Zwuckelina

Die Twitterspatzen haben es ja längst von den Dächern gepfiffen, jetzt also endlich auch ganz offiziell hier:

Seit Dienstag morgen, dem 11.10.11, sind wir sehr glückliche Eltern eines gesunden Zwuckelmädchens. (Ihr seht, ich habe mein symmetrisches Datum gekriegt. Ha! 09.02.09 und 11.10.11)

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Sie schläft wie fast alle Neugeborenen viel, hat die garantiert weichsten dunklen Flaumhaare der Welt und ist ein insgesamt sehr friedliches Baby. Wenn es hoch kommt, wird hier vielleicht 2 Minuten am Tag geweint. Meist beim Wickeln. Ansonsten reicht es, wenn man sie alle ein bis drei Stunden nach Wunsch stillt (Schnellstillbaby, übrigens, braucht nur 5-20 Minuten!) und den Körperkontakt rund um die Uhr nicht abreißen lässt. Wenigstens ein Knirpsfinger zum Festhalten muss schon sein. Sie kann die drolligsten Grimassen ziehen – am schönsten finden wir die groß aufgerissenen, schielenden Augen zusammen mit einem spitzgeformten Mund, als würde sie ständig “Oh!” sagen wollen.

Irgendwann wird es bestimmt eine Langversion rund um die Ereignisse der Geburt geben, schon alleine, weil ich alles aufschreiben möchte. Für den Anfang versuche ich mich an einer meiner berüchtigten halblangen Kurzversionen.

Nachdem sich die Vielleicht-Wehen nach der Heimkehr des Mannes recht schnell als echte entpuppten, die auch gut stärker wurden, verabredeten wir uns für den Abend im Geburtshaus. Stimmungsvoll vorbereitet war dort alles und die Hebamme erwartete uns, ganz wie geplant. Mit der Fahrt wurden die eigentlich schon kräftig zu veratmenden Wehen allerdings schwächer und seltener. Also Ankommen, Wanne, Abwarten, Eisenkraut; nach einem Spaziergang und einem Schotteneis waren sie wieder regelmäßig und kräftig da. Nur leider nicht oft genug auf lange Sicht.

Über die Nacht hinweg haben wir also veratmet, vertönt, gewartet, akupunktiert, Zäpfchen gegeben, weiter gewartet und veratmet und gejammert und geaaaahhht. Kräftige Schmerzen, aber ich fand mit dem Mann Wege, damit einigermaßen umzugehen. Aber eben auch noch nicht genug. Irgendwann der Vorschlag, etwas Schlaf in den Wehenpausen zu versuchen, weil vielleicht die Erschöpfung bremst. Die beiden haben geschlafen, ich habe in den Pausen gelegentlich gedöst und ein paar Hypnobirthing-Entspannungen durch die Wehen versucht. Erfolgreich, aber vermutlich hat das zu Verwirrung bei der Hebamme beigetragen… doch davon mehr in der Langversion.

Am Ende war es 3 Uhr nachts und kein Kind da, die Wehen immer noch zu selten, mal alle 5 Minuten, mal viel weniger, mal öfter, aber so schmerzhaft und mittlerweile ja seit 12 Stunden vorhanden, dass mir langsam die Kraft ausging. Auf allen Seiten war der Gedanke, dass es so nicht weitergehen kann. Allerdings mit unterschiedlichen Folgerungen. Ich begann, mir Schmerzmittel irgendeiner Art zu wünschen, nur eine kurze Pause. Noch hielt ich durch, aber ich wusste ja nicht, wie lange ich noch durchhalten müsste. Die Hebamme dagegen war der Ansicht, dass es vielleicht noch keine echten Geburtswehen seien (wie bitte?), oder zu wenige davon, und bot uns an, nochmal nach Hause zu fahren. Das wiederum kam für mich nicht in Frage. Erstens, weil die Wehen wirklich heftig waren, auch wenn es nach außen vielleicht anders aussah – ich wollte damit nicht daheim sein, eigentlich auch schon nicht im Auto sein. Und zweitens, weil ich das Gefühl hatte: wenn wir jetzt fahren, krieg ich dieses Kind daheim und werde dabei verrückt vor Schmerz. So ein Gefühl eben. Ich bat noch um die erste und einzige Muttermunduntersuchung dieser Nacht, zu diesem Zeitpunkt noch hoffnungsvoll. Aber: 2 Zentimeter. Verdammte zwei Zentimeter nach 12 Stunden, genau wie beim Knirps. Enttäuschung, Wut, Frustration und Verwirrung. Es tat so weh!

