Beikostreife?

Eigentlich hatte ich mir zum Thema Beikost keine besonderen Gedanken gemacht. Ich wollte, ganz nach den Empfehlungen der WHO, mindestens 6 Monate vollstillen und dann ab und zu irgendeinen Gemüsebrei füttern, mal Obst, dann Stück für Stück unser Essen einführen und schauen, wie das Ganze dem Knips gefällt.

Soweit die Theorie. In der Praxis komme ich inzwischen ins Zweifeln. Das Stillen funktioniert auch weiter hervorragend. Er trinkt zwar schon immer oft, aber er trinkt, gedeiht und wächst ganz problemlos. Seit etwa drei Wochen ist aber entspanntes Essen mit Knirps daneben völlig unmöglich geworden. Er stürzt sich regelrecht auf unsere gefüllten Teller und quiekt entrüstet, wenn er nichts davon bekommt. Zwischendurch lässt er sich nur begrenzt mit einem eigenen Löffel, etwas Backpapier oder einem Plastikbecher ablenken, bevor er wieder geschickt den richtigen Moment abpasst, uns ins Essen zu fassen. Nun ist der Knirps ja, wie vermutlich alle Kinder in diesem Alter, generell sehr neugierig auf alles, was wir Eltern tun und in der Hand haben. Ganz normal. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass das beim Essen eine andere Qualität hat. Natürlich ist er auch sehr interessiert daran, meine Haarbürste und die Tastatur in die Hände zu bekommen, aber wenn er dann was anderes bekommt, ist auch gut. Beim Essen dagegen ist Ablenkung fast unmöglich. Dazu fängt er inzwischen beim Anblick von Essbarem grundsätzlich an, an seinen Fingern zu kauen wie verrückt. Das macht er zwar auch den Tag über, aber wenn er uns beim Essen sieht, dann wird das extrem und von lautem Schmatzen und Sabbern begleitet. Und da ich nicht glaube, dass bei Kindern wie bei kleinen Maschinen mit Erreichen des vollendeten sechsten Lebensmonats -klick- ein Schalter umgelegt wird und das Kind plötzlich essen kann, begann ich mich zumindest zu fragen: wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt gekommen? Wie merke ich das?

Google hilft natürlich weiter, und auch die Stillberaterin hat mich informiert. Es soll gewisse Anzeichen dafür geben, dass ein Kind bereit für Beikost, also Nahrung zusätzlich zur Milch, ist. Genannt werden da meist:

