Das Zwuckelchen ist 4 Monate und 28 Tage alt.
Am ersten Tag lutschte sie an einem Stückchen Brot, aber satt war sie immer noch nicht.
Am zweiten Tag saugte sie zwei Streifen rohe Paprika aus, aber satt war sie immer noch nicht.
Am dritten Tag zermatschte sie ein Stück Avocado… etc. pp.
Ein Vorteil beim zweiten Kind ist, dass man sich über viele wesentliche Themen schon Gedanken gemacht hat. Das heißt natürlich nicht, dass man das nicht alles beim Zweiten auch wieder komplett umwerfen könnte, oder dass das Zweite sich automatisch genauso verhalten würde wie der Erstgeborene, aber eben… immerhin schon mal angedacht.
In unserem Fall war das zum Beispiel die Beikostsache. Beim Knirps hatten wir uns das ausführlich überlegt, und die Erfahrungen der folgenden Monate haben unsere Ansichten nur noch bestärkt. Es war also im Prinzip klar: auch das Zwuckelchen sollte erst mal keinen Brei bekommen, sondern Fingerfood, Essen in ganzen Stücken, im wesentlichen das, was auch wir essen. Vorausgesetzt, sie selbst würde das mitmachen – aber das zu berücksichtigen, finde ich so selbstverständlich, dass es eigentlich nicht erwähnt werden müsste. Baby Led Weaning, ich habe das damals etwas ausführlicher beschrieben, falls jemand den Begriff noch nicht kennt.
Sie war noch keine vier Monate alt, als sie begann, uns das Essen vom Teller zu grapschen. Ähnliches Verhalten hatte beim Knirps damals den Startschuss zum Essen gegeben, aber 3 Monate und irgendwas war mir persönlich dann doch noch ein kleines bisschen jung für festes Essen. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass es sinnvoller ist, ein Kind diesen Zeitpunkt selbst wählen zu lassen als sich nach starren Kalenderdaten zu richten. Jedes Kind entwickelt sich nach seinem eigenen Tempo, nicht wahr? Deshalb bekam der Knirps seine erste Kartoffel mit fünf Monaten, obwohl ich damals ursprünglich sechs Monate vollstillen wollte.
Und deshalb beschlossen wir dann auch beim Zwuckelchen ein paar Tage nach dem vierten Monat, dass sie essen darf, solange sie das Zeug selbst greifen, in den Mund stecken und dort irgendwie verarbeiten kann. Nicht, weil ich so gemein bin und ihr nicht helfen möchte, sondern einfach weil ich glaube, dass auf diese Weise der sanftmöglichste Einstieg gewährleistet ist. Sie muss erst lernen, wie man welche Nahrungsmittel am besten hält und aufnimmt. Die verzehrten Mengen sind – gerade ganz ohne Zähne – anfangs wirklich minimal. Aber genau dadurch kann sich der milchgewohnte Darm ganz langsam und schrittweise an immer größere Mengen unterschiedlichster Lebensmittel gewöhnen, ohne dass wir uns dabei an irgendeinen Beikostplan halten müssen. Es passiert einfach alles ganz von alleine.
Mit vier Monaten und zwei oder drei Tagen also: das erste fingergroße Stück Brot. Hingelegt, danach gegriffen, in den Mund gesteckt – ohne Umschweife, ohne Spielen. Damals hat sie es noch ausgelutscht, was wohl schon spannend genug war. Heute, keine vier Wochen später, isst sie so ein Fingerstück schon ziemlich konzentriert komplett auf, wenn ihr gerade danach ist.
In den nächsten Tagen gab es, wie schon beim Knirps, das in die Hand, was wir gerade da hatten. Mal ein Stück Apfel, mal ein Streifen Paprika, mal etwas Banane oder Avocado. Härtere Sachen saugt sie hauptsächlich gierig aus, während sie unfassbar schnell gelernt hat, weiche Dinge mit den zahnlosen Kauleisten zu zerkauen. Sie würgt kaum noch (was am Anfang ja ganz normal ist und nichts schlechtes bedeutet). Das einzige, was sie bisher abgelehnt hat, war ein Stück Rührei. Alles andere wird zumindest als Essen erkannt und aufmerksam in den Mund gestopft. Sie hat mittlerweile auch schon Tomatenviertel bis auf die Haut abgezuzelt, gekochte Karotten und Spiralnudeln in Stücke gekaut, Butter probiert und Fenchel ausgelutscht. Begrenzt wird ihre Neugier eigentlich hauptsächlich durch die Motorik, nach etwa zehn Minuten lässt sie immer mehr fallen und wird immer ungeduldiger dabei, weil nichts mehr in den Mund gelangt. Gehört dazu.
Zum Brüllen komisch finde ich dabei, wie verrückt sie nach allem Essbaren ist. Wehe, es geht jemand mit einer Scheibe Brot an ihr vorbei! Wehe, sie liegt noch auf der Spieldecke, während wir am Esstisch sitzen! Da wird dann schon mal so lang in schrillen Tönen gequiekt, bis sie endlich etwas eigenes in der Hand hat. Genauso lässt sie sofort jedes Spielzeug fallen, wenn sie etwas zu Essen sieht. Dass das Essen auf unseren Tellern noch viel besser sein muss als das extra bereitgelegte auf dem Tisch, das kennen wir sowieso schon. Ich schwöre, ich habe in meinem Leben noch kein so essverrücktes Baby wie dieses gesehen. Noch keine fünf Monate alt.
Bis sie wirklich nennenswerte Mengen essen wird, wird aber noch viel Zeit vergehen, und erst recht, bis das Stillen davon irgendwann beeinflusst wird. Beim Knirps war das mit knapp einem Jahr der Fall, obwohl er schon früher wirklich ordentlich zugelangt hat. Aber wir haben Geduld. Das wichtigste ist, dass das Zwuckelchen Spaß am Essen hat, und da gibt es keinen Zweifel.
Und wenn sie dann noch, wie ihr großer Bruder, irgendwann Sushi zur Lieblingsspeise erklärt, dann bin ich wirklich wunschlos glücklich. (Na gut, sie darf notfalls auch Pfannkuchen wählen, oder Butterbrot, oder Brokkoli, oder… aber Sushi wäre schon sehr praktisch für mich. Wir hätten den Mann dann endgültig und immer überstimmt.)