Archiv der Kategorie: Knirpsiges

Tagebuchbloggen. Dienstag.

Eigentlich dachte ich zunächst, der Montag würde als exemplarischer Kindertag ausreichen, andererseits: wenn schon belanglos bloggen, dann so richtig. Also heute wieder.

Dienstag ist mein zweiter Zuhausetag mit den Kindern. Also im Grunde alles wie Montag, nur manchmal ein bisschen anders.

Heute beispielsweise war der Mann nicht schon weg, als wir aufstanden, weil er verschlafen hatte. Der Knirps bettelte um Aufstehen, was ich erst mit einem Hinweis auf tiefste Nacht abwehren wollte, dann aber zugeben musste, dass wir 5 min vor Weckerklingeln waren. Er war dennoch gut gelaunt, aber nicht ganz so blendend wie gestern und etwas mehr in Trödelverfassung. Dennoch: ein recht entspannter Morgen für alle. Viertel nach 8 aus dem Haus, Zwuckel (“HopHop!”) auf den Rücken gepackt und uns zum Kindergarten aufgemacht. Dass heute der Mann die übertragbare Monatskarte hatte, ich prompt das Stempeln vergaß und damit schwarz fuhr, fiel mir erst später auf. Glück gehabt.

Von dort ging es auf direktem Weg zurück, diesmal mit Tragezwuckel, weil offensichtlich müde. Kaum daheim, schlummerte sie weg – wie üblich beim Stillen – und ich übermütiges Ding startete einen weiteren Ablegeversuch. Erfolgreich. 1,5 Stunden im Bett. Da tut sich was beim Schlafen zur Zeit. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Meine freie Zeit? Spülmaschine, PC, getwittert, Tagebuchblogger und sehr traurige Blogs gelesen. Was sind schon 90 Minuten. Zum Mittagessen ein paar kleine Kartoffeln mit ordentlich Öl und Rosmarin in die Pfanne geworfen, Gurkenstücke zum Knabbern dazu. Festgestellt, dass hungrige 1-jährige wirklich unbeirrbar immer wieder die nicht-mehr-zu-heiße-aber-doch-noch-sehr-warme Kartoffel in den Mund stecken, aber selbst beim fünften erschrockenen Ausspucken nichts dazu lernen.

Davor und danach außerdem, man verzeihe mir die fehlenden Minutenangaben: mit Zwuckel Klavier geklimpert; zweimal Weihnachten im Stall vorgelesen (“Beeebi! Bebi! Tuuuh!”); beide Kloschüsseln mit Zitronensäure entkalkt (das Münchner Wasser sorgt zwangsläufig für enormen Säureverbrauch); geblödelt, viel; verliehene und zurückerhaltene Babywäsche sortiert und kurzzeitig geärgert, weil da tatsächlich Oberteile mit verkrusteten Breiresten dabei waren; den Plastikmüllbehälter wieder eingeräumt, den Zwuckel ausgeräumt hatte, die währenddessen aber die Handschuhkisten im Flur auskippte, die ich dann wieder einräumte, während sie alle Plastikteller und restliche Senseo-Kaffeepads im Wohnzimmer verteilte, etc.pp.; diverse Tassen Espresso getrunken; lustlos Dinge in der Küche von rechts nach links geschoben; die Glastür zum Wohnzimmer mit Zwuckel geputzt, ich auf der einen Seite, sie mit geschätzten drei Metern selbstabgerollter Küchenrolle (ichbinganzentspannt) auf der anderen; vergessen, was ich sonst noch gemacht habe. Wie gestern eben, nur anders.

Wieder kurz nach 2 zum Knirpsabholen aufgebrochen. Ich war fest davon überzeugt, gestern wie heute zur selben Zeit losgegangen zu sein, aber gestern war ich 20 min zu früh, heute kam ich gerade so zwei Minuten vor Kindergartenschluss noch an. Neue Kochdienste für die nächsten Wochen eingetragen. Dem Knirps einen Laugenzopf gekauft (Kindergarten macht so schrecklich hungrig). Immer noch müdes Tragezwuckelchen erfolgreich auf dem Rücken behalten, so dass wir schon nach fast rekordverdächtigen 45 min zuhause waren, und das inklusive Baggerbestaunen. Wie schon die letzten Tage ist der Knirps direkt ins Bett gewandert und fast auf der Stelle alleine eingeschlafen. Seit er neulich krank war, Grippe oder sowas ähnliches, eine Woche lang hoch Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen, seither jedenfalls ist er eigentlich dauernd müde. Mir geht es ganz ähnlich, daher großes Verständnis.

Wir dödeln irgendwas vor uns hin, bis wieder kurz nach halb 6 der Mann nach Hause kommt. Wieder Küche fertig machen, Pellkartoffeln aufsetzen, Fisch in den Ofen schieben, Karottensalat durch die neue und schon heißgeliebte Küchenmaschine jagen. Pünktlich zum Abendessen (wir wissen ja: wenn er aufwacht, dann nach recht genau drei Stunden) wird der Knirps gegen 7 wach. Wieder schlecht gelaunt. Liegt vielleicht an der Dauermüdigkeit zur Zeit. Oder ihn drückt sonst irgendwo der Schuh. Jedenfalls zwei astreine Riesenwutanfälle, noch bevor er zu essen beginnt, es ging, glaube ich, um falsche Becher und zerfallende Fischstücke und falsche Sitzplätze. Man weiß es nicht so genau, weil es natürlich um diese Sachen eigentlich überhaupt nicht geht. Irgendwann (man lese: nach einer guten halben Stunde) beruhigt er sich und erzählt auf vorsichtige Nachfrage vom Kindertheater, das sie letzte Woche mit dem Kindergarten besucht hatten, von Figuren, die ihm womöglich etwas Angst gemacht hatten, aber nur ein bisschen. Vielleicht war es das. Vielleicht auch was anderes, da gäbe es die ein oder andere Option zur Zeit. Wir werden das wohl die nächsten Tage erleben.

