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Tagebuchbloggen. Sonntag.

Nun habe ich euch drei Tage vernachlässigt. Aber keine Sorge, mein Leben war in der Zeit nicht besonders interessant.

Und heute? Auch nichts großartiges, aber zum Abschluß der Tagebuchblogwoche lasse ich euch noch mal mit reinschauen. Bin allerdings diesmal schon so müde, dass ich garantiert die Hälfte des Tagesgeschehens vergesse…

Die Kinder sind gegen 7 wach, wie fast immer. Noch mit halbgeschlossenen Augen ist die erste Frage aus Knirpsrichtung: “Heute frühstücken wir im Restaurant, oder?” Ja, genau, heute ist auswärts essen geplant, ein gemütlicher Brunch. Das gehört keineswegs zum normalen Sonntagsalltag hier, macht aber natürlich trotzdem Spaß und fand schon viel zu lange nicht statt. Unser Fehler war aber, von einem “Frühstück” zu sprechen, denn jetzt wurden wir selbstverständlich zwei Stunden lang belagert: “Wann gehen wir los? Warum können wir nicht jetzt los gehen? Aber wir wollten doch nicht zuhause frühstücken? Warum haben die jetzt noch nicht auf? Wann ist 10 Uhr? Gehen wir jetzt endlich?” etc. pp., und ebenso selbstverständlich war der Knirps dann, als wir wirklich losgehen wollten, gar nicht in Gehlaune, sondern trödelte wieder munter vor sich hin. Aber gut.

Wir haben sogar zu viert den richtigen Bus erwischt. Nach 15 Jahren in dieser Stadt (hui!) kommt es mir ganz normal vor, für Freizeitaktivitäten mal eben 50 min mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt zu fahren; früher, daheim, auf dem Land, hätte ich da höchstens den Vogel gezeigt.

Das Brunchbuffet war beeindruckend. Schon alleine von der Auswahl her, aber auch die einzelnen Komponenten machten einem Gerne-Esser wie mir große Freude. Endlich mal nicht nur Schinken, Tomate-Mozzarella und ein paar Kuchen – statt dessen oder besser zusätzlich Caesars Salad, Spargel, Roastbeef, Carpaccio, Suppen, Garnelensalat, Couscous, ach, so viele leckere Sachen! Ganz mein Ding. Nicht, weil ich unbedingt viel essen möchte, sondern weil ich mich endlich einmal nicht entscheiden muss. Der Knirps, der ja sonst gerne auch Sushi und Curry und Räucherlachs und überhaupt fast alles isst, war entweder von der Auswahl überfordert oder entwickelt sich langsam in Richtung klassischer Kindervorlieben. Jedenfalls ging er an all diesen Leckereien recht unbeeindruckt vorbei und aß ganz langweilig einen Joghurt, einen Obstsalat, etwas Rührei, viel trockenen Reis, etwas Fisch, eine Stange Spargel und eine Apfeltasche. Aber gut, meinetwegen darf er auch langweilig satt werden, wenn’s schmeckt.

Fast noch luxuriöser als das Essen selbst: die alleinige Tatsache, dass ein gut ausgestattetes Kinderspieleck existiert. Anders wären 4h Brunch mit zwei kleinen Kindern wohl auch kaum machbar. Unsere Aufstehfrequenz wurde nochmal deutlich gesenkt, als direkt am Spieleck ein Tisch frei wurde und wir kurzerhand um einen Umzug baten. Zwuckel schlief zwischendrin eine Runde in der Manduca, der Knirps war bis auf einen kleinen Kindersesselstreit recht entspannt – alles in allem wirklich toll. Aus dem Rahmen fiel höchstens der Keyboarder der Live-Jazz-Band, der rein vom Aussehen so gar nicht zur Musikrichtung passte in ganz schwarz mit schwarz gefärbten Haaren und vor allem aber mit Nietenjeans, die einen ausufernden Blick auf seinen schwarzen Stringtanga und noch mehr freigab. Auf der Bühne über dem Buffet schwebend, übrigens. Ich habe heute leider kein Foto für euch, aber vermutlich hätte es diesen Artikel entscheidend aufgewertet.

Nachdem alle satt waren und der Lautstärkepegel doch langsam seine nervenzehrende Wirkung auf die Kinder zeigte, verließen wir das Restaurant und überfielen den nächsten Spielplatz. Sonne, austoben, gar nichts tun. Schon wieder perfekt. Zwuckel interessierte sich bis auf eine Wippe recht wenig für die Spielgeräte, denn wer braucht schon Spielsachen, wenn es Stöcke gibt. Ganz viele Stöcke. Und während der Knirps uns ständig im Auge hat, immer wieder bettelt, wir sollten doch mit zum Klettergerüst oder zur Schaukel kommen, marschiert Zwuckel einfach davon, ohne sich einmal umzusehen, versucht gerne auch mal, mit einer Gruppe 8jähriger Fußball zu spielen oder diskutiert mit Kindergartenmädchen, ohne ein Wort wirklich sprechen zu können. Und sammelt noch mehr Stöcke.