  • Der Zungenstreckreflex, durch den das Baby automatisch feste Nahrung aus dem Mund herausschiebt, hat sich abgeschwächt. Anfangs habe ich mich gefragt, wie ich das denn ausprobieren soll. Aber dann habe ich gelesen, dass man eben einfach beobachten soll, ob das Kind Dinge mit der Zunge wieder aus dem Mund schiebt. Und nein, das tut er schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Früher wurde der Löffel, mit dem er spielt oder gelegentlich einen Spritzer Lefax bekommen hat, eben genau wie beschrieben wieder aus dem Mund geschoben. Inzwischen kaut er auf dem Löffel rum und leckt ihn “mit der Lippe” ab.
  • Es zeigt Bereitschaft zum Kauen. Ohja. Wo früher an allem genuckelt wurde, wird heute an allem gekaut. Ob das nun ein Katalog, unsere Finger, ein Plastiklöffel oder sonst was sind. Kaum kommt etwas in den Mund, wird es gekaut. Ich habe das bisher auch und vor allem auf die Zähne geschoben, die ja gerade unterwegs sind – der erste letzte Woche durchgebrochen, der zweite schimmert schon.
  • Es kann selbständig Nahrung aufnehmen und in den Mund stecken. Sagen wir doch einfach so: der Knirps kann so ziemlich alles in seiner Umgebung aufnehmen und in den Mund stecken. Nicht nur Nahrung. Das sollte also nicht das Problem sein. Und in einem unvorsichtigen Moment hat er dem Papa auch schon eine Kartoffel vom Teller geschnappt und schnurstracks Richtung Mund geführt – nur haben wir ihm die wieder abgenommen. Gulaschsauce ist definitiv nicht das richtige zum Anfangen.
  • Es zeigt ein gesteigertes Stillbedürfnis, das sich nicht mit einer Erkrankung, dem Zahnen oder einer Veränderung in seiner Umgebung oder in seinem Tagesablauf in Verbindung bringen lässt. Hm. Jetzt wird es schwierig. Ich stille, wenn er Hunger hat. Normalerweise schaue ich weder Tag noch Nacht auf die Uhr, so dass ich keine Abstände weiß. Es gibt Nächte, da habe ich das Gefühl, etwa 20 mal gestillt zu haben und Tage, an denen ich ihn kaum zum trinken bewegen kann. Wenn ich doch mal auf die Uhr schaue, dann sind die Abstände meist zwischen 1 und 3 Stunden, normal etwa 2, da ist er recht pünktlich. Und bisher ist jeder Stillmarathon irgendwann zu Ende gegangen – ob nun nach zwei Tagen oder erst nach fünf. Ist das dann schon ein “gesteigertes Stillbedürfnis”? Woher weiss ich, wodurch das bedingt ist – wir hatten ja neulich schon das Thema mit den berühmten “Schüben”… Fazit: keine Ahnung.
  • Es ist in der Lage, aufrecht zu sitzen. Das ist wohl der Punkt, der am wenigsten zutrifft. Der Knirps kann nicht sitzen und macht auch keine Anstalten zu sitzen, zumindest nicht frei. Auf dem Schoß kann er sich wunderbar halten, ob man das nun machen soll oder nicht. Ein wenig verwirrt bin ich aber von diesem Kriterium schon – sitzen Kinder nicht grundsätzlich erst zwischen 6 und 9 Monaten frei? Müsste ich dann mit der Beikost im Zweifelsfall warten, bis er 8 Monate alt ist? Andererseits ist das Sitzen für mich durchaus ein Argument, vor allem deshalb, weil wir gerne die Brei- und Fütterphase auslassen möchten und nach dem Konzept des “baby led weaning” vorgehen möchten. Aber dazu schreibe ich ein anderes mal mehr. Kurz gesagt bekommt das Kind da keinen Brei gefüttert, sondern weiche Lebensmittel wie Kartoffeln oder Brokkoli in die Hände gedrückt und darf dann selbst ausprobieren, wie und wieviel davon es essen mag. Parallel wird weiter nach Bedarf gestillt. Der Rest passiert idealerweise automatisch. Wie schon erwähnt: mehr dazu später. Jedenfalls ist sitzen so oder so wichtig, um beispielsweise das Risiko des Verschluckens gering zu halten.

Dann gibt es natürlich noch die Ergebnisse aus der Wissenschaft. Die offiziellen Empfehlungen sprechen davon, dass ein möglichst lang herausgezögerter Beikoststart dabei hilft, Allergien, Darmkrankheiten, späteres Übergewicht und noch einiges mehr zu verhindern. Zu Darmkrankheiten gibt es bei uns keine Veranlagung, zu Allergien dafür umso mehr. Sagen wir mal vorsichtig, bei meinem Erbgut wäre es das reinste Wunder, wenn der Knirps am Ende nicht gegen alles mögliche allergisch ist. Da wäre es sehr angebracht, das weitere Risiko wenigstens gering zu halten. Dann gibt es wiederum neue Ergebnisse, die zeigen, dass beispielsweise das Risiko für Zöliakie nicht etwa sinkt, wenn glutenhaltige Nahrungsmittel möglichst lang gemieden werden, sondern dass dafür Gluten am besten zwischen dem 4. und 6. Monat gegeben wird. Hier und da werden die Beikostempfehlungen geändert und angepasst. Ich lese noch, muss ich zugeben.

Ja, und nun sitze ich mal wieder da und frage mich, was denn richtig ist. Für den Allerbesten ist es relativ einfach: er sagt, wir warten ab, ob der Knirps innerhalb des nächsten Monats sitzen lernt. Wenn ja, dann kriegt er was zum probieren, wenn nein, dann versuchen wir es trotzdem mit ungefähr sechs Monaten mal. Ich dagegen bin hin und her gerissen. Mein Gefühl sagt, geb’ ihm doch mal was zum probieren. Aber ich bin am Ende doch Kopfmensch und halte nicht viel davon, auf mein vages Bauchgefühl zu vertrauen. Denn es schwant mir, dass dieses Gefühl nicht ganz unwesentlich von Bequemlichkeit (kein Theater beim Essen, bzw. anderes Theater), Neugier (wie er die erste feste Nahrung wohl aufnehmen wird?) und meiner allgemeinen naturgegebenen Ungeduld geprägt ist. Was würde denn letztendlich passieren, wenn ich einfach noch einen Monat warte? Der Knirps würde, wenn überhaupt, noch einen Monat quengeln und gut. Eigentlich wäre meine Frage also damit beantwortet. Warten schadet bestimmt nicht, nicht warten im Zweifelsfall eventuell und vielleicht schon, also warten wir. Aber der Knirps macht es mir ungeduldigem Wesen schwer, wenn er da so sabbernd und jauchzend vor meinem Teller sitzt…

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32 Gedanken zu „Beikostreife?

