Blöd und selbstverschuldet
Seit etwa Mitte August habe ich Schmerzen im Handgelenk. Zunächst nichts tragisches, einfach etwas überlastet, so vom Knirps tragen und Knirps in den Schlaf wiegen und turnenden Knirps beim Stillen festhalten. Kennt ihr das, wenn man das Kind auf dem Arm gewissermaßen mit dem abgestreckten Daumen festhält und dann die Hand trotzdem noch frei hat, um zu tippen oder etwas zu tragen oder ähnliches? Genau. Zum Arzt bin ich also nicht gegangen – schließlich war es nicht das erste Mal, dass ich solche Schmerzen hatte, ich bin mit Sehnenscheidenentzündungen quasi per Du. Ich hatte selbige schon vom Klarinette spielen, vom Dauertippen, vom Gurke hobeln, vom Computer spielen.. und normalerweise war das mit Kühlen und Schonen recht gut in den Griff zu bekommen. Ich gehe ungern zum Arzt, wenn ich das Gefühl habe, alleine damit zurecht zu kommen. Kommt mir so unnötig vor.
Das Kühlen half nur vorübergehend, und Schonung – naja. Schon mal versucht, eine Hand möglichst überhaupt nicht zu benutzen, während man mit einem 6 Monate alten Säugling alleine zuhause ist? Das funktioniert nämlich so ziemlich gar nicht. Sicher, für längere Tragezeiten nehme ich die Bauchtrage, der Knirps konnte zu der Zeit auch schon ganz gut alleine am Boden spielen, aber ganz ohne zweite Hand und ganz ohne Tragen geht es eben doch nicht. Noch dazu geht es um die linke Hand, meine klassische Tragehand (seltsam eigentlich – ich trage den Knirps wirklich ausschließlich auf der linken Hüfte. Rechts geht irgendwie gar nicht).
Die Schmerzen wurden also besser statt schlimmer. Jeder vernünftige Mensch wäre daraufhin doch zum Arzt gegangen. Jeder außer mir. Ich hoffte weiter auf spontane Besserung, schonte mal mehr, mal weniger, mal gar nicht und verschob den geplanten Arztbesuch zunächst auf nach dem Umzug.
Der Umzug kam, der Umzug ging, und meine Schmerzen blieben. Mittlerweile hatte ich vorsichtig das Internet befragt, wie das den so mit verschleppten Sehnenscheidenentzündungen ist. Dabei konnte ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststellen, dass es sich um eine Tendovaginitis de Quervain handelt, eine Sehnenscheidenentzündung im Bereich der Daumensehne. (Ich weiss schon, Internetdiagnosen sind Mist, aber ich behaupte das jetzt mal so. Wenn schon blöd verhalten, dann richtig. Nicht zum Arzt gehen und Selbstdiagnosen basteln.) Ein gehäuftes Auftreten wird bei jungen stillenden Müttern beobachtet, die häufig das Baby mit kraftvoller Daumenabduktion halten .. na sowas.
Je schlimmer das ganze wurde, desto beharrlicher wehrte ich mich gegen einen Arzttermin. Vielleicht nach dem Urlaub (und der Urlaub kam und ging). Mittlerweile versuchte der Allerbeste immer wieder erfolglos, mich dazu zu überreden. Aber ich wollte absolut nicht. Irgendwie war und ist es mir äußerst unangenehm, diese Sache verschleppt zu haben, und damit möchte ich nicht vor dem Arzt stehen. Hallo, ich habe seit zwei Monaten Schmerzen, aber irgendwie war ich zu faul, vorbei zu kommen klingt einfach nicht gut. Und die ebenfalls im Internet zu findenen Prognosen für so eine, mittlerweile fast als chronisch zu bezeichnende Entzündung, gefielen mir auch nicht. Im blödsten Fall OP, anschließend einige Wochen Heilung. Wie soll denn das bitte gehen, mit so einem Knirps, der noch nicht mal laufen kann? Und wie soll das gehen, wenn ich Anfang Januar wieder arbeiten soll, also tagaus tagein tippend am PC sitzen?
Also ging ich nicht zum Arzt. Bis heute. Ich weiss, diese Haltung ist alles andere als erwachsen. Und leider verschwinden die Schmerzen auch nicht, wenn man sie zu ignorieren versucht und abwartet. Es hat so ein bisschen was von Finger in die Ohren und lalala singen, um die Wahrheit nicht zu hören. Ich kenne diese Vorgehensweise nur zu gut; solange ich mich erinnern kann, ist meine Mutter mit jeder Art von Krankheit genau so umgegangen. Jahrelang habe ich den Kopf geschüttelt, mich geärgert und mir geschworen, nicht so zu werden – nur um jetzt ganz genauso zu handeln.
