Alleinpremiere

Zwuckelina: 6 Wochen und 4 Tage

Knirps: 2 Jahre, 9 Monate, 16 Tage

Noch haben wir zwei Wochen Schonfrist, bis der Mann wieder voll einsteigen muss. Als ersten Versuchsballon sollte er aber den Samstagsjob ab heute wieder starten. Für mich also der erste Versuch eines normalen Tages alleine mit zwei Kindern.

Geplant war: Wir gehen ausreichend früh ins Bett, falls der Knirps früh aufstehen will. Beide Kinder und ich überhören den Wecker und schlafen friedlich bis 8 Uhr. Anschließend packe ich die zufriedene Zwuckelina ins Tragetuch und frühstücke gemütlich mit dem blendend gelaunten Knirps, bevor wir uns alle anziehen. Wir spielen den Vormittag über friedlich Duplo und Spielküche, während die Zwuckelina sich ab und an zum Stillen meldet. Und wenn der Mann von der Arbeit kommt, liegt der Knirps längst im Mittagsschlaf. (Nein, wir waren nicht so naiv, das alles wirklich zu glauben, aber man soll sich seine Ziele ja hoch stecken.)

Die Realität war: Wir machen uns nicht ganz so früh wie geplant bettfertig. Der Mann hat gerade den Knirps zum zweiten Mal ins Bett gebracht, nachdem er uns leicht verwirrt im Halbschlaf aus dem Schlafzimmer entgegen getorkelt kam, um zur Toilette zu gehen. Ich spüle der Zwuckelina die Nase mit Salzwasser – sie hat mittlerweile ihren zweiten ordentlichen Schnupfen und somit etwa 3/4 ihres jungen Lebens verschnupft verbracht – und ziehe sie um. Dauerschnupfen alleine ist harmlos, meinte die Kinderärztin bisher, solange es keine sonstigen Symptome wie Fieber oder Atemschwierigkeiten gibt.

Aber jetzt sehe ich, wie sich bei jedem Atemzug die Haut in der Halsgrube und unter den Rippen deutlich nach innen zieht und werde prompt unruhig. Ja, seit der Bronchitis beim Knirps inklusive einer Woche Rundumverpflegung in der Klinik werde ich zweifellos bei Husten und anderen Lungen-Dingen etwas schneller hellhörig sofort extrem panisch. Dass solche Einziehungen kein optimales Zeichen sind, weiß ich jedenfalls, und lasse den Mann ebenfalls schauen. Der sieht dasselbe, ist aber entspannt. Google wiederum (jaja, nie sowas googlen) stützt meine Sichtweise und mahnt, junge Säuglinge mit diesen Anzeichen sofort in die Klinik zu bringen. Also rufe ich schließlich die Ärztehotline meiner Krankenkasse an, beschreibe die Situation und hoffe auf ein paar beruhigende Worte für übervorsichtige Mütter. Stattdessen wird uns geraten, die Zwuckelina noch heute einem Arzt vorzustellen und in diesem zarten Alter beim leisesten Zweifel auf keinen Fall über die Nacht zu warten.

Wir ordern also die Oma zur Nachtwache beim Knirps und fahren in die Kinderklinik. Auf der Fahrt plappere ich dem Mann eine Blase ans Ohr, weil ich vor Nervosität den Mund nicht halten kann, und drücke uns selbst die Daumen, dass wir auch gemeinsam wieder zurückfahren dürfen. Dann schließlich Anmeldung, warten, warten, dank Mini-Baby-Bonus doch nicht ganz so lange warten, und seltsame Erleichterung, dass die Aufnahmeschwester die Einziehungen ebenfalls sieht und ich mir nichts eingebildet habe. Dafür ist die Sauerstoffsättigung gut und der sonstige Zustand ebenfalls. Noch mehr warten. Bitterlich weinende andere kranke Kinder ausblenden (darin bin ich richtig schlecht. Die armen Kleinen!). Die Ärztin schließlich nimmt sich viel Zeit, ist bei manchem nicht ganz sicher, gibt aber am Ende Entwarnung (und die Einziehungen sind mittlerweile verschwunden). Viel Schnupfenschleim, aber Lunge in Ordnung, Allgemeinzustand gut. Wir werden mit dem Auftrag nach Hause entlassen, die erkältete Zwuckelina bei jedem Stillen gründlich anzuschauen und bei der kleinsten Verschlechterung (Blässe, Fieber, wieder veränderte Atmung) wieder zu kommen. (Und das Herzgeräusch, das die Ärztin entdeckt hat und jetzt im Arztbrief zur Überprüfung steht, das ignorieren wir erst mal und hoffen auf baldige Entwarnung.)