  1. agichan

    Also die Punkte finde ich ein bisschen merkwürdig. Zum einen merkwürdig formuliert und zum andren merkwürdig vom Inhalt her. Dass das freie Sitzen ein “Muss” sei für Beikost habe ich noch nie gelesen und halte es persönlich für Quatsch. Frei gesessen hat das Töchterchen so mit 9 Monaten erst.. und dann erst mit Beikost starten? Da wäre sie mir eher verhungert. Ich verstehe sowieso nicht, was das mit dem Essen zu tun haben soll. Beim Essen kommt es auf die Entwicklung des Darms und trallala an, beim Sitzen auf die Entwicklung der Muskulatur, des Gleichgewichtssinn und sowas. Ich verstehe einfach nicht, wo da der Zusammenhang ist. Man möge mich an dieser Stelle aufklären, wenn man es durchschaut an. Ich bitte darum.
    Was das gesteigerte Stillbedürfnis betrifft, so meinen sie wohl einfach, dass das Kind “nur” mit MuMi nicht mehr ausreichend satt wird und deshalb mehr fordert. Das wäre ein Hinweis darauf, dass man mit Beikost und ein paar zusätzlichen Kalorien kommen kann.
    Und so überhaupt, so denke ich, dass das alles nur Hinweise, Anhaltspunkte sein sollen. Kein “muss” sondern eine Orientierung für verunsicherte Mütter. Ich finde DEINE Beobachtungen um längen aussagekräftiger. Fünf Monate, ja? Ja mei, auch 6 Monate sind nur eine Orientierung und keine magische Grenze. Soweit ich mich erinnere, hat die Tochter hier auch früher Beikost bekommen. Und sie konnte sicherlich noch NICHT sitzen. Darüber hinaus muss man bedenken, dass so eine Beikosteinführung auch mal bequem 2 Wochen dauern kann bis ein Brei eine ganze (Still)mahlzeit ersetzt.
    Was allerdings das Allergiethema betrifft, so kann ich dazu rein gar nichts sagen, weil ich mir – da wir nicht vorbelastet sind – keine großen Gedanken gemacht.

    Ich plädiere aber so insgesamt für mehr Vertrauen in deine Mutterinstinkte. :)

    Antwort
    1. Schussel Autor

      Ich sage ja selbst, da gibt es keinen 6-Monats-Schalter. Deshalb doch die ganzen Gedanken :)

      Und ich will ja gar keine Stillmahlzeiten einzeln ersetzen, sondern ihn einfach essen lassen, soviel und wann er will.

      Der Zusammenhang zum Sitzen ist einfach: das Risiko, sich zu verschlucken, sinkt beträchtlich, wenn man den Oberkörper beim Essen aufrecht halten kann. Besonders, wenn man vorhin noch nie feste Nahrung ausprobiert hat. Für mich macht das also schon Sinn. Allerdings denke ich eben auch, dass nicht das freie Sitzen, sondern ein unterstütztes Sitzen gemeint ist.

      Und klar meinen sie das mit dem gesteigerten Stillbedürfnis, aber wenn ich nicht darauf achte, wann und wie oft der Knirps trinkt, kann ich das doch gar nicht wissen, ob er ausreichend satt wird?

      Warum ich nur begrenzt auf “Instinkte” und Bauchgefühle vertraue, habe ich ja auch geschrieben. Da hängt soviel anderes dran. Da glaube ich viel lieber meinem Kopf, und der glaubt der Wissenschaft. Und die sagt warten :) schadet ja nicht. Oder?

      Antwort
      1. agichan

        Was das Sitzen betrifft.. ähm.. ich glaube nicht, dass irgendeine Mutter ihrem Kind feste Nahrung im Liegen geben würde.. aber es reicht eigentlich, wenn das Kind z.B. so gehalten wird, wie es in Babyschalen sitzt und das tut es doch sowieso schon von Geburt an? *am kopf kratz*

        Nun ja, ich denke du wirst es merken, dass er mehr trinkt, wenn er eben deutlich mehr trinkt. Und bis dahin brauchst du dir keine Gedanken machen, finde ich. :)

