindergartentür schubsen. (Kleines, feines Abschiedsritual. Und übrigens: es wurde dann doch noch der Traumkindergarten. Aber das ist eine andere Geschichte.) Zwuckel wäre lieber ebenfalls geblieben (“auch! auch!”), erinnert sich aber sofort dann daran, dass ich ihr vorher “selberlaufen” versprochen hatte und nimmt das sehr wörtlich, inkl. kleinem Fußstampfwutanfall, weil sie über die Straße nicht ohne meine Hand darf und schlußendlich doch getragen wird. Wir kaufen im Supermarkt, der so praktisch vor dem Kindergarten liegt, die Kleinigkeiten ein, die beim Samstagseinkauf vergessen wurden/unerwartet schnell verbraucht wurden/aus anderen Gründen fehlen. Butter, Sahne, etwas Gemüse und Schokolade. Dann stapft Zwuckel stolz voran, während ich versuche, sie von Straßenrändern und Fahrradwegen fernzuhalten. Unterwegs bestaunen wir eine Kanalreinigung, glatte 5 Minuten lang, einen Bagger, diverse Steine, Streusplit und Stöcke und einen dicken Begrenzungsstein, der sie als Sitzgelegenheit so sehr fasziniert, dass sie noch siebenmal wieder zurücklaufen und sich noch einmal hinsetzen muss. Aber wir haben ja Zeit und zuhause wäre es nicht wirklich einfacher, sie zu beschäftigen, wir hätten nur weniger Frischluft. Dann wieder U-Bahn, für den letzten Wegteil aus purer Faulheit Bus, und wir sind viertel nach 10 wieder daheim.

Wenn ich mit nur einem Kind – also meist: mit Zwuckel – alleine daheim bin, plätschert alles so dahin. Ich räume hier ein bisschen den Tisch ab und wische dort kurz das Waschbecken, das ich beim Badputz vergessen hatte, denke mir Beschäftigungen für Zwuckel aus und trinke aus von ihr gereichten Bechern imaginäre Getränke, klappere schnell am PC die Kleinanzeigen nach einem Kinderfahrrad ab, stille zwischendurch gelegentlich, trage Dinge von hier nach da und vergesse, was ich da wollte, trage die Dinge also wieder zurück, wo mir einfällt, was ich da wollte, lese dem Kind ein Buch vor bzw. lasse mir die Katzen darin ausführlich vorführen, ignoriere die Geschirrberge weiter stur, twittere ab und zu einen Satz, fege unter dem Eßtisch zusammen, mache mir einen Espresso (mit Zucker und Sonnentor-Kaffeegewürz), setze Zwuckel die Frühstücksreste von vorhin zusammen mit einer Handvoll Trauben zum zweiten Frühstück vor, versuche mich an der Spülmaschine, lasse das sofort wieder sein, weil Zwuckel dabei unbedingt die Messer und Teller durch die Gegend tragen will, trinke noch einen Espresso, sammle Altpapier zusammen. So etwa. An anderen Tagen wische ich vielleicht kein Waschbecken, sondern falte dafür Wäsche. Oder wasche welche. Oder ignoriere die Geschirrberge nicht, sondern putze die Küche. Oder schreibe eine Mail, weil Zwuckel gefühlte Ewigkeiten alleine vor dem Bücherregal sitzt. Oder spiele fast ausschließlich mit Zwuckel, weil sie sonst jammernd an meinem Hosenbein hängt. Aber so grob: immer dasselbe. Und es gefällt mir so.

Gegen 12 frage ich das Nichtmehrbaby mehr aus rhetorischen Gründen, ob wir nun kochen sollen, was sie mit einem gar jämmerlichen “Jaaaa. Ditte!” beantwortet, aber ich verspreche: wir haben das arme Kind halbwegs regelmäßig gefüttert. Es gibt Tiefkühl-Buttergemüse und Reis, schnell und einfach für uns zwei, Zwuckel sitzt stolz auf dem TripTrap des nicht anwesenden Bruders. Satt und zufrieden schläft sie dann beim Stillen ein, lässt dabei alles so sehr hängen, dass ich einen Ablegeversuch wage und – tadaaa – erfolgreich bin. Sie schläft im Bett weiter. Auch das nicht selbstverständlich in den vergangenen 17 Monaten. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Die freien Arme nutze ich jetzt nicht etwa für die Geschirrberge. Oh nein, was wäre das für eine Verschwendung! Kinderschlaf ist Freizeit und Nervennahrung. Zumindest erstmal. Man muss ja Prioritäten setzen. Also PC und der dritte Espresso für mich. Leider heute keine Schlafwunder, nach 30 Minuten ist der Spaß für mich vorbei und sie müde, aber wieder hellwach. Wir wiederholen also die Beschäftigungen von oben, ich widme mich seufzend doch den Geschirrbergen, gebe dem schon wieder hungrigen Kind noch mehr zu essen und ziemlich kurz darauf ist es plötzlich 14 Uhr, so dass wir den Knirps holen müssen.