Nach dem Essen fällt Zwuckel müde mehr oder weniger in meinem Arm um, der Knirps trödelt noch ein wenig vor sich hin, wird bettfertig gemacht, bekommt Pippi vorgelesen, alles wie gestern. Einschlafen kann er heute aber nicht so einfach, also geht der Mann irgendwann raus und lässt die Tür halb offen. Auch das ist eine recht neue Errungenschaft hier, kam von alleine, kommt immer öfter: abends alleine einschlafen können. (Ich denke, er schläft jetzt, zumindest hören wir nichts mehr von ihm.) Wir beide sitzen noch mit Armschlafzwuckel im Wohnzimmer, der Mann kruschtelte erst irgendetwas, übernahm dann Zwuckel, las noch, ich schrieb hier, nein, ich schreibe noch, er schläft da hinter mir fast ein und deshalb: gute Nacht. Dienstag vorbei.

Tagebuchbloggen. Montag.

Die Frau Brüllen hat gefragt , was wir denn eigentlich so den ganzen Tag machen. Da dachte ich, das wäre der perfekte Anlaß, um so zu tun, als wäre nichts gewesen und sich unauffällig einzureihen. (Blogpause? wer? wo?) Muss man ja nur beschreiben, wenig denken, nichts kreatives oder hochintellektuelles, da lässt sich ganz gut ausprobieren, ob meine alten Blogfinger vor lauter Rost schon knarzen.

Also. Was mache ich den ganzen Tag?

Montag ist für mich Kindertag. Wenn unser Wecker um 6:45 klingelt, dann ist der Mann schon längst zur Arbeit verschwunden. Im Idealfall ist dabei keiner aufgewacht. Heute ist ideal. Der Knirps kuschelt sich müde an mich, während ich nicht minder müde zweimal die Snooze-Taste drücke. Zwuckel schnarcht tief und fest, also lasse ich sie liegen und kann mich ganz dem großen widmen – das passiert selten genug. Der wiederum ist offenbar ausgeschlafen und gut gelaunt, zumindest springt er alleine in Richtung Klo, statt nach Begleitung zu jammern. Ein guter Start.

Es ist also kurz nach 7. Mein mittelperfektionistischer Mann hat wie immer am Vorabend den Kindern Kleidermännchen auf dem Sofa parat gelegt und den Frühstückstisch vorgedeckt. Wir müssen uns also nur noch setzen und anfangen. Die blendende Knirpslaune besteht weiterhin, was keineswegs selbstverständlich ist; an manchen Montagen könnte ich zu dieser Zeit schon vom dritten Wutanfall berichten. Oder von sich kratzenden Geschwistern. Aber nein, heute alles friedlich, er schmiert sich also sein Honigbrot selbst, die Milchmenge im Becher ist die richtige und wir beide frühstücken gemütlich vor uns hin. Bis Zwuckel aus dem Schlafzimmer ruft. Mittlerweile ist es halb 8 und wir sind alle drei im Schlafanzug. Während also auch Zwuckel ihr Brot knabbert, zieht der Knirps sich an. Alleine und ziemlich schnell, er meint zwar, er würde einen Anziehwettbewerb mit mir veranstalten, achtet aber dabei nicht mal auf meine Teilnahme. Die gute Laune heute, ich wiederhole mich, an anderen Tagen… Eigentlich wollte ich morgens noch schnell die Spülmaschine erledigen, sprich, die dreckigen Geschirrberge vom Vorabend beseitigen, aber ohne Aufsicht springt mir Kamikazezwuckel gern mal seitlich vom Stuhl, also wird das verschoben. Der Knirps verwundert erfreut mich weiter, indem er unaufgefordert schon mal Zähne vorputzen geht. Alleine. Am Ende jedenfalls schaffen wir es alle um 20 nach 8 aus dem Haus, vollständig angezogen, gewaschen und mit sauberen Zähnen und mit nur einmal umdrehen, weil ich von außen das zum Lüften offene Schlafzimmerfenster sehe.

Unser täglicher Weg zum Kindergarten besteht aus 25 min Fußweg, 1 Station U-Bahn und nochmal 15 min Fußweg. Ohne Kinder kann man von beiden Fußwegen gute 10 min abziehen. Mit selbstlaufendem Zwuckel kann man auf beide Fußwege gute 20 min dazurechnen. Das zusammen mit der Tatsache, dass wir gegen 9 im Kindergarten sein sollten, ist der Grund, wieso ich sie jetzt nicht wie erwünscht laufen lasse, sondern auf den Rücken packe. Kleiner, empört schimpfender 11kg-Rucksack (“auch! auch!”).