        Oh, ich bin eigentlich auch ein sehr rational veranlagter Mensch. Nicht aber so extrem bei Kindern und noch weniger bei Babys. Hier vertraue ich Mutter Natur und die ist in all ihren Facetten wissenschaftlich niemals erfassbar. Persönlich setze ich deshalb großes Vertrauen in Bedürfnisse und Instinkte von Kindern (und insbesondere Babys). Hätte ich deine Worte verwendet um das Verhalten meiner Tochter zu beschreiben, hätte ich ihr vertraut und wohl auf wissenschaftliches Trallala gepfiffen. Was nicht heisst, dass ich ihr ein Schokoeis gegeben hätte, wenn sie nach dem gegrabscht hätte ;)

        Aber – und das ist letztendlich wichtiger als dein Vertrauen in deine Mutterinstinkte – tu das, womit du gut kannst. Das, was du sich “richtig” anfühlt ist auch richtig. :)

        Antwort
        1. Schussel Autor

          Nein, natürlich füttert niemand sein Kind im Liegen. Aber ich denke, selbst wenn eine aufrecht gestützte Position fürs Brei füttern reichen mag – für feste Nahrung wäre mir das zu gefährlich, da sollte wenigstens die obere Hälfte des Oberkörpers selbst gehalten sein. Wie schon erwähnt: er wird keinen Brei und kein püriertes oder zermanschtes Essen bekommen… und er wird auch nicht gefüttert werden. Vielleicht ist deshalb für mich das sitzen (oder aufrecht halten können oder was auch immer) wichtiger.

          Mutter Natur vertraue ich nur in Grenzen. Zum einen deshalb, weil das, was unser Hirn so hervorbringt, ja nicht unnatürlich ist. Zum zweiten, weil dieser “Instinkt” ja eigentlich nur eine Ansammlung von Erfahrungen, Erlebnissen, unterbewussten Wahrnehmungen etc. ist – unkontrollierbar. Und zum dritten, weil Mutter Natur eben auch eingeplant hat, dass man eine Menge Kinder wirft und davon nur ein Teil überleben muss, um das Bestehen der Art zu sichern. Ich werde weder jedes Jahr werfen noch mein Kind als natürliches Ausleseobjekt sehen. Also vertraue ich der Wissenschaft :)

          So bin ich und war ich schon immer. Kopfmensch. Und wie du schon sagst, das fühlt sich für mich und mein Bauchgefühl richtig an – auf den Kopf zu hören. :)

        2. agichan

          Ich verstehe zwar was du meinst, sehe es aber trotzdem anders. ;)
          Unter Instinkt laufen bei mir aber auch Dinge, die wir eben nicht erst durch Erfahrung lernen müssen. Vielmehr etwas, was “in uns drin ist” ohne dass wir wissen, woher es kommt. Wenn Babys also direkt nach der Geburt wissen, wie sie aus einer Brust Milch herausbekommen oder dass überhaupt Milch aus einer Brust herauskommt, dann sicher nicht, weil sie es sich bei einem andren Baby abgeschaut haben ;)
          Und gerade wenn ich den Menschen wissenschaftlich betrachte, dann vertraue ich Mutter Natur noch mal ein bisschen mehr. Dieses Zusammenspiel, dieses fast perfekt funktionierende Ding, was die Natur da hervorgebracht hat – das finde ich mehr als beeindruckend. Mein Denkansatz ist da einfach ein andrer :)

          Aber nun weiche ich zu sehr vom Thema ab. Sorry.
          Ich warte gespannt auf den Kartoffelbericht ;)

        3. Schussel Autor

          Och, vom Thema abweichen kann doch manchmal auch spannend sein. Finde ich jedenfalls. Das mit den Instinkten und so weiter ist ja ein interessantes Thema! Nur, wie Du schon sagst, wir haben da unterschiedliche Denkansätze – ich glaube nicht, dass wir bis auf die üblichen Reflexe (Saugreflex etc.) irgendwas in uns gespeichert haben, das wir einfach so wissen. Vielleicht bin ich zu viel Naturwissenschaftlerin. Macht aber nix ;-)

          Ich komme mit schreiben kaum hinterher, der Bericht kommt aber bald…

  2. sternchenjg

    Ich würde sagen: Probier es aus. Wie mir das scheint, hat der Knirps richtig Lust, das Essen zu probieren. Und das würde dann von seinem Standpunkt aus bedeuten: “Jawohl! Ich bin bereit!!!” Robin hat auch mit etwas mehr als 4 Monaten den ersten Brei bekommen, weil er mir quasi jeden Bissen mit den Augen von der Gabel geklaut hat. Ich habe es versucht und er war begeistert.