Zwuckel ist wieder ähnlich empört wie morgens, dass sie nicht selbst laufen oder auf dem Spielplatz hinter dem Haus halt machen darf. Ich kann ihre Empörung verstehen und ärgere mich ein wenig, dass wir nicht 30 min früher, dafür aber entspannter von zuhause losgegangen sind. Hilft aber nix, sie wird also in den Buggy verfrachtet und mit einem sehr großen Stock zum wild wedeln vorübergehend ruhiggestellt. Aus unklaren Gründen sind wir dann sagenhafte 20 min zu früh am Kindergarten, besorgen noch zwei Brezen für die immer hungrigen Kinder, helfen kurz beim Blätterfegen vor der Türe, lesen von Wünschen nach ausgeblasenen Eiern und machen uns dann auf den Heimweg. Zwuckel wieder zu Fuß, zeitweise beim Bruder an der Hand gehalten, was sie von mir überhaupt nicht akzeptiert, einer dieser seltenen “oooooch, Geschwister”-Momente, genauso wie dann, als sie ihm auch den wichtigen Sitzstein vorführt und beide dort längere Zeit nebeneinander einfach nur sitzen müssen. Irgendwann allerdings wird der Knirps dann doch ungeduldig und müde, oder vermutlich eher umgekehrt, also muss das Zwuckellaufexperiment nach einer halben Stunde leider schon wieder beendet werden. Aber was ich nicht darf, darf der Knirps, nämlich: sie ohne Widerstand in den Buggy setzen und anschnallen. Er ist zur Zeit der Zwuckel-Joker. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Kurz nach 16 Uhr, wir sind zuhause. Die knirpssche Selbständigkeit scheitert jetzt an Müdigkeit, er will ausgezogen werden wie die Schwester, schnappt sich das neue Pferdebuch vom Flohmarkt und kriecht auf direktem Wege ins Bett. Irgendwann will er die Tür geschlossen haben, damit Zwuckel ihn nicht mehr ständig nervt (“auch! auch!”), dreht sich um und schläft ein, es ist kurz vor 5. Das ist hier übrigens keine Seltenheit, an 2-3 von 7 Tagen schafft er es nicht ohne Mittagsschlaf. Andere Geschichte, schon wieder. Knirps schläft also, Zwuckel ist dank zu kurzem Mittagsschlaf und drückenden Eckzähnen eher beschäftigungs- und zuneigungsbedürftig, ich prüfe den Kühlschrank auf Essbares. Espresso Nummer vier. Irgendwann, vielleicht 17:30, kommt der Mann nach Hause, wird sofort von Zwuckel belagert und wir reden nebenbei über alltägliches. Ohne Kind am Fuß sind jetzt auch die restlichen Kleinigkeiten in Küche und Eßbereich schnell erledigt. Oder zumindest schneller. Ich entscheide mich für Nudeln mit Lachs-Lauchzwiebel-Sauce, schnelles Geschnipsele, schnell kochen. Der Knirps wird gegen halb 8 zum Abendessen geweckt, auch wenn er an manchen Tagen durchschläft oder durchschlafen würde, aber dann wacht er gegen vier mit Hunger auf, und vier Uhr morgens ist eine wirklich unfreundliche Zeit. Geweckte Knirpse sind abends sehr unwirsche Knirpse, übrigens. Lachs mag er nicht, oder jetzt doch, oder jetzt doch nicht, deshalb will er nichts auf seine Nudeln, nur Käse, aber nicht dieses Wasserglas, sondern das kleine, aber er will bei Papa sitzen, und doch lieber Milch trinken, und wieder schlafen, und überhaupt ist das alles doof. Wir machen das beste aus dem Abendessen, Zwuckel findet die Sauce offenbar gut und will mehr und mehr, bis ihr einfällt, dass auch sie ziemlich müde ist und deshalb jetzt! sofort! auf der Stelle! aus dem Hochstuhl muss. Mit etwas Hartnäckigkeit essen wir Erwachsene beide fertig. Muss so.

Anschließend machen wir beide Kinder bettfertig. Meist übernimmt der Mann das, den Knirpsteil wegen großer Knirps-Papa-Liebe immer, Zwuckel meistens, denn was der Bruder macht, will sie auch. Mit dem neu bestellten Pippi-Langstrumpf-Buch verschwinden die Männer um halb 9 ins Schlafzimmer, wo der Knirps noch eine Geschichte vorgelesen bekommt und dann problemlos wegschlummert. Zwuckel wird jeden Abend instantan von Müdigkeit überfallen, sobald der Knirps den Raum verlässt, und schläft ebenso schnell beim Einschlafstillen am PC ein, wo ich mich durch Nachrichten, Blogs und Twittertimeline lese. Gegen 21 Uhr kommt der Mann heute vom Einschlafbegleiten zurück. Armschlafzwuckel wird den restlichen Abend je nach Bedarf zwischen uns hin und her gereicht, und wenn wir ganz mutig sind, versuchen wir, sie ins Bett zu legen, was selten von Erfolg gekrönt ist, deshalb lassen wir das heute. Der Mann sitzt mit Tablet auf dem Sofa, ich am PC drei Meter weiter, wir reden ab und zu, die Spülmaschine ist gleich durch, und mir fällt schließlich ein, dass ich bloggen könnte. Der Mann geht mit Zwuckel schon mal vor Richtung Bett, ich kündige an, dass ich auch gleich nachkomme.