Um kurz vor 9 lassse ich mich wie fast immer von einem freudestrahlenden Knirps aus der Kindergartentür schubsen. (Kleines, feines Abschiedsritual. Und übrigens: es wurde dann doch noch der Traumkindergarten. Aber das ist eine andere Geschichte.) Zwuckel wäre lieber ebenfalls geblieben (“auch! auch!”), erinnert sich aber sofort dann daran, dass ich ihr vorher “selberlaufen” versprochen hatte und nimmt das sehr wörtlich, inkl. kleinem Fußstampfwutanfall, weil sie über die Straße nicht ohne meine Hand darf und schlußendlich doch getragen wird. Wir kaufen im Supermarkt, der so praktisch vor dem Kindergarten liegt, die Kleinigkeiten ein, die beim Samstagseinkauf vergessen wurden/unerwartet schnell verbraucht wurden/aus anderen Gründen fehlen. Butter, Sahne, etwas Gemüse und Schokolade. Dann stapft Zwuckel stolz voran, während ich versuche, sie von Straßenrändern und Fahrradwegen fernzuhalten. Unterwegs bestaunen wir eine Kanalreinigung, glatte 5 Minuten lang, einen Bagger, diverse Steine, Streusplit und Stöcke und einen dicken Begrenzungsstein, der sie als Sitzgelegenheit so sehr fasziniert, dass sie noch siebenmal wieder zurücklaufen und sich noch einmal hinsetzen muss. Aber wir haben ja Zeit und zuhause wäre es nicht wirklich einfacher, sie zu beschäftigen, wir hätten nur weniger Frischluft. Dann wieder U-Bahn, für den letzten Wegteil aus purer Faulheit Bus, und wir sind viertel nach 10 wieder daheim.

Wenn ich mit nur einem Kind – also meist: mit Zwuckel – alleine daheim bin, plätschert alles so dahin. Ich räume hier ein bisschen den Tisch ab und wische dort kurz das Waschbecken, das ich beim Badputz vergessen hatte, denke mir Beschäftigungen für Zwuckel aus und trinke aus von ihr gereichten Bechern imaginäre Getränke, klappere schnell am PC die Kleinanzeigen nach einem Kinderfahrrad ab, stille zwischendurch gelegentlich, trage Dinge von hier nach da und vergesse, was ich da wollte, trage die Dinge also wieder zurück, wo mir einfällt, was ich da wollte, lese dem Kind ein Buch vor bzw. lasse mir die Katzen darin ausführlich vorführen, ignoriere die Geschirrberge weiter stur, twittere ab und zu einen Satz, fege unter dem Eßtisch zusammen, mache mir einen Espresso (mit Zucker und Sonnentor-Kaffeegewürz), setze Zwuckel die Frühstücksreste von vorhin zusammen mit einer Handvoll Trauben zum zweiten Frühstück vor, versuche mich an der Spülmaschine, lasse das sofort wieder sein, weil Zwuckel dabei unbedingt die Messer und Teller durch die Gegend tragen will, trinke noch einen Espresso, sammle Altpapier zusammen. So etwa. An anderen Tagen wische ich vielleicht kein Waschbecken, sondern falte dafür Wäsche. Oder wasche welche. Oder ignoriere die Geschirrberge nicht, sondern putze die Küche. Oder schreibe eine Mail, weil Zwuckel gefühlte Ewigkeiten alleine vor dem Bücherregal sitzt. Oder spiele fast ausschließlich mit Zwuckel, weil sie sonst jammernd an meinem Hosenbein hängt. Aber so grob: immer dasselbe. Und es gefällt mir so.

Gegen 12 frage ich das Nichtmehrbaby mehr aus rhetorischen Gründen, ob wir nun kochen sollen, was sie mit einem gar jämmerlichen “Jaaaa. Ditte!” beantwortet, aber ich verspreche: wir haben das arme Kind halbwegs regelmäßig gefüttert. Es gibt Tiefkühl-Buttergemüse und Reis, schnell und einfach für uns zwei, Zwuckel sitzt stolz auf dem TripTrap des nicht anwesenden Bruders. Satt und zufrieden schläft sie dann beim Stillen ein, lässt dabei alles so sehr hängen, dass ich einen Ablegeversuch wage und – tadaaa – erfolgreich bin. Sie schläft im Bett weiter. Auch das nicht selbstverständlich in den vergangenen 17 Monaten. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Die freien Arme nutze ich jetzt nicht etwa für die Geschirrberge. Oh nein, was wäre das für eine Verschwendung! Kinderschlaf ist Freizeit und Nervennahrung. Zumindest erstmal. Man muss ja Prioritäten setzen. Also PC und der dritte Espresso für mich. Leider heute keine Schlafwunder, nach 30 Minuten ist der Spaß für mich vorbei und sie müde, aber wieder hellwach. Wir wiederholen also die Beschäftigungen von oben, ich widme mich seufzend doch den Geschirrbergen, gebe dem schon wieder hungrigen Kind noch mehr zu essen und ziemlich kurz darauf ist es plötzlich 14 Uhr, so dass wir den Knirps holen müssen.