Die Steine, die mir vor Erleichterung vom Herzen geplumpst sind, haben wir über den ganzen Heimweg verteilt. Idiotischerweise kommt aber dann sofort das schlechte Gewissen hinterher. Da habe ich nun die Pferde umsonst scheu gemacht, die Oma aus dem Bett telefoniert, die Notaufnahme belagert, den Mann schlaflos zur Arbeit geschickt und am Ende habe ich doch immer noch nur ein Schnupfenbaby. Klar, zum Glück. Da helfen auch die verbalen Kopftätscheleien von Ärztin und Krankenschwester nicht viel, die uns versicherten, dass wir alles genau richtig gemacht hätten und in ähnlichen Fällen auf jeden Fall wieder kommen sollten.

Wir haben also am Ende noch mehr oder weniger Schlaf von 3 bis 6 Uhr bekommen. Die Kinder schlafen natürlich nicht friedlich aus, sondern der Knirps wacht mit dem Wecker des Mannes auf, weint zunächst bitterlich, weil Papa jetzt nicht Kaufladen spielen kann, weckt damit das Zwuckelmädchen und mich und lässt den Morgen mit gespannten Nerven beginnen. Die überraschend auf dem Sofa vorgefundene Oma kann seine Laune dann beträchtlich heben. Meine Laune dagegen sinkt gewaltig, als die Zwuckelina kurz nach 7 mal wieder am Schleim würgt und sich kurz darauf im hohen Bogen über sich, mich und die Tragehilfe erbricht. (So groß kann ihr Magen eigentlich gar nicht sein, wo kam das Zeug her?)

Immerhin: danach läuft alles nach Plan. Wir frühstücken gemütlich zusammen mit der Oma. Die Zwuckelina verschläft den Rest des Morgens im Tragetuch und auf meinem Arm. Der Knirps ist nun tatsächlich blendend gelaunt, jammert nicht eine einzige Sekunde (was zur Zeit eher ungewöhnlich ist) und spielt den Rest des Vormittags mit mir friedlich Duplo und Spielküche. Er hilft mir beim Tisch abräumen, damit ich nicht mit dem Zwuckelmädchen in den Kühlschrank kriechen muss und singt dem Schwesterchen beim Wickeln seine Lieblingshits von den Wise Guys vor, was sie mit Lächeln und Gurren beantwortet (ich sag’s euch doch. Geschwister!). Und als der Mann kommt, liegt der Knirps zwar noch nicht ganz zum Mittagsschlaf im Bett, aber wir sind alle früher als an vielen anderen Tagen angezogen, satt und sauber und überhaupt ziemlich gut drauf, abgesehen davon, dass mir vor Müdigkeit fast das schnupfenröchelnde Baby vom Arm fällt.

Ganz schlecht war der erste Probelauf also nicht. Wir versuchen das dann nächsten Samstag nochmal, nur vielleicht ohne nächtliche Kinderklinik und solche Spässe. Wobei, was sollte ich denn dann hier schreiben?

2 Kommentare

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2 Antworten zu Alleinpremiere

  1. Oh mann. Was für eine Nacht! Das mit der Klinik habt Ihr gut gemacht.
    Gute Besserung der Zwuckelina !!

  2. hallo frau schussel,
    ich entdecke witzige parallelen. meine beiden sind auch genau 2 jahre und 8 monate auseinander (juli 08 / märz 11). ich habe auch ein “pärchen”, nur dass es DIE große und DER kleine sind. und mein kleiner hatte mit wenigen wochen auch schon zwei bis drei schnupfen, im moment gerade den gefühlt siebenundzwanzigsten.
    übrigens kann ich nun, nach 8 monaten zweifachmamaerfahrung, sagen, dass es mittlerweile total easy ist mit beiden kindern. alleine sogar oft besser als wenn der papa da ist, was aber an der großen liegt, die uns gerne mal gegeneinander ausspielt und genau weiß, welche knöpfe sie drücken muss …
    alles liebe
    anette

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