Und dann war plötzlich 23:29. Montag vorbei. Gute Nacht.

(Morgen nochmal belangloser Kindertag, aber vielleicht erzähle ich ja dann übermorgen, wie meine Arbeitstage aussehen. Vielleicht.)

Ein Wunder, ein Wunder!

Die gute Nachricht:

Wir haben ab September/Oktober einen Kindergartenplatz. Einen städtischen. Einen von denen, den sowohl wir als auch die entsprechenden Kindergärten als unwahrscheinlich bis unmöglich bezeichneten, weil wir doch so undringend sind. Kleiner Lottogewinn. Wunder. Ich bin recht grinsend vom Briefkasten zurück getanzt.

Aber: es bleibt ein komisches Gefühl. Die Sache war nämlich, dass in genau diesem städtischen Kindergarten (einer von vielen, bei denen wir angemeldet waren) speziell nach Freunden gefragt wurde, die eventuell den gleichen Kindergarten bevorzugen würden. Offiziell spielt das alles natürlich keine Rolle für die Vergabe, unter der Hand wird da wohl ein wenig gemauschelt.

Entgegen aller mahnenden Stimmen wächst der Knirps auch ohne Betreuung bisher nicht isoliert auf, sondern hat einige kleine Spielplatz- und Nachbarschaftsfreunde. Einer davon musste – beschissene Welt, anders lässt sich das nicht sagen – vor kurzem sein kleines Geschwisterchen zu Grabe tragen. Dieses Kind hat nun in diesem Kindergarten einen Platz mit gewissem Sonderstatus, soweit wir wissen. Ich werde den Gedanken nicht los, dass wir den Platz nun nur aufgrund unserer Bekanntschaften haben. Vor allem, weil wir eben wirklich keinen Betreuungsbedarf in diesem Sinne haben, während andere Familien im Umfeld, wo eigentlich beide wieder arbeiten müssen, munter Absagen für ihre Vierjährigen kassieren.

Dazu passt, dass wir nun seltsamerweise einen Ganztagsplatz bekommen haben, den wir eigentlich gar nicht wollten. Solange einer von uns immer mit dem Zwuckelchen zuhause ist, sehe ich keinen Grund, den Knirps bis kurz vor Abendessen auswärts zu betreuuen lassen; wir hätten nichts gegen freie Nachmittage mit den Kindern und wollten entweder die Vormittags- oder die Über-Mittag-Gruppe bis etwa 14 Uhr. Die Freunde allerdings sind eben in der Ganztagsgruppe.

Gut. Wir warten erst mal ab, denn der Traum wäre immer noch ein Platz in der Wunsch-Elterninitiative. Weil deren Konzept und der Umgang mit den Kindern uns näher ist. Weil wir uns dort unheimlich wohlgefühlt haben. Weil da auf etwa gleicher Haus- und Gartenfläche 16 Kinder von 3 Erwachsenen betreut werden und im städtischen Kindergarten 75 Kinder von 6 Erwachsenen. Weil wir keinen Ganztagsplatz wollten. Weil uns die Idee mit der Elterninitiative, Aufwand hin oder her, immer besser gefällt. Da müssen wir uns aber noch einige Wochen gedulden, denn die Entscheidung wurde wegen des großen Andrangs verschoben.

Aber ich will nicht undankbar sein. Es ist eine riesige Erleichterung, dass der Knirps auf jeden Fall einen Kindergartenplatz hat und auf keinen Fall zuhause bleiben muss, bis er fast fünf wäre. Und der Kindergarten ist ganz bestimmt nicht die schlechteste Wahl; unter den städtischen war das unser Favorit. Liegt mehr oder weniger hinterm Haus, hat wirklich schöne Räume, und die Leiterin war uns auf Anhieb recht sympathisch. Und so teuer die Krippenplätze und die privaten Einrichtungen auch sind – durch unsere Teilzeitstellen mit reduziertem Einkommen wäre dieser Platz sogar richtig billig.

Nein, das wäre alles absolut kein Weltuntergang, und da sind schon einige Steine von meinem Herzen gepurzelt heute vormittag. Damit hatte ja keiner gerechnet. Die Daumen für den Wunschplatz dürft ihr trotzdem noch ein bisschen gedrückt halten. Für den ganz großen Lottogewinn.