Nachtaktiv
Ständig bekomme ich von gutmeinenden Leuten in diversen Varianten gesagt:
Ruh Dich jetzt nochmal richtig aus, mit dem Durchschlafen ist es ja dann mit der Geburt vorbei.
Haha. Durchschlafen? Ich schlafe seit Monaten nicht mehr durch. Nicht mal annähernd. Seit etwa der 12. Woche laufen meine Nächte so ab, dass ich irgendwann zu einem überraschend festen Zeitpunkt aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Bis vor kurzem war das immer um Punkt vier, seit neuestem ist es zwei Stunden früher. Da lag ich dann und habe versucht, wieder einzuschlafen. Ging nicht. Auf die andere Seite gedreht. Kissen anders hingelegt. Ging immer noch nicht. Alle 10 Minuten auf die Uhr gesehen und mit wachsender Verzweiflung daran gedacht, wie müde ich am nächsten Morgen bei der Arbeit sein würde. Immer wacher statt müder geworden. Über alles mögliche nachgedacht, was mich erst recht wachgehalten hat. Ich habe in der Zeit alles ausprobiert: auf einen ruhigen Gedanken fixieren, Baldriantee trinken, warme Milch mit Honig trinken, abends warm baden, und nichts hat geholfen. Ich habe mich gefühlt wie in diesem Murmeltierfilm, wenn ich die Augen aufgeschlagen habe und wieder und wieder gesehen habe: 3:59. Meist bin ich dann so um viertel vor sechs total übermüdet eingenickt, bevor eine viertel Stunde später der Wecker geklingelt hat.
Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das ja noch verstehen. Immerhin habe ich jetzt einen ziemlich unpraktischen Kugelbauch, der irgendwie gebettet werden will, und sich auch selbständig mit Tritten gegen unangenehme Positionen wehrt. Mein Rücken tut weh. Und ich habe vermutlich mein ganzes Leben auf dem Bauch geschlafen und kann das jetzt nicht mehr. Momentan kommt auch nachts noch Sodbrennen dazu, so dass es schlau wäre, sich etwas höher zu lagern, aber dann tun mir alle vom Ischias ausgehenden Nerven Richtung Bein so weh, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Eine gewisse Schlaflosigkeit jetzt, in der 33. Woche, also: logisch. Aber am Anfang? Ich hatte keinen Bauch, und ich konnte nicht mal ansatzweise Tritte spüren. Eigentlich gab es keinen Grund, nicht mehr schlafen zu können (was mir auch von jedem Schlaumeier erklärt wurde, dem ich von meinen schlaflosen Nächten erzählt habe). Ich habe gelesen, das soll von der hormonellen Umstellung kommen; blöder Körper, etwas Erholung und Kräfte sammeln wäre doch in diesen Wochen wirklich nicht zu viel verlangt, oder?
Inzwischen schlafe ich zwar nicht besser, gehe aber entspannter damit um. Statt mich nächtelang zu wälzen und dabei dummerweise noch oft genug den Allerbesten mit aufzuwecken, stehe ich inzwischen auf und lese. So komme ich endlich dazu, die ZEIT auch tatsächlich mal zu lesen und nicht nach vier Wochen halbgelesen zum Altpapier zu stapeln… Ich hätte ja gelegentlich unheimlich Lust zu bloggen, nachts um halb 3 in Deutschland, aber leider steht unser PC im Schlafzimmer, das ist also keine Option. Manchmal gehe ich dann noch ins Bett vor dem Wecker, manchmal auch nicht mehr. So war ich zwar in den letzten Wochen in der Arbeit ständig müde, aber das war ich sowieso – und so fiel der Druck weg, jetzt unbedingt schlafen zu müssen.
Jetzt muss ich nicht mehr arbeiten, und das birgt ganz wundervolle Möglichkeiten: Montag nachmittag habe ich drei Stunden geschlafen. Heute nach dem Frühstück auch schon wieder dreieinhalb. Ich glaube, das mach ich weiterhin so. Dabei war ich früher vor der Schwangerschaft jemand, der tagsüber gar nicht schlafen kann. Wenn ich tags geschlafen hatte, dann wusste ich, ich werde krank. Sonst ging da nichts, nicht im Dunkeln und nicht nach durchgemachten Nächten, keine Chance. Schön, dass mein Körper wenigstens das tagsüber schlafen gelernt hat, das wird mir in der nächsten Zeit mit Knirps bestimmt noch von Nutzen sein. Wenn ich jetzt bitte noch die Gabe meines Vaters lernen erben könnte, der sich irgendwo hinlegt und sagt: ich schlafe mal ne Viertelstunde, und dann genau das augenblicklich tut?


Ich glaube, dass sich dein Körper schon auf die erste Zeit nach der Schwangerschaft umstellt. Du gewöhnst dich also schon daran, nach der Geburt keine ruhigen Nächte zu haben. Wenn sich der Körper jetzt schon umstellt, wenn er sonst keine Leistung nachts erbringen muss (wie Stillen), dann fallen dir die Nächte später leichter.
Das beruht übrigens auf keinem wisenschaftlichen Bericht, den ich gelesen habe, sondern ist alleine meine (unsere … die meiner Frau ebenfalls) feste Überzeugung.
Das schaffst du schon …
Das tagsüber Schlafen ist ja genauso. Schläft der Krümel, sollte man die Zeit nutzen und mitschlafen (und sich weiß Gott NICHT erst mal um den Haushalt kümmern!). Gut, dass sich der Körper darauf eingestellt hat.
will mich agichan anschließen.
Man bekommt ja immer gesagt, dass man sich auch hinlegen soll, wenn das Baby dann tagsüber mal schläft. Sich (zumindest anfangs) voll auf Babyrhythmus einlassen. Das konnte ich gar nicht. tagsüber schlafen: unmöglich. danach fühlte ich mich nur noch schlechter. total gerädert.
wenn du das jetzt schon üben kannst ist das doch super. Fällt dir die umstellung vielleicht einfacher!