Zwuckel ist wieder ähnlich empört wie morgens, dass sie nicht selbst laufen oder auf dem Spielplatz hinter dem Haus halt machen darf. Ich kann ihre Empörung verstehen und ärgere mich ein wenig, dass wir nicht 30 min früher, dafür aber entspannter von zuhause losgegangen sind. Hilft aber nix, sie wird also in den Buggy verfrachtet und mit einem sehr großen Stock zum wild wedeln vorübergehend ruhiggestellt. Aus unklaren Gründen sind wir dann sagenhafte 20 min zu früh am Kindergarten, besorgen noch zwei Brezen für die immer hungrigen Kinder, helfen kurz beim Blätterfegen vor der Türe, lesen von Wünschen nach ausgeblasenen Eiern und machen uns dann auf den Heimweg. Zwuckel wieder zu Fuß, zeitweise beim Bruder an der Hand gehalten, was sie von mir überhaupt nicht akzeptiert, einer dieser seltenen “oooooch, Geschwister”-Momente, genauso wie dann, als sie ihm auch den wichtigen Sitzstein vorführt und beide dort längere Zeit nebeneinander einfach nur sitzen müssen. Irgendwann allerdings wird der Knirps dann doch ungeduldig und müde, oder vermutlich eher umgekehrt, also muss das Zwuckellaufexperiment nach einer halben Stunde leider schon wieder beendet werden. Aber was ich nicht darf, darf der Knirps, nämlich: sie ohne Widerstand in den Buggy setzen und anschnallen. Er ist zur Zeit der Zwuckel-Joker. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Kurz nach 16 Uhr, wir sind zuhause. Die knirpssche Selbständigkeit scheitert jetzt an Müdigkeit, er will ausgezogen werden wie die Schwester, schnappt sich das neue Pferdebuch vom Flohmarkt und kriecht auf direktem Wege ins Bett. Irgendwann will er die Tür geschlossen haben, damit Zwuckel ihn nicht mehr ständig nervt (“auch! auch!”), dreht sich um und schläft ein, es ist kurz vor 5. Das ist hier übrigens keine Seltenheit, an 2-3 von 7 Tagen schafft er es nicht ohne Mittagsschlaf. Andere Geschichte, schon wieder. Knirps schläft also, Zwuckel ist dank zu kurzem Mittagsschlaf und drückenden Eckzähnen eher beschäftigungs- und zuneigungsbedürftig, ich prüfe den Kühlschrank auf Essbares. Espresso Nummer vier. Irgendwann, vielleicht 17:30, kommt der Mann nach Hause, wird sofort von Zwuckel belagert und wir reden nebenbei über alltägliches. Ohne Kind am Fuß sind jetzt auch die restlichen Kleinigkeiten in Küche und Eßbereich schnell erledigt. Oder zumindest schneller. Ich entscheide mich für Nudeln mit Lachs-Lauchzwiebel-Sauce, schnelles Geschnipsele, schnell kochen. Der Knirps wird gegen halb 8 zum Abendessen geweckt, auch wenn er an manchen Tagen durchschläft oder durchschlafen würde, aber dann wacht er gegen vier mit Hunger auf, und vier Uhr morgens ist eine wirklich unfreundliche Zeit. Geweckte Knirpse sind abends sehr unwirsche Knirpse, übrigens. Lachs mag er nicht, oder jetzt doch, oder jetzt doch nicht, deshalb will er nichts auf seine Nudeln, nur Käse, aber nicht dieses Wasserglas, sondern das kleine, aber er will bei Papa sitzen, und doch lieber Milch trinken, und wieder schlafen, und überhaupt ist das alles doof. Wir machen das beste aus dem Abendessen, Zwuckel findet die Sauce offenbar gut und will mehr und mehr, bis ihr einfällt, dass auch sie ziemlich müde ist und deshalb jetzt! sofort! auf der Stelle! aus dem Hochstuhl muss. Mit etwas Hartnäckigkeit essen wir Erwachsene beide fertig. Muss so.

Anschließend machen wir beide Kinder bettfertig. Meist übernimmt der Mann das, den Knirpsteil wegen großer Knirps-Papa-Liebe immer, Zwuckel meistens, denn was der Bruder macht, will sie auch. Mit dem neu bestellten Pippi-Langstrumpf-Buch verschwinden die Männer um halb 9 ins Schlafzimmer, wo der Knirps noch eine Geschichte vorgelesen bekommt und dann problemlos wegschlummert. Zwuckel wird jeden Abend instantan von Müdigkeit überfallen, sobald der Knirps den Raum verlässt, und schläft ebenso schnell beim Einschlafstillen am PC ein, wo ich mich durch Nachrichten, Blogs und Twittertimeline lese. Gegen 21 Uhr kommt der Mann heute vom Einschlafbegleiten zurück. Armschlafzwuckel wird den restlichen Abend je nach Bedarf zwischen uns hin und her gereicht, und wenn wir ganz mutig sind, versuchen wir, sie ins Bett zu legen, was selten von Erfolg gekrönt ist, deshalb lassen wir das heute. Der Mann sitzt mit Tablet auf dem Sofa, ich am PC drei Meter weiter, wir reden ab und zu, die Spülmaschine ist gleich durch, und mir fällt schließlich ein, dass ich bloggen könnte. Der Mann geht mit Zwuckel schon mal vor Richtung Bett, ich kündige an, dass ich auch gleich nachkomme.

Und dann war plötzlich 23:29. Montag vorbei. Gute Nacht.

(Morgen nochmal belangloser Kindertag, aber vielleicht erzähle ich ja dann übermorgen, wie meine Arbeitstage aussehen. Vielleicht.)

Nachgeholt

Knirps: 3 Jahre, 28 Tage

Zwuckel: 4 Monate, 26 Tage

2011 war der Knirps nicht ein einziges Mal krank. Ganz egal, wie oft er zum Spielen nackt auf dem kalten Küchenboden lag (Kleidung ist doof, meint er), egal, wie oft wir uns meist unabsichtlich mit anderen kranken Kindern getroffen hatten (zuhause bleiben ist doof, meinen wir alle), egal, wie oft er im Winter ohne Mütze oder gar ohne Jacke nach draußen wollte (Winterkleider sind doof, meinen der Knirps und ich). Maximal hat er ein wenig geschnupft. Vielleicht sogar mal gehustet, das weiss ich nicht mehr so genau. Jedenfalls gab es über 15 Monate lang keine Medikamente, Fieber, Schmerzen oder Kinderarztbesuche. Durchaus angenehm. Der Mann hat übrigens in der Zeit so ziemlich jede Erkrankung mitgenommen, die uns über den Weg lief.