Doch endlich (leider muss man das wirklich so sagen) ist auch bei mir der Punkt gekommen, an dem die Schmerzen unerträglich sind. Ich habe heute zum ersten Mal Schmerzmittel genommen, um den Tag zu überstehen. Bei dummen Bewegungen wird mir wörtlich schwarz vor Augen vor Schmerzen. Ich kann mich kaum anziehen, geschweige denn den Knirps (und muss ihn ja trotzdem mehrmals täglich wickeln), ich kann mit links nichts tragen und nichts bewegen. Ich kann wundersamerweise aber ganz problemlos tippen, solange ich den Daumen und das Handgelenk ruhig halte. Nein, ich will kein Mitleid, schließlich habe ich das ganze selbst verbockt. Wäre ich im August zum Arzt gegangen, dann hätte mich das vermutlich eine harmlose Untersuchung, vielleicht ein oder zwei Stunden meiner Zeit und eventuell eine Schiene für den Arm gekostet. Warum um Himmels Willen habe ich das nicht getan? Warum bin ich lieber zwei Monate mit Schmerzen durch die Gegend gelaufen und habe gewartet, bis sie unerträglich werden? Ich wüsste nur zu gerne eine Antwort, denn rational kann ich das nicht erklären. Angst oder Panik vor Arztbesuchen kenne ich auch nicht. Es gibt schlicht keinen Grund. Selbst schuld, keine Ausrede.
Heute abend also endlich der nötige Termin beim Arzt. Diesmal habe ich ein bisschen Angst, vor der Diagnose, vor der Möglichkeit einer Operation und vor einem eventuellen Anschiß dafür, dass ich so lange nicht gekommen bin. Aber eigentlich ist es ja nur verdient. (Ich würde mir ja selbst den Daumen drücken, aber genau das geht überhaupt nicht mehr mit dieser Hand.)


*Daeumschn drueggs*
als SehnenscheiZZegeplagte weiss ich nur zu gut, wie es ist …
*AnnasDaeumschn auch mit drueck*
der Gatte darf nachher auch noch mit druecken
Schnelle Besserung!!!
Oh du Arme! Ich drück dir die Daumen, meine sind noch ok!
Und ich kenne das Phänomen. Zum Arzt gehe ich nur, wenn es wirklich sein muss! Da könnte ich auch einige Geschichten erzählen…
Ich geh auch erst zum Arzt, wenn nix mehr geht. Blöd eigentlich…
Ich drück dir die Daumen und gute Besserung!
Ach Du,
Du bist nicht allein!
Ich erzähl Dir mal die Geschichte von meinem Zahn.
Als ich mit Kind1 schwanger war, schmerzte mein blöder Weisheitszahn. Och ja, machste nach der Geburt einen Termin klar. Geburt kam, das Wochenbett, die ersten Zähne beim Kinde. Aber ich hatte noch immer keinen Termin. Inzw.gab der Zahn auch wieder Ruhe, ich wußte ihn zu schonen.
Schwangerschaft2.Der Zahn muckte wieder auf.Ach komm, alles easy, wird schon, halb so wild.Ich schonte, kaute einseitig, vermied scharfes oder süßes. Termin? Nee.Ich schämte mich.Meiner Unfähigkeit,so nen läppischen Termin hinter mich zu bringen! DAbei habe ich gute Zähne, keinerlei Probleme, erst 2 Füllungen. Keinerlei Angst vor dem Arzt, nur Scham.
Abends saß ich schmerzverzerrt am Tisch, betäubte den Schmerz mit Salz und schwor am nächsten Tag endlich zu gehen.
Es kam,wie es kommen mußte, der Zahn bröckelte.
Ich ging endlich zum Doc, klagte verschämt mein Leid, lag da mit dicker Kugel. Und er hob nur die Schultern und meinte, er könne gerade nix machen, nur den Schmerz lindern. Die Therapie begänne erst nach Entbindung.
Das Ende vom Lied: ich bin geheilt,um 2 Weisheitszähne erleichtert und seitdem brave Patientin.
Aber meine eigene Blödheit nervt und schmerzt. Und wofür?
ach je, du arme!weißt du, das dumme sit ja-oft gehen wehwehchen ja wirklich von allein weg-und so harrt man aus mit der meinung-wird schon.ich kenn das-mach das auch so…
was sagtd denn der arzt?
Ich drücke auch die Daumen und kann es sehr gut verstehen. Wenn man gewöhnt ist das sowas nicht lange hält, ist es ja verständlich das man nicht direkt zum Arzt geht.
Bei mir ist es inzwischen mit Bronchitis so, wobei es da wohl auch eine schlechte Angewohnheit ist. Aber Arzt kostet Zeit, Geld und bringt meistens nichts.
Es ist schwer abzuschätzen wann es was bringt und ebenso schwer sich selbst einzugestehen das man sich verschätzt hat.
Ich hoffe es ist nichts schlimmes und lässt sich leicht behandeln und heilen!
mummy 1000Sunny
ich hatte das auch, das war eine Sehne, die durch ein Loch im Knochen etwa an der Basis des Daumens führt – und genau an dieser Stelle war die Sehne wahrscheinlich etwas angerissen, und angeschwollen. Und diese angeschwollene Stelle passte dann nur noch unter Schmerzen durch das Loch im Knochen. Die Schiene hat mir leider nichts geholfen, im Gegenteil. Was geholfen hat, innerhalb von Tagen, waren homöopathische Globuli. Wenn ich jetzt noch wüste, welche es waren, würde ich es Dir sagen. Ich habe aber keine Ahnung, leider. Es hatte aber etwas mit Entzündung zu tun…
Nachdem habe ich es mir angewöhnt, die Kinder mit der Hand und NICHT mit dem Daumen allein abzustützen.