    Ich stimme agi voll zu, was das Vertrauen in die Mutterinstinkte angeht :-)

    Antwort
  3. Corinna

    Ich würde auch sagen, einfach mal testen. Paula ist ja nur kaum älter als der Knirps und futtert schon seit 2 Monaten Brei. Bei Laurin hab ich mit 4 Monaten damit begonnen, der war später “reif”.
    Hol doch einfach mal Reisschleim, da ist die Allergie-Gefahr noch am geringsten, rühr ihn mit MuMi an oder misch meinetwegen etwas Frühkarotte dazu, hab ich jedenfalls so gemacht. Oder gemanschte Kartoffel mit etwas Butter…

    Und sitzen können “wir” auch noch nicht, auch wenn sie sich schon an meinen Händen hochzieht. Passender ist wohl eher “genug Körperspannung, daß das Kind beim aufrecht gehalten werden nicht wie ein Sack zusammensackt”. Ich hab Paula beim Füttern in der Wippe, gemeinerweise klemme ich ihr dabei die Hände unter den Gurt, damit sie sich das Essen nicht wahlweise rein- oder rausfummelt… Karotte ist ja so schon Sauerei genug, wenn sie dann aber bis in die Haare geschmiert wird…

    Viel Erfolg! Und ich denke, das Bauchgefühl sollte echt über das Gelesene erhaben sein. Wer kann denn Dein Kind besser beurteilen als Du?

    LG Corinna

    Antwort
    1. Schussel Autor

      Stimmt, das mit der Körperspannung ist wohl treffender ausgedrückt. So sehe ich das auch. Frei sitzen hat ja damit nichts zu tun.

      Hände festhalten oder ähnliches kommt allerdings bei uns nicht in Frage, weil ich mein Kind nicht füttern werde – der Knirps wird selbst essen. Unpüriert. Nur was er kann und will. Mehr dazu schreibe ich wirklich bald.

      Zum Bauchgefühl habe ich ja jetzt schon ausführlich geschrieben… ich halte nicht viel davon ;-)

      Antwort
  4. sevenjobs

    Warum probierst Du es nicht einfach aus? Warum läßt Du ihn nicht einfach gewähren und probierst aus, was der Knirps mit seinen Fingern macht, die in Dein Essen gegriffen haben. Warum gibtst Du ihm nicht einfach mit einem Löffel ein bißchen von Deinem Teller, etwas ungewürztes, kleingematschtes? Ich kann mich noch gut erinnern an diese Übergangszeit, in der wir nur Kindermatsch gegessen haben, ich immer eine protion ungewürztes auf meinem Teller. Ganz früh haben wir schon mit dem Löffel gefüttert, weil es uns allen Spaß gemacht hat. Ich denke, man sollte die Neugierde nicht unterdrücken, denn auch dafür gibt es wissenschaftliche Untersuchungen :-)

    Antwort
    1. Schussel Autor

      Das mit der Neugierde ist tatsächlich ein sehr wichtiger Punkt und ja eigentlich der einzige, der mich überlegen lässt, ihm jetzt schon etwas zu geben. Das stimmt.

      Und: wir haben es gestern mehr oder weniger ausprobiert und den Knirps eine Kartoffel greifen lassen. (Auf Löffeln füttern wollen wir nicht.) Das wird aber noch ausführlicher berichtet, bald bald :))

      Antwort
  5. muckeltiger

    Wow, Frau Schussel, interessantes post und Wow, Frau Schussel, Sie sind gut informiert!
    Ich hätte da auch gleich 2 Fragen ;-)
    Welche Darmerkrankungen meinen Sie (Zöliakie?)
    Wo kann ich nachlesen, dass das möglichst lange Meiden von Gluten NICHT Zöliakie vermindert/verhindert? (ich habs nämlich in der Ausbildung grad andersrum gelernt)

    Dass Stillen Allergien vorbeugt ist leider widerlegt, wohl macht es aber Kinder schlau, übermittelt Abwehrstoffe (IgA) und auch sind die meisten gestillten kids später weniger oft als Moppel unterwegs. (und dass es wahnsinnig praktisch ist, brauch ich Ihnen ja nicht erzählen)

    Grundsätzlich zum Thema Beikoststart würde ich sagen: stillen solange es flutscht und Spass macht, der Knirps soll nicht abnehmen, das wäre die Grenze zum Zufüttern.

    Wegen der Allergievorbelastung: sich schlau machen, was wenig allergen ist (Karotte, Pastinake, Birne..) und vor allem der Industrie der Babykosthersteller misstrauen und sich die benötigten Grundnahrungsmittel herauspicken (kein Baby braucht Stratiatella-Vanille-Abendbrei)
    Empfehlen kann ich auch die Seite babyernährung.de, da gibt eine Kinderkrankenschwester ganz gute Tips.