Irgendwann muss so eine Glückssträhne ja vorbei sein. Hier hat sie vor vier Wochen geendet. Ich schiebe die Schuld entweder auf den (gesunden) Besuch in der Kinderarztpraxis für die beiden Vorsorgeuntersuchungen oder auf die vielen Kindergeburtstage, zu denen der Knirps im Februar eingeladen war. Irgendjemand muss ja schuld sein.

Es begann mit einer fiebrigen Erkältung beim Knirps und mir. Wir mussten erst mal das Thermometer suchen, Fiebermedikamente waren ebenfalls abgelaufen. Die Erkältung war noch nicht durch, da fing sein Auge an zu schmieren. Blühende eitrige Bindehautentzündung auf beiden Augen, die verordnete Augensalbe ließ er sich zu meinem riesigen Erstaunen vier mal täglich ohne einen Mucks verabreichen. Drei Tage später durfte ich dann auch salben. Parallel fingen wir an, wieder ordentlich zu husten. Der Mann übrigens immer noch gesund, das Zwuckelchen zum Glück auch. Nächster Fieberinfekt, alles nicht tragisch, nur mittlerweile etwas nervig. Augen und Husten sorgten für die ersten Arztbesuche.

Dann kamen Halsschmerzen auf meiner Seite. Solche aus der Hölle, mit Schluckbeschwerden und Wachliegen. Das kann eigentlich gar nicht mehr so weh tun, sprach der Arzt mit Blick auf meinen unroten Hals (wie ich solche Sätze liebe!) und tippte wegen schlechter Blutwerte und Atemnot dazu auf Bronchitis. Einige Tage später verweigert der Knirps nach einer erneuten Fiebernacht jedes Essen außer kalter Milch und Joghurt und sagt, das würde alles brennen. Ein Blick in den Mund zeigte Aphten an den Lippen, Aphten in den Backen und Aphten am Gaumen. Ich weiß nur zu gut, wie sehr schon ein einzelnes Ding davon weh tun kann und ließ den Mann mehr kaltes Joghurt und Eis besorgen. Natürlich war Wochenende.

Zwei Tage später – wir werden mittlerweile in der Gemeinschaftspraxis von Allgemein- und Kinderarzt als alte Bekannte begrüßt – findet die Ärztin beim Knirps eine lehrbuchreife eitrige Mandelentzündung, wettet auf Streptokokken, hat das Penicilin-Rezept schon in der Hand, der Schnelltest sagt aber, keine Streptokokken. Ich darf praktischerweise wegen der anhaltenden Halsschmerzen auch gleich einen Rachenabstrich für’s Labor hinterlassen, der Arzt ist sich nach einem Blick in den Hals aber sicher, dass ich keine Streptokokken habe, und wir werden gewarnt, gleich wiederzukommen, falls auch das Zwuckelchen Krankheitsanzeichen zeigt. Das war Montag morgen.

Montag nachmittag hat das Zwuckelchen knapp 39 Grad Fieber und ich bin mal wieder amüsiert über das gut funktioniernde Mama-Hand-Thermometer, während der Mann meinte, die wäre doch gar nicht warm. Nach einigem Hin und Her und einem Anruf beim Arzttelefon sind wir vorsichtshalber in die Klinikambulanz gefahren, mit so kleinen Winzlingen und irgendwelchen unbekannten Erregern wollte ich nicht lange fackeln.

Kinderklinik ist ja jetzt grundsätzlich nicht so wundervoll, aber diese Klinik hat im Wartebereich immerhin ein Kinderkarussell stehen. Kein Spielplatzkarussell, sondern so ein kleines Rummelplatzteil, mit Pferdchen und Schwänen und Bären. Und das beste: ganz umsonst und mit einem An- und Aus-Knopf für die Kinder. 243 Karussellrunden und zweieinhalb Stunden später torkelt der müde Knirps nur noch so durch die Gegend, beim Zwuckelchen wird außer Fieber und mittlerweile leichtem Ausschlag nichts relevantes gefunden, also wird noch Urin verlangt. Nach gefühlten Stunden hat das Zwuckelbaby erfolgreich am aufgeklebten Urinbeutel vorbeigepieselt, die restlichen drei Mililiter werden getestet, während der Knirps auf dem Karussellpferd hängt und fast schläft. Um uns herum unfassbar viele Kinder, denen ein Elternteil die Brechschale hinhält, während das andere Elternteil ihnen rosa Elektrolytflüssigkeit mit dem Löffel einflößt. Die Herren Rota und Noro sind wohl in der Stadt, wir beten, dass dieser Kelch diese Kotzschüssel wenigstens an uns vorübergeht und lassen den Knirps dort drei mal gründlich die Hände waschen.

Das Urinergebnis ist dann schließlich schlecht, aber selbst die anwesende Ärztin hält den Blasenkatheter, den sie nun offiziell empfehlen muss, für etwas übertrieben und tippt auf verunreinigte Probe. Also alle ohne weiteren Befund zuhause. Am nächsten Morgen schafft es das Zwuckelchen übrigens, zwei weitere Urinbeutel nur von außen komplett nasszumachen und dabei einmal auch noch mich und sich selbst umziehreif einzupieseln, doch der Beutel bleibt leer. Die Nacht dagegen sprach sowieso gegen Harnwegsinfekt, denn sobald wir aus der Klinik zuhause waren, verweigerte die Zwuckelina das Stillen. Wobei Verweigern wohl der falsche Begriff ist: sie wollte trinken, versucht, lässt nach einem Schluck schreiend los und brüllt dann minutenlang. Nach einigen Stunden brüllte sie schon beim Anblick der Brust ohne Stillversuch, während wir mit mäßigem Erfolg versuchen, dem Fieberbaby gepumpte Milch mit dem Löffel einzuflößen. Wie ich schon hier und da erwähnte – seit dem Klinikaufenthalt mit dem Knirps reagiere ich auf hohes Fieber und Flüssigkeitsverweigerung leicht panisch. Nennen wir es mein persönliches kleines Kliniktrauma.