Ich bin schon wieder zu ausführlich. Am Ende entschieden wir (bzw. ich), in die Klinik zu fahren. Wir kamen dort gegen halb sechs morgens an, ich mittlerweile ohne jeden Versuch, mich auf die Wehenarbeit zu konzentrieren und entsprechend heulend, fluchend und um mein Leben jammernd vor Schmerz. Die erste Untersuchung in der Klinik ergab 5-6 Zentimeter. Als die von mir ersehnte PDA gelegt wurde, waren wir kurz davor auf 7-8 Zentimeter. Von alleine. Innerhalb von 1,5 Stunden. Und dann wurde auch aus der geplanten Ruhepause mit PDA nichts, weil wir offenbar schon am Beginn der Pressphase standen. So plötzlich.

Meine PDA war so wundervoll leicht, dass die mörderischen Spitzen weg waren, ich aber immer noch gut zu fluchen und zu veratmen hatte, mittlerweile kopflos und dankbar auf Befehl der Hebamme, dass ich mich frei bewegen konnte und dass ich alles spüren konnte. Die Wehen, den ständigen Schmerz, den Kopf, den Durchtritt. Dieses Brennen und der extreme Druck. Ich habe unsere Zwuckelina selbst auf die Welt gepresst, irgendwo zwischen Vierfüßler und Rückenlage, in drei Presswehen und zwei Hustern für den restlichen Körper, 2,5 Stunden nach unserer Ankunft in der Klinik, mit nur einem kleinen harmlosen Riss. Ich bin so verdammt stolz. Auch wenn die Geburt etwas anders verlief als geplant. Sie war gut. Alles war gut. Und wir waren nun zum zweiten mal Eltern.

(Ja. Das war die Kurzversion.)

Wir mussten wegen einer verzögerten Rückbildung meiner Gebärmutter (die gerade immer noch ein wenig Probleme macht) eine Nacht in der Klinik bleiben. Und meine Symphyse macht erwartungsgemäß nach dem Kind-Pressen noch ein paar Schmerzen mehr als vor der Geburt. Die Naht ziept, verheilt aber ordentlich. Und bislang ist meine Seele heil und wird gut gepflegt und beobachtet. (Wir klopfen auf Holz, noch sind es ja erst 5 Tage.)

In den letzten fünf Tagen machen wir es uns hier einfach gemütlich. Wir halten lange Mittagsschläfchen zu viert im Familienbett, essen Vorgekochtes und Liefersushi zur Feier des Tages und tapseln allgemein mit einem ständig verliebten Grinseblick auf dieses wundersame kleine Wesen durch die Welt. Wir lassen uns in unserem unbezahlbaren Garten die warme Herbstsonne auf die Nase scheinen und freuen uns, dass uns die Wochentage gerade völlig egal sein dürfen. Der Knirps ist im Großen und Ganzen sehr stolzer und engagierter großer Bruder, hilft beim Wickeln und passt auf sein Schwesterchen auf, wenn wir aus dem Zimmer gehen, und freut sich über jedes Engelslächeln im Schlaf und ist ganz wunderbar. Nur wenn die Müdigkeit kommt, ist es manchmal etwas schwerer, plötzlich Papas Arme und den Didysling teilen zu müssen. Aber das wird schon.

Ihr werdet also verstehen, dass es bis zu diesem Eintrag so lange gedauert hat. Manchmal ist das Leben einfach zu schön zum Bloggen.

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48 Gedanken zu “Zwuckelina

  1. jademond

    Hach, da kommen mir gleich die Rührungstränen. Ich kann deinen Geburtsbericht so nachvollziehen. Beim Wolf war es ähnlich. 3 Tage hab ich mit ihm rumgemacht, mit Wehen, die stark für mich waren, aber am Muttermund kaum was bewirkt haben. Habt eine schöne Babymoon-Zeit. Ich kann das Dauergrinsen so nachvollziehen :-)

    Antwort
  2. signorina

    Herzlichen Glückwunsch zu eurer wunderschönen Tochter!
    Ich wünsche euch eine schöne Kennenlernzeit!
    Alles Liebe und Gute von einer ebenfalls frischgebackenen Mama. (Unser Sohn kam am 10.10.11 zur Welt.)

    Antwort
  3. lilsen

    Herzlichen Glückwunsch!!! Auf das neue Leben zu viert, das so harmonisch und sonnenhell beginnt….
    Lasst es Euch gut gehen!

    Antwort
  4. Kassiopeia

    Vielleicht war der Durchbruch in der Geburt als du bewusst entschlossen hast ins KH zu fahren, weil DU dir ganz sicher warst, dass es echte Wehen sind. Du hast entschieden, nicht heim zu fahren, sondern du wolltest gebären. Und schwupps. Mit ein bisschen Zeit, als macht es Plöpp reicht die Zeit plötzlich für kleine Meilensteine unter der Geburt!
    Ich find ihn wunderschön, den Bericht. Selbstbestimmt. Kraftvoll. Und ein Wunder des Lebens. Immer wieder. Danke fürs Teilen.