    Persönlich kann ich sagen: Kind 1 voll gestillt bis 4,5 Monate, dann wegen Gewichtsabnahme abends zugefüttert (Prenahrung), mit 5,5 Beikoststart, klassisch mit Karotte..
    Kind 2: voll gestillt bis 5,5 Monate, dann 4 Zähne, Beissattacke und nächtliches wieder mindestens 2x stillen(beissen) wollen -> abgestillt! Beikoststart wie bei Kind 1.

    Ich habe keine Ahnung was “baby led weaning” ist, werde mich aber gleich mal schlau machen.

    Ach ja, was ich noch sagen wollte: egal wie lange gestillt wird: wichtig ab dem 6. Monat ist die gesicherte Eisenzufuhr, die allein durchs Stillen nicht mehr voll gedeckt wird (Fleisch!)

    LG
    und Sie machen das schon!!

    Antwort
    1. Schussel Autor

      Ja, ich meine in dem Fall Zöliakie. Z.B. hier
      http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=844
      oder direkt in der dort zitierten Studie von Norris. Zu früh ist nix, zu spät aber auch nicht.
      Mit Allergien ist es wohl ähnlich, dass inzwischen eben nicht mehr empfohlen wird, auf die problematischen Nahrungsmittel (Ei, Milch, …) so lange wie möglich zu verzichten, sondern die auch bald zu geben. Wo hab ich nur diese blöden Studien dazu gespeichert? Ich suche noch.

      Darf ich umgekehrt -wenn schon ne Fachfrau da ist :) – fragen, wo es widerlegt ist, dass längeres Stillen Allergien vermeidet? Ich habe das zwar für asthmatische Erkrankungen gefunden, für Ekzeme etc. dagegen war die Datenlage schon weniger eindeutig.
      Und die zweite Frage wäre zur Eisenaufnahme. Ich habe eigentlich gelesen, dass auch das widerlegt ist und dass das nur ein Problem wäre, wenn das Kind schon viel Beikost bekommt oder andere Milch, dass aber bspw. ein vollgestilltes Kind auch weiter ausreichend mit Eisen versorgt ist, weil das in der Muttermilch gebundene Eisen deutlich besser (fast zu 100%) vom Körper aufgenommen wird als das tierische oder gar pflanzliche, wo die Aufnahme ja eher schwierig ist. Kennst Du da aktuelle Erkenntnisse? (Fleisch will ich ihm ja eigentlich eh geben, ich weiss nur noch nicht wie. Möglicherweise dann eben erst mit 9 oder 10 Monaten.)

      Antwort
  6. muckeltiger

    Ich glaube es war eine GINI Studie, die das widerlegt hat. Ich schau mal genauer nach, wenn das Lenchen schläft und ich Zeit habe.
    Zum anderen war die Quelle mein Kinderarzt, der sagte dass Stillen und Allergieprophylaxe vom Tisch sei.

    Zur Eisenaufnahme: mein Kenntnisstand ist der, dass Kinder ab 6 Monaten aufgrund ihrer körperlichen Entwicklung mehr Eisen benötigen, das die MM nicht abdeckt. (Eisenspeicher des Kindes nach ca. 6 Monaten aufgebraucht, MM enthält viel zu wenig Eisen). Folge könnte eine Eisenmangelanämie sein.
    Fleisch gibt es übrigens püriert und in Einzelgläschen, aber ich habe jetzt gelesen, dass ihr nicht mit dem Löffel füttern wollt.. Sollte ja aber mit den Fingern auch gut klappen.

    Bei Ei und Kuhmilch ist sicher das “Problem” die hohe Eiweisszufuhr (Eiweiss in MM: 0,7-0,9 g pro 100 ml; Kuhmilch: 3,5 g pro 100 ml) und die relativ unreifen Nieren ( bis ca. 18 Monate). Im ungünstigsten Fall könnte das zu einer metabolischen Azidose führen.

    Ein bisschen habe ich so das Gefühl, dass ich mal gründlich recherchieren muss und die Pädiatriebücher wieder wälzen. Nicht jede Studie überzeugt mich ;-)

    Ich finde aber toll, dass du dich so sehr damit auseinander setzt.

    Antwort
    1. Schussel Autor

      Stimmt, das mit dem Eiweiss ist wieder ein anderes Problem. Kuhmilch ist ja eh kein Thema, solange ich stille (hoffentlich noch lange), und Ei – meinst Du es reicht, wenn man das Eiweiß weglässt? Oder über die Menge geht?