Morgens endlich die Idee, ihr Schmerzmittel zu geben, weil sie eben auch einfach unsere Halsschmerzen haben könnte, und tatsächlich: keine halbe Stunde nach dem Zäpfchen trinkt sie endlich, lang und gierig. So ging der Dienstag weiter; Vanillejoghurt für den Knirps, alle 8 Stunden Schmerzmittel für die Zwuckelina. Die stillt bis jetzt nur noch in den zwei Stunden nach dem Zäpfchen und mit allerlei Tricks, etwa in der Hängeschaukel. Meine Nerven leiden gewaltig unter der Angst, am Ende mit dem Zwuckelbaby doch am Flüssigkeitstropf zu landen und unter der Hilflosigkeit beim Schmerzgebrüll des Zwuckelchens, wenn die Wirkung des Schmerzmittels nachlässt. Vermutlich hat sie ihr ganzes Leben zusammengerechnet weniger geschrieen als in den letzten zwei Tagen.

Heute früh war dann zur Abwechslung mal der Mann beim Arzt. (Es geht uns so gut. Er hat spontan frei genommen und kümmert sich um den Knirps und andere Kleinigkeiten, während ich mich ganz darauf konzentrieren kann, dem Zwuckelchen Milch einzuflößen und eventuell mal selbst gesund zu werden.) Das Laborergebnis ist da und zeigt entgegen aller Erwartungen Streptokokken, der Knirps und ich bekommen nun Antibiotikum und hoffen endlich auf Besserung. Morgen darf das Zwuckelchen auch nochmal den Hals vorzeigen, denn es könnte ja sein….

Zugegeben, das war ganz schön viel Gejammer schon wieder für einen einzelnen Blogartikel. Aber dafür gehe ich jetzt optimistisch davon aus, dass unser Krankheits-Soll für dieses Jahr endgültig erfüllt ist und meine Leser für das restliche 2012 von Krankencontent verschont werden. Außerdem ist der Knirps meiner Meinung, dass ärztlich angeordnetes Vanilleeis gar nicht mal so übel ist, und wenn jetzt das Zwuckelchen noch wieder normal stillen würde, dann könnten wir endlich den Frühling genießen, uns fällt nämlich nach den letzten Wochen so ein bisschen die Decke auf den Kopf (oder mit Knirpsworten “bitte, bitte, Papa, ich will einfach nur einkaufen gehen!”). Draußen im Garten jedenfalls blühen Krokusse und die ersten Narzissen.

Und in diesem Sinne noch: gute Besserung an alle Mitkranken.

Kindergartenwahnsinn

Der Knirps ist 3 Jahre und 25 Tage alt.

Mittlerweile ist der Knirps 3 und soll irgendwann in diesem Jahr einen Kindergarten besuchen. Grundsätzlich hatten wir auch mal den vergangenen Herbst als Startzeitpunkt im Auge, doch das verwarfen wir spätestens, als die Zwuckelina sich angekündigt hatte. Eingewöhnung und Geschwisterchen wären dann in den gleichen Monat gefallen, was uns doch ziemlich ungünstig bis unmöglich schien. Ganz abgesehen von ein paar anderen praktischen Problemchen, aber dazu später.

Nun könnte man meinen, das sei alles ganz einfach. Kind anmelden, Bescheid kriegen, hingehen. Noch dazu, wo wir hier sage und schreibe fünf Kindergärten in Kleinkind-Geh-Reichweite haben. Vier davon sind erreichbar, ohne eine Straße zu überqueren. Traumhaft? Nicht so schnell.

Wir leben nämlich in einer Stadt, in der laut offizieller Statistiken zumindest in einigen Vierteln genug Kindergartenplätze vorhanden sein sollen, in der Realität aber diese Plätze begehrter sind als ein mittelgroßer Lottogewinn. Fragt nicht, wie das sein kann. Vermutlich braucht man dazu die höheren Weihen des Beamtendienstes und eine ordentliche Portion Schönrechnerei. Unser Stadtviertel beispielsweise hat auf dem Papier eine Abdeckung von 90% für über Dreijährige, (die Stadt behauptet, die übrigen 10% wollen gar nicht in den Kindergarten), aber so genau weiß das keiner. Im Nachbarviertel liegt die Abdeckung unter 70%, so dass schon jedes dritte Kind keinen Kindergartenplatz mit drei Jahren bekommt. Wenig hilfreich ist wohl auch, dass gleich nebenan vor zwei Jahren ein nettes Neubauviertel enstand, Zielgruppe junge Familien, mit Reihenhäusern und Spielplätzen und Familienrabatt, nur die Kindergärten dort, ja, die sind immer noch nicht fertig. Kannjamalpassieren.

Hier sieht das also so aus: man meldet sich bewirbt sich bei etwa einem Dutzend Kindergärten, erhält dann mit Glück ein bis zwei Zusagen, mit Pech gar keine und kommt auf die Warteliste, deren Einträge überraschend im September mitgeteilt bekommen, dass sie nun ab übermorgen doch einen Platz haben. Oder nicht. Von Freunden weiß ich, dass der Wahnsinn sofort ein Ende hat, sobald man das Stadtgebiet verlässt. In den Vororten kann man sich angeblich manchmal sogar aussuchen, welchen Kindergarten man denn gerne hätte. Aber da wohnen wir nicht.

