Hilfsbereit

Nach den letzten Wochen Familienkrankenlager hier war es heute direkt angenehm, dass der Knirps ganz unbedingt nach draußen wollte. Neue Gummistiefel ausprobieren. Wir haben uns also zuerst zwei Stunden auf dem Spielplatz vergnügt, der Knirps in Matschsachen im Sand, das Zwuckelchen meist schlummernd und gelegentlich stillend in der Manduca eingepackt. Soweit alle glücklich.

Auf der Schlußrunde durch den Park allerdings sind wir einem Hund begegnet. Das reicht zur Zeit als Auslöser für mittelgroße Panikanfälle beim Knirps, Hunde, Katzen, auch Tauben und Spatzen, alles endet in kopflosem Kreischen und Weinen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Und der Hund war auch noch ohne Leine, also: großes Problem.

Da liegt also nun der heulende Knirps im matschigen Märzgras, ich bekomme neben ihm langsam feuchte Knie und er besteht auf dem abwesenden Papa zur Beruhigung. Er wälzt sich weiter, ich würde liebend gerne einfach nach Hause verschwinden und kann ihn wegen Tragezwuckel nicht mal einfach aufheben. Genau dann kommen zwei schwarze Frauen vorbei, die eine ein Kind nur knapp unter Knirpsalter mit dieser bewundernswerten afrikanischen Bindeweise im Tuch auf den Rücken gebunden, die andere schiebt den deshalb kinderleeren, aber mit Einkäufen vollbepackten Kinderwagen.

Sonst werden Eltern mit wütenden, am Boden liegenden Kleinkindern ja von Passanten bestenfalls mit verständnisvollem Lächeln bedacht, schlimmstenfalls mit Kopfschütteln. Die beiden Damen dagegen sprachen mich in gebrochenem Deutsch an, zuerst dachte ich, sie würden mich nach dem Weg fragen, dann haben sie wieder untereinander diskutiert, sich dann aber nochmal an mich gewendet. Und was wollten sie? Sie boten mir fröhlich an, den Knirps in ihrem Kinderwagen mitzuschieben. Weil sie annahmen, er würde einfach nicht mehr laufen wollen. Ich habe dann kurz die Situation mit dem Hund etc. erläutert, was freundliches Lachen und Nicken verursachte, bevor sie sich verabschiedeten.

Mal ehrlich. Ich bin hochbegeistert. Wildfremde Menschen, und bieten einfach ganz praktische Hilfe in so einer doch irgendwie klassischen Situation. Wäre das nicht schön, wenn’s immer so wäre?

(Und note to self: öfter selbst Hilfe dieser Art anbieten. Wird mich schon keiner auffressen.)

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5 Gedanken zu “Hilfsbereit

  1. SKL (@FrauPiep)

    Ja, es gibt noch Menschen, die einfach helfen, ohne Hintergedanken oder Erwartung einer etwaigen Vergütung. Ich habe das vor allem im letzten Jahr öfter erlebt (erleben dürfen) und bin selbst einer dieser Menschen, die handeln wenn es Not tut, statt vorbeizugehen, auch bei “Kleinigkeiten”.

    Schade, dass es immer seltener wird…

    Antwort
  2. 3 ist das neue 2

    Hmm… Ich bin da ja das andere Exemplar.
    Meine 3jährige Tochter hat zur Zeit die unfassbarsten Wutausbrüche, die man sich vorstellen kann. Total unkontrolliert. Und ich werde – innerlich – rasend, wenn dann Leute ankommen und meinen, sie müssen eingreifen.

    Wobei… Ich merke gerade den Unterschied.
    In dem Fall wurdest du angesprochen. Bei mir wenden sie sich ja direkt ans Kind. Das arme Kind. Und dann greifen sie sie an, weil sie sie trösten oder aufheben wollen. Was die Tochter komplett austicken lässt. Ich sage eh schon “bitte, lassen Sie das Kind in Ruhe”, aber nein, sie wissen es besser. (Es kommen gerade wieder die Aggressionen gegen die eine Oma beim Kinderturnen hoch, die meinte, ich bin ja mit zwei Kindern überfordert und ich soll ihr doch eines geben. Wenn sie schon nicht der Kleinen helfen kann, soll ich doch den – total friedlichen – Sohn aus dem Ergo raus geben, damit sie sich um ihn kümmern kann.)
    Also. Ja, Hilfe anbieten wäre vielleicht schön. Aber bitte vorher mit der Mutter reden.

    Antwort
    1. Schussel Autor des Beitrages

      Ja, genau, da gibt es feine, aber wichtige Unterschiede in der Hilfe.

      Was du beschreibst, ist ja eher schon grenzüberschreitend. Sie wollen irgendwas mit dem Kind machen, weil (könnte man so auffassen) Du die Situation nicht “im Griff hast”. Das fände ich auch unmöglich und nein, will ich nicht.

      Aber die beiden, die waren wirklich nett, die wollten sich nicht einmischen, die boten mir einfach nur (fragend) den Platz im Kinderwagen an, damit ich ihn eben nicht heimschleppen muss. Und das fand ich klasse. Pragmatisch und ohne Wertung.

      Antwort
  3. Mamachaos

    Da sollte man sich öfter ein Beispiel nehmen, ich selbst bin da eher auch zurückhaltend.
    Ich finde es schön ab und zu einen positiven Beitrag zum Thema “Völkerverständigung” zu lesen. Die Medien werden ja leider von negativen Nachrichten beherrscht. Finde ich immer sehr schade.
    Danke fürs Teilen

    Antwort

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