Die Zwuckelina ist 3 Monate und 7 Tage alt.
Drei Monate schon. Schnell ging das, muss ich sagen.
Die Zwuckelina passt mit ordentlichen Speckröllchen und unglaublich langen Beinen gerade noch so in Größe 68, wiegt nach der groben Wiegemethode mit Mama irgendwas knapp um die 8 kg und zappelt zu viel, um sie vernünftig zu messen. Ist ja auch egal. Seit einem enormen Weihnachtsschub greift sie mit beiden Händen nach Spielzeug, hält den Kopf in jeder Situation perfekt und dreht sich vom Rücken auf den Bauch. Für den Rückweg sind noch wir gefragt. Sie plappert und jauchzt und lacht seit einigen Tagen laut glucksend. So viel zu den langweiligen Fakten.
Viel spannender finde ich die kleinen Eigenheiten.
Zum Beispiel ist sie ein waschechtes Rudeltier Familienkind. Tagsüber hängt sie sowieso meist auf meinem Arm oder in irgendeiner Tragehilfe; ablegen ist zwar grundsätzlich auch mal in Ordnung, allerdings nur mit Nebensitzern und nicht zu lange. Sobald dann abends der Mann daheim ist und die Familie komplett, protestiert sie energisch, wenn ich es wage, mit ihr aus dem Zimmer (sprich: aus dem Blickfeld von Papa und Bruder) zu gehen. Wenn es nach unseren Kindern geht, verbringen wird die Abende also einträchtig zu viert auf 5 qm Miniküche.
Überhaupt, der Knirps. Er hat ihr erstes Lächeln mit einem knappen Monat bekommen, und er ist der Garant dafür, dass sie ein paar Minuten auf der Spieldecke zufrieden ist. Einfach das Baby neben die Legohaufen legen und sich amüsieren, wenn sie ihn dann ohne Unterlaß beobachtet und anhimmelt. Sie tatscht ihm am liebsten im Gesicht herum und lächelt ihn auch dann unbeirrt weiter an, wenn er mal genervt ihre Arme wegschiebt. Kleine Schwester wie aus dem Bilderbuch.
Das Zwuckelmädchen ist das kitzeligste Baby, das mir je unter die Hände gekommen ist. Bauch, Füße, Achseln, klar. Mittlerweile lacht sie dabei laut glucksend los. Richtig extrem ist aber der gesamte Rücken. Da reicht eine leichte Berührung, und sie zuckt sofort zusammen, streckt sich durch und windet sich, mal grinsend, mal eher irritiert. Ich wäre nicht verwundert, wenn das auch der Grund dafür wäre, dass sie sich schon mit 2 oder 3 Wochen alleine auf die Seite gedreht hat und nur in dieser Position schläft. Mit 2,5 Monaten kam sie dann bereits ganz auf den Bauch. Und es durfte von Anfang an keiner wagen, sie im wachen Zustand im Tragetuch höher als bis zu den Achseln einzubinden.
Es gibt so viele typische Kleinigkeiten. Wenn sie aufwacht, dann streckt sie sich durch, wirft den Kopf weit in den Nacken und streckt dann grundsätzlich die linke Faust in die Höhe. Wenn man sie über den eigenen Kopf hält, fängt sie an zu plappern. Sie hat die wundervollste kräuselnde Schmollippe, die die Welt je gesehen hat – so wird man wenigstens gewarnt, dass irgendetwas nicht passt, denn ansonsten startet sie gleich bei vollem Protest. Und ist ebenso schnell wieder glücklich und zufrieden, wenn der Fehler gefunden ist. Wir sind verwöhnte Eltern eines Selten-Schrei-Babys. Sie schläft selten beim Stillen ein, aber dennoch am liebsten mit Haut an den Lippen. Brust, Arm, ganz egal, Hauptsache warme Haut. Sie hat Speckbeine, ein kleines Doppelkinn und sieht auf unbestimmte Weise meiner Oma ähnlich. Die Haarfarbe ist bei blaugrauäugig-dunkelblonden Eltern und blaugrauäugig-dunkelblondem Opa und blaugrauäugig-dunkelblondem Bruder und blaugrauäugig-dunkelblonden Onkels und Tanten auch eher unerwartet, nämlich braun, und die im Familienvergleich „langen“ Haare sind bisher noch nicht wieder ausgegangen, wie wir das kennen. Fließendes Wasser oder gar Klospülungen erschrecken sie immer noch unheimlich.
Das kleine Zwuckelmädchen ist außerdem schnupfengeplagt. 14 Wochen alt, 12 davon verschnupft, und das ist keine Übertreibung. Der erste Schnupfen kam mit 12 Tagen; seither kommt und geht er, verschwindet aber nie ganz. Laut Kinderarzt kommt das bei Winterkindern mit Kleinkindkontakt schon mal vor, immerhin nimmt sie alles mit, was sie auf dem Spielplatz kriegen kann. Gut, das ist ganz selten mal nervig, ansonsten aber wirklich unproblematisch. Immerhin habe ich jetzt gelernt, dass diese Nasenabsaugedingse wider Erwarten doch etwas taugen, wenn es mal um so richtigen Schnupfen geht und nicht nur ein wenig verstopfte Nase.
Die Zwuckelina stillt wie ein Weltmeister. Da verwundert dann auch die Größe nicht weiter (oder umgekehrt? Henne, Ei und sowas.) Von Geburt an war sie ein Schnellstillbaby, das sich in 5 bis 10 Minuten alles holt, was es braucht – auch wenn die Hebammen erst mal irritiert waren. Sehr praktisch als Zweitkind. Was sie allerdings in drei Monaten immer noch nicht gelernt hat: dass a) es beim Anlegen nicht hilft, wenn sie immer wieder die Faust mit in den Mund schieben möchte und b) dass das Anlegen überhaupt besser funktionieren würde, wenn sie dabei einen Hauch geduldiger wäre. An manchen Tagen brauchen wir immer noch 5-10 Versuche. Und anfangs habe ich gelegentlich gewitzelt, dass sie zum Andocken länger braucht, als zum Trinken selbst. So übertrieben war das nicht.
Nähebedürftig ist sie, aber nicht extrem. Nachts schläft sie nun mit Körperkontakt, aber neben mir statt wie in den ersten Wochen in meinem Arm. Tags verbringt sie weiterhin viel Zeit auf Armen und in Tragetüchern und -hilfen, lässt sich aber auch bei guter Laune mal für eine viertel Stunde auf eine Decke legen. Und alle paar Tage schlummert sie sogar eine kleine Runde ohne uns im Bett. Ganz normal für so einen Frischling, würde ich sagen.
Ja, das ist unser Zwuckelmädchen – in Ausschnitten. Glaubt mir: die Wirklichkeit ist noch viel, viel wundervoller.