(Wir sollen den Platz doch einklagen? Rechtsanspruch und sowas? Gute Idee. Es wird wohl auch schon auf Androhung solcher Schritte reagiert, nur gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz in der Nähe. Und bevor wir, wie es schon anderen Eltern in diesem Fall passiert sein soll, jeden Tag 3 Stunden Fahrzeit investieren, um einen mittelprächtigen Kindergarten exakt am anderen Ende der Stadt zu bekommen, in dem unser Kind mit dem Stempel “unbequeme Rechthaber” versehen ist, warten wir lieber auf Restplätze anderswo.)

Im vergangenen Frühjahr haben wir uns diverse Kindergärten am Tag der offenen Tür angesehen. Die ersten Kandidaten flogen gleich da aus dem Rennen. Ein Kindergarten, der bei den befreundeten Eltern im Viertel einen gar nicht so schlechten Ruf hat – solange man die eine Gruppe erwischt. Wer allerdings in die zweite Gruppe kommt und damit eine bestimmte Erzieherin vor sich hat, gibt wohl spätestens nach einem Jahr auf. Wir kennen keinen, der dort freiwillig geblieben ist; man erzählt von archaischen Bestrafungen und anderen Unschönheiten. Dann war da noch der Kindergarten, der uns ebenfalls ganz gut gefiel, bis die Erzieherin am Tag der offenen Tür so richtig offen aus dem Nähkästchen plauderte. Konzept? Ach, das kann man mit 25 Kindern in der Gruppe doch eh nicht durchziehen, das schreiben wir nur so hin. Und diese Eltern da neulich, wissen Sie, haha, die wollten von uns dies und jenes wissen, die haben wir dann einfach angelogen, das war uns zu blöd, können doch nicht bei all den Kindern den Überblick behalten. Machen wir immer so. Dann sind die Eltern beruhigt, verstehen Sie? Denen erzählen wir einfach, das Kind hätte was gegessen, ist doch eigentlich egal, etc.pp.. Und schwupp, rutschte dieser Kindergarten auf die “nur wenn’s nicht anders geht”-Liste. Eine Einordnung, die uns mittlerweile von Eltern bestätigt wurde, deren Kinder dort sind.

Die übrigen entsprachen zwar nicht meiner Traumvorstellung, aber da kann man sich eventuell mal bewerben und sehen, wie das alles im Alltag funktioniert. Vier Bewerbungen also in städtischen Einrichtungen. Unsere Chancen, dort genommen zu werden, sind aber minimal. Es gibt nämlich das Konzept der Dringlichkeitsstufen. Ganz dringlich sind Kinder, bei denen das Jugendamt der Ansicht ist, das Kind sollte eher ein paar Stunden weniger zuhause verbringen. Logisch. Dringlich sind auch Kinder von alleinerziehenden Elternteilen. Außerdem sind Kinder dringlich, die Sprachförderung benötigen, weil sie bisher keinen Kontakt mit der hiesigen Landessprache hatten. Und Kinder, bei denen beide Elternteile arbeiten und daher während der Arbeitszeiten betreut werden sollten. Dann gibt es noch dringliche Kinder in speziellen Situationen – vorübergehend kranke Eltern, beispielsweise. Ach, und Kinder, die wegen der knappen Platzsituation noch nie im Kindergarten waren und schon fünf sind.

Das Konzept ist natürlich völlig richtig und gut so. All diese Familien sind dringender auf einen Betreuungsplatz angewiesen als wir. So ganz subjektiv ist es für uns aber einfach beschissen unpraktisch. Wir sind deutschsprachig, werden auch ab Herbst wieder beide in Eltern-Teilzeit arbeiten, haben mit dem Jugendamt nichts zu tun und auch sonst kein Problem. Schön. Wirklich. Die Einrichtungen nehmen da auch kein Blatt vor den Mund, nein, da sieht es natürlich schlecht aus mit einem Platz dieses Jahr, er ist ja erst drei und wir haben nur 5 Plätze pro Gruppe zu vergeben… (und ihr seht jetzt auch, warum – siehe oben – ein Kindergartenstart mit unter drei Jahren nur rosa Traumschaum ist.)

Es bleiben private Einrichtungen. In den meisten Fällen sind das Elterninitiativen, die neben einem höheren finanziellen Beitrag auch nicht unwesentliches Engagement verlangen. Mal nur Putzdienste, mal regelmäßiges Kochen für alle, mal Springer für kranke Erzieher. Als Gegenleistung erhält man meist Mitspracherecht in verschiedenen Gebieten, einen besseren Betreuungsschlüssel, andere Konzepte, engere Kontakte und etwas mehr Einblick in den Ort, an dem das eigene Kind die nächsten Jahre verbringen wird. Das ganze steht und fällt also mit der funktionierenden Zusammenarbeit der Eltern.

Kein Wunder, dass die Bewerbungsverfahren dort etwas intensiver sind. Das ist noch untertrieben; zuletzt hatte ich so viel Aufwand wohl für die Bewerbung in meinem Job. Bewerbungsschreiben, Familienfotos, Vorstellungstage, Fragerunden, Hospitationstage. Wir sind in den letzten Wochen von hier nach da gerannt und haben versucht, uns so gut wie möglich zu verkaufen. Was uns die städtischen Plätze unwahrscheinlich macht, ist für die Initiativen eher positiv: Zeit für Engagement, weil immer einer zuhause ist. Sichere Jobs und damit verlässlich fließende Beiträge. Zwei Elternteile, die sich mit einbringen können. Man stellt sich im allerbesten Licht dar, fühlt sich dabei oft außerordentlich komisch und hofft auf den Wunschplatz.