      Mit dem Eisen werde ich noch mal recherchieren und den Kinderarzt befragen. Ich weiss zwar, dass Muttermilch wenig Eisen enthält, aber mir wurde eben gesagt, dass das Eisen dafür vom Kind vollständig aufgenommen wird und deshalb entgegen früherer Ansichten auch längeres Vollstillen möglich wäre. Ich werde aber schon irgendwie Eisen in ihn bekommen. Oder notfalls bei Zweifeln mal auf meine Kosten die Blutwerte anschauen lassen, falls er das nicht isst, was ich gut finde.

      Und nein, mich überzeugt auch nicht jede Studie. Deshalb lese ich sie ja so gerne im Original, damit man abschätzen kann, wie die Ergebnisse entstanden sind – im Zweifelsfall kann man die Ergebnisse dann gleich wieder in die Tonne kloppen oder eben weiterlesen :)

      Antwort
      1. muckeltiger

        Hühnereier würde ich im 1. Lebensjahr komplett weg lassen (Hühnereiweiss ist ein bedeutender Allergieauslöser, auch in vielen Impfseren sind Teile von Hühnereiweiss: für Allergiker doof!) und allgemein wegen Salmonellengefahr.

        Stimmt, Eisen aus MM wird so gut resorbiert wie kein anderes, trotzdem fängt es an nach 6 Mon. zu wenig zu werden. Sollte es neue Erkenntnisse dazu geben interessieren sie mich natürlich brennend :-)

        Solange dein Knirps rosige Haut, feuchte Schleimhäute (hihi, hört sich ja fast an wie bei nem Hund.. sorry ;-P) hat und nicht abnimmt oder ständig schlechte Laune hat, ist alles bestens.
        Ich hätte übrigens auch gerne länger als 5,5 Monate gestillt, zwar nicht voll, abergerne so bis 9 Monate. Leider hat mich das Lenchen immer wieder gebissen und da konnte ich mich dann nicht mehr entspannt hinsetzen.. Schade!
        LG!

        Antwort
  7. Sigrid

    Also ich würde jetzt spontan sagen, dass Du ihm einfach mal ein Stück Kartoffel in die Hand drückst und guckst was passiert. Es git auch “Waffeln” aus Maismehl an dem Du ihn herumpatschen lassen kannst. Er will offenkundig etwas essen, so wie ihr auch.
    Du bist zwar ein Kopfmensch, aber manchmal ist Vertrauen in Mutter Natur nicht verkehrt.
    Wenn Du mit finger food anfangen möchtest, gibt es so viele Gemüse, die Du ihm gekocht anbieten kannst: Kartoffel, Möhre, Brokoli, Zucchini
    Probiere es einfach aus!
    Bis zum ersten Geburtstag würde ich allerdings Eiweiß und Kuhmilch (außer evtl. Butter) nicht geben.

    Sigrid

    Antwort
    1. Schussel Autor

      Ja, so haben wir das jetzt auch gemacht mit der Kartoffel. Aber ganz kopfgesteuert ;-) Genau so habe ich das auch vor mit dem Fingerfood, ich bin sehr gespannt, wie das klappt.

      Antwort
  8. schlimpi

    das muss ich mir noch mal in aller Ruhe durchlesen …
    aber ansonsten freue ich mich schon auf den Kartoffelbericht …

    und immer schoen nach deinem Bauchgefuehl! ;)

    ganz liebe Greez :D

    Antwort
    1. Toschka

      Also, solche Studien (Muttermilch! Allergie! Was tun?!) regen mich irgendwie auf. Bzw. das Lesen derselben regt mich auf. Ein paar Prozent hier, ein paar Prozent dort, wie viele Leute getestet, welche Umstände – ich denke, man kann das ruhigen Gewissens ignorieren. Es gibt doch Anhaltspunkte, also Empfehlungen, wann man mit der Beikost am besten anfängt, und es gibt das eigene Kind, für das man (in dem Alter) die Entscheidungen fällen muss.
      Diese Angabe “6 Monate” ist ja bloß eine Orientierungshilfe. Was Babys in dem Alter wollen – wer weiß. Sie kennen das Essen nicht, also können sies eigentlich auch nicht wollen. Sie sehen, dass die Eltern etwas tun und ahmen sie nach, denke ich.
      Wenn man mit der Beikost anfangen will, könnte man dem Kind vielleicht etwas Größeres geben, an dem es herumlutschen kann, einen anderen Geschmack ausprobieren, ohne Verschluckungsgefahr natürlich. Hm, was könnte das sein? Möhre?
      Mein Kind wollte nie Brei essen, wir haben ihm Obst, Gemüse, Nudeln in die Hand gegeben. So gehts auch… :)
      Wenn dein Kind von der Milch satt wird, würde ich ihm noch nichts Anderes geben. Was sind schon fünf-sechs Monate Milch gegen ein ganzes Leben voller mehr oder weniger industriell verarbeitetem Essen… ;)