    Antwort
  5. FrauPerle

    Wie schön ♥ egal ob die Geburt anders geplant ist, du klingst zufrieden und das ist das wichtigste.

    Und die Zwuckeline hach ♥

    Ich wünsch euch eine wundervolle gemeinsame Zeit zu viert, genießt, schnuppert, seid stolz all das in vollen Zügen :)

    Antwort
  6. beerenmama

    Liebe Frau Schussel,
    danke für diesen wunderschönen Geburtsbericht und dass Sie uns als Leser teilhaben lassen. Sie können so stolz auf sich sein! Ich wünsche Ihnen und Ihrer frischgebackenen Vierer-Familie alles Glück der Erde und ein schönes Ankommen. Ich freue mich schon auf weitere Erzählungen. Viele Grüße Beerenmama

    Antwort
  7. Fraumuemmel

    Dein Bericht rührt mich zu Tränen! Ich graturliere noch mal ganz herzlich! Euer Zwuckelmädchen ist unglaublich süß!
    Erhol dich gzte und genieß die Zeit mit ganz viel Babyduft!

    Antwort
  8. Frau Kleeblatt

    oh die kleine Zwuckelina ist so wunderhübsch! ein ausgesprochen schönes Baby!!! (und ich bin da sehr kritisch. manche Kinder sehen so ganz frisch einfach schrecklich aus +g+)

    Wenn ich deinen Kurzbericht so lese, wünsche ich mir wieder so sehr spontan entbinden zu können. Auch wenns schmerzhaft ist, aber wie du so schön schreibst dieses “selbst zur Welt bringen”. ich könnte schon wieder heulen, weil mir das verwehrt bleibt.

    Ganz herzliche Gratulation nochmal zu eurem kleinen Wunder! Genießt die eure gemeinsame Zeit!!

    Antwort
  9. aleXXblume

    So ein niedliches kleines Wesen! Meine ganz allerherzlichsten Glückwünsche noch einmal – und ich finde, du hast das völlig richtig gemacht bei der Geburt! Du wusstest, was Sache ist und hast dich nicht mal von “Experten” aus der Ruhe bringen lassen, toll!

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  10. frauniepi

    herzlichen glückwunsch zu eurer wunderschönen tochter und ich wünsche euch, daß ihr die zeit zu viert noch lange so enstpannt genießen könnt.
    p.s. bin ich eigentlich die einzige, die ganz neugierig auf den namen ist?

    Antwort
  11. Sigrid

    Ich habe es doch geahnt; aber leider in den letzten Tagen keinen Zeit gefunden, am Rechner zu lesen.
    Herzlichen Glückwunsch zu diesem wundervollen Mädchen!!!
    Auf den Namen bin ich auch neugierig.
    Und wenn ich eine Vermutung äußern darf: Wahrscheinlich war das Geburtshaus nicht Dein Ort. Unter der PDA konntest Du loslassen.
    Ich wünsche Dir/ Euch ein wunderschönes Wochenbett ohne dunkle Wolken auf der Seele.

    Antwort
  12. septemberherz

    So ein hübsches kleines Mädchen! Alles alles Liebe für die frischgebackene 4köpfige Familie und eine schöne Kennenlernzeit. Ich lese hier so gerne mit und freue mich schon auf viele Berichte von der kleinen Zwuckelina und dem Knirps als großen Bruder. :)
    Herzliche Grüße!

    Antwort
  13. msgoingtomoon

    Noch mal herzlichen Glückwunsch zur Geburt der Zwuckelina! Genießt die erste Zeit, lasst Euch verwöhnen und findet zu einander.
    Und vielen Dank fürs Teilhabenlassen an diesen großartigen Ereignissen.

    Antwort
  14. bauchherzklopfen

    Ich liebe diesen letzten Satz… Und das friedliche Gesichtchen der Zwuckelina. Ich wünsch Euch weiterhin alles Liebe!

    Antwort
  15. sternchenjg

    Wenn auch spät, aber nicht weniger herzlich wünsche ich Euch alles Liebe zur Geburt Eurer Zwuckelina! Ich wünsche Euch eine wundervolle Eingewöhnungszeit und dass das Watteweiche Gefühl dieses Mal bleibt!

    *drückdich*

    Antwort
  16. Schussel Autor des Beitrages

    Ich sage an dieser Stelle einfach mal ein riesiges Dankeschön für alle Glückwünsche, Daumendrücker, Mitfieberer… das freut mich alles so unheimlich, dass ich es kaum beschreiben kann. DANKE!

    Antwort
  17. Pingback: alles unverändert « einmal leben und zurück

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