In unserem Fall haben wir nun die erste Absage, warten noch auf einen Probetag in einem anderen Haus, auf den vermutlich negativen Bescheid von der Stadt und auf die endgültige Entscheidung im Wunschkindergarten. Ja, wir hoffen, ab Herbst alle drei Wochen kochen und putzen zu dürfen, alle drei Monate die Kindergartenwäsche zu waschen und Notdienste zu schieben, alle vier Wochen auf Elternabende zu pilgern und was sonst noch anfällt. Der Lohn wäre unser Traumkindergarten, mit drei netten Betreuern auf lächerliche 16 Kinder, unfassbar viel Platz drinnen und draußen, einem Konzept nach unserem Gusto und fahrradtauglicher Entfernung.

Drückt uns die Daumen.

Fast Drei

Knirps: 2 Jahre, 11 Monate, 30 Tage alt.

Etwa zwanzigmal täglich wurde uns in der vergangenen Woche die Frage gestellt: “Is jetzt mein Deburtstag?”, oder auch “Wie lang dauert es noch bis zu meinem Deburtstag?”, oder auch als Feststellung “Ich tann aber nicht mehr warten, bis mein Deburtstag ist!

Einen Tag noch. Dann ist der Knirps unfassbare 3 Jahre alt. Das bedeutet allerdings auch, dass er vor gerade mal einem Jahr noch ein klitzekleiner Einjähriger war; die Fotos bestätigen das. Winzig und kleinkindlich war er im Vergleich.

Die Geschenke sind besorgt. Das war gar nicht so einfach, denn Wünsche hat der große kleine Mann fast gar keine. Er wünscht sich nur seit Monaten schon einen Schokoladenkuchen zum Geburtstag – mit Schokolade auch oben drauf! – und seit neuestem auch noch einen Haken für die große Küche, zum was Dranhängen, so wie bei meiner kleinen Spielküche.

Den Kuchen kriegt er natürlich. Weil mir die besten Ideen immer kurz vor knapp kommen, werde ich mich auf gut Glück und freihand an einem Grüffelo-Kuchen versuchen – Schokoladenkuchen, eine Schokoladenganache für das Fell, Bananen für die Hörner und Zähne, getrocknete Aprikosen für die Augen… wir werden sehen. Vielleicht drucke ich mir ja auch noch ein bisschen Grüffelodekoration. (Leicht zu erraten, was nun seit über einem Jahr eines der absoluten Lieblingsbücher für den Knirps ist.)

Dazu gibt es eine Packung Baufix-Konstruktionsspielzeug (glücklicher Flohmarktfund), weil er ein wirklich begeisterter Baumeister ist. Noch wird er hauptsächlich planlos damit schrauben und nichts aufwendiges bauen, aber mit der Zeit ganz bestimmt. Und eine Plastik-Babypuppe. Jahaa! Er hat zwar eine wirklich schöne, von Oma handgenähte Puppe nach Waldorfart, mit der er auch sehr gerne spielt. Er zieht sie an, tröstet und füttert sie, nimmt sie manchmal mit ins Bett und trägt sie gelegentlich im Puppen-MeiTai durch die Gegend. Aber dennoch sind für ihn die Plastikpuppen etwas anderes. Im Mütterzentrum schleppt er diese Dinger begeistert mit sich herum und würde sie am liebsten mit nach Hause nehmen. Interessant auch sein Sprachgebrauch: die Stoffpuppe ist für ihn eine Puppe, die Plastikpuppen sind Babys. Ein Baby also für den Knirps. Wie oben schon, ich und die Last-Minute-Ideen: heute nachmittag habe ich der Puppe erstmal eine hübsche weiße Cordhose genäht und nur ein bisschen dabei geflucht, obwohl ich eigentlich gar nicht nähen kann, und heute nacht irgendwann sollte noch ein Shirt folgen, wenn der Kuchen fertig ist und die Wohnung aufgeräumt ist. Mehr Puppenkleidung dann doch eher nächste Woche.

Achja, und ein ordentlicher Stapel Geschenke von Großeltern, Urgroßeltern, Tanten, Onkels liegt da auch noch. Ich vergesse einfach für morgen, dass ich zur Vorbeugung von Geschenkefluten um “nur ein Geschenk pro Partei” gebeten habe und freue mich, dass so viele Leute ihm eine Freude machen wollen. Andersrum wäre schlimmer.

Ursprünglich hat der Knirps steif und fest behauptet, nur mit Oma und Opa feiern zu wollen. Keine Kinder? Keine Kinder. Auch nicht auf konkrete Nachfrage. Und wir wollten ihm keine Kinderparty aufdrücken, die er nicht will, dafür wird in den nächsten Jahren noch genug Zeit sein. Allerdings können sich solche Meinungen mit knapp drei auch mal über Nacht ändern. Glücklicherweise haben wir noch einmal beiläufig nachgefragt, denn seither müssen ganz unbedingt zwei Spielgruppen- bzw. Spielplatzfreunde zum feiern kommen. Wird gemacht, ganz ohne Programm, einfach nur mit Kuchen und Obstspießen und dem Kinderzimmer. Fast hätte es allerdings noch ein kleines Drama gegeben, weil einer der beiden Eingeladenen wieder abgesagt hat. Viele dicke Knirpstränen und ein Telefonat später ist geklärt: der Freund kommt doch und wir halten uns vom kranken fast schon wieder gesunden kleinen Geschwisterchen einfach ein wenig entfernt.

Jetzt liegt er schon im Bett, das kleine Fast-Geburtstagskind, und wir starten jetzt erst so richtig durch mit unseren Vorbereitungen. Und wenn er wieder aufwacht, ist er Drei. Drei Jahre . Ich glaube, ich bin mindestens so aufgeregt wie er.