      Antwort
      1. Schussel Autor

        Ja, so ähnlich machen wir es ja, keinen Brei. Und er wird satt – deshalb besteht eigentlich wirklich keine Eile.
        Die Empfehlungen finde ich trotzdem sinnvoll, weil sie eben auf wissenschaftlichen Fakten beruhen. Natürlich gibt es unter den Kindern dann Streuungen, und sicher kann das eine früher essen und das andere später, aber im Zweifel sind solche Orientierungshilfen und Studien meiner Meinung nach doch sehr wertvoll.

        Antwort
  9. muckeltiger

    Die Orientierungshilfe beruht aber auf Fakten.
    Es ist schon Tatsache, dass der Eisenspeicher, der während der SS vom Kind aufgebaut wurde (Kind raubt Mutter Eisen) nach 6 Monaten zu Ende geht. Eisen spielt ein wichtige Rolle für eine Reihe von Entwicklungsprozessen.
    Von daher macht das Zufüttern schon Sinn.
    Auch ist die neuromuskuläre Entwicklung bei den meisten Babys soweit fortgeschritten, dass das Kind Reifezeichen zur Beikost zeigt (hat Frau Schussel ja fast alle aufgezählt)

    MM ist so wertvoll , dass sie – Allergieprophylaxe hin oder her, trotz allem noch das Beste für Kind und Mutter ist.

    Wer mal genauer einsteigen mag kann hier stöbern:
    http://books.google.de/books?id=kVwMpU_GfzUC&dq=physiologie+in+der+geburtshilfe&printsec=frontcover&source=bl&ots=z7kM6QmM9k&sig=7f7LxBZFx0eXUXowpaWEQdZNmZU&hl=de&ei=rt5VStqLFJCD_Ab5vPDEAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=6

    Dass man Studien stets kritisch beäugen sollte kann ich nur unterschreiben, wichtig finde ich aber auch, dass Mütter bestens informiert sind.

    LG

    Antwort
  10. 1000sunny

    Mummy 1000Sunny
    Ich habe bei den ersten beiden Kindern nach Ratgeber versucht, eine Mahlzeit einzuführen. Mittlerweile halte ich das für Quatsch.
    Sanji entwickelt genau die gleiche Neugierde. Wenn ich Wasser trinke, muss er auch. Wenn ich etwas esse, muss er auch. Und wenn ich die Essigflasche in der hand halte, muss er die auch probieren.

    Ich habe das Gefühl, dass es hier nicht so sehr um die Nahrungsaufnahme an sich geht – es geht mehr um die Tatasache, dass Dinge unterschiedlich schmecken. Nahrungsmittel schmecken besonders intensiv, und sind dadurch besonders interessant, um den Faktor “Geschmack” herauszufinden.
    Große Portionen wird er anfangs eh nicht essen, ich würde ihn einfach probieren lassen, genauso wie sie alles andere auch erforschen dürfen (ausser die Steckdose).

    Antwort
    1. Schussel Autor

      Ja, Du hast bestimmt recht. Das deckt sich auch stark mit dem Ansatz, den wir zur Beikost verfolgen wollen. Du sprichst auch einen wichtigen Punkt an, das hat oben schon mal jemand bemerkt: es geht zu dieser Zeit viel um die Neugier, einfach wissen wollen, was wir da tun und wie das alles schmeckt. Bis er nennenswerte Mengen isst, dauert das sowieso noch. Ich vermute mal, ihr macht mit Sanji bewusst oder unbewusst genau das, was wir auch machen wollen, nämlich eben keine Mahlzeiten ersetzen und keine Babybreis füttern, sondern das Essen entdecken lassen. Es bleibt spannend :)

      Antwort
      1. 1000sunny

        Vor ein paar Tagen hat er morokkanischen Fischtopf mit Couscous nach Jamie Oliver gegessen (also nix mit ungewürzt), zusammen mit seiner großen Schwester (“Ich mag keinen Couscous, nur shrimps!”) hat er meinen Teller geleert, so interessant war das… :)

        Antwort
  11. josili

    Toll dass Du ihn essen lassen kannst/willst wie er will. Kann ich leider nicht. Aber bei Euch hört es sich so an als ob Du guten Gewissens probieren kannst, mehr als schiefgehen kann es ja nicht ;-)

    Antwort
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