Gegen 16 Uhr beenden wir diesen wirklich wunderbaren Tag da draußen langsam. Die Kinder werden müde, wir auch, und wir haben ja noch die übliche Stunde Heimweg vor uns. Natürlich verpassen wir den Bus, der sonntags sowieso seltener fährt. Zum Ausgleich werden wir Zeugen eines Auftritts der Zivilstreife, Drogenfahndung oder sowas, jedenfalls Blaulicht (“Dadü! Dadü!”) und Zivilpolizisten, die Männer und Autos durchsuchen. Zweifellos sehr spannend für einen Vierjährigen. (“sind das Diebe? Nehmen sie die jetzt mit? was suchen die jetzt im Auto? was haben die da im Auto gefunden? warum müssen die da so stehen? bestimmt sind das Diebe, oder, Papa, und die müssen jetzt ins Gefängnis! Doch, das glaube ich schon. Warum haben die nur so ein kleines Blaulicht und gar kein Polizeiauto? Warum haben die normale Kleider an? Warum fahren die nur hinterher? Kommen die auch, wenn echte Diebe da sind?” etc. pp.) Wir besorgen unterwegs mal wieder zwei Brezen für hungrige Kinder, ertragen diverse Zwuckelkreischanfälle im Bus aus unbekannten Gründen, haben beim Aussteigen aus dem Bus einen Vierjährigen, der jammert, weil er nicht getragen wird und eine Einjährige, die kreischt, weil sie kurzzeitig getragen wird und sind irgendwann endlich zuhause.

Überhaupt, Zwuckelkreischanfälle: darin und im Nein sagen war sie heute einsame Spitze. Ich würde vermuten, ich habe von ihr heute mehr “Nnnnnnein!” gehört als vom Knirps in den ersten beiden Jahren. “So, jetzt gehen wir los.” – “Nein!” – An der Straße musst Du mir die Hand geben. “Nein!” “Mütze aufsetzen?” – “Nein!” “Das ist unsere UBahn, jetzt steigen wir ein.” -”Neinnn!” “Noch was essen? Tomate? Brot? Ei? ….” – “Nnnnnnein!” “Kuchen?”- “Nein! *pause* Jaaaaaa!” (war dann aber doch nein.) Sie hat meinen Kopf, denke ich.

Daheim beschließen wir, dass eigentlich alle mehr oder weniger satt sind und erklären die Brezen und etwas Brot zum Abendessen. Der Knirps ist kurzzeitig empört, weil für ihn kaltes Abendessen kein Abendessen sei, lässt sich aber mit Essiggurken besänftigen. Dann lässt er sich mit mehr oder weniger Aufwand und Trödelei und Streiterei (heute mal wieder eher mehr) für’s Bett fertig machen, zieht immerhin den Schlafanzug richtig schnell an, denn der ist neu und einteilig (der Neid auf das Schwesterchen und ihre Garderobe machte sowas nötig). Zwuckel dagegen lässt sich zwar ebenfalls umziehen, ist aber noch hellwach und beschäftigt sich bis kurz vor 9 selbst, während ich hier am PC sitze und der Mann irgendwo wurschtelt. Wir suchen noch die seit gestern schwer vermisste Zwuckelpuppe in und unter allen Möbeln suchen. Sie kommt nur ab und zu vorbei, um uns Playmobilmännchen vorzuführen oder stolz in Knirpsschuhen, Schlafanzug und Mütze durchs Wohnzimmer zu stiefeln. Irgendwann kommt auch sie von sich aus zum schlafen zu mir, schläft entsprechend sofort ein, und wir sitzen wie meistens hier im Wohnzimmer, einer hier, einer da, lesen ein wenig, reden ein wenig, naschen ein wenig (ich), schnarchen (Schnupfenzwuckel), und so weiter.

Sonntag vorbei. Danke an alle, die diese Tage mit-gelesen haben – mal sehen, wie es hier weitergeht.

Tagebuchbloggen. Mittwoch.

Heute gibt es etwas Abwechslung, denn Mittwoch ist mein erster Arbeitstag, dafür ist der Mann zuhause.

Das bedeutet, dass wir alle gemeinsam um 6:45 aufstehen. Oder besser: aufstehen sollten. Während die Männer schon auf sind, wälze ich mich mal wieder mit Snoozetaste im Bett, und auch Zwuckel meint auf meine Ankündigung, ich würde heute arbeiten gehen, nur: “Nein. Mama chhhrrrpschh-chhhrrpschh“, und zieht uns beiden dabei demonstrativ die Decke bis zur Nasenspitze. Sorry, Zwuckel, daraus wird nichts.

Wir frühstücken an diesen Tagen alle gemeinsam, nur dass jetzt der Mann für alle Kinderbelange zuständig ist. Ich darf also in ruhe essen, duschen, meine Sachen richten. Wie meistens setze ich mich anschließend noch kurz an den PC für eine kleine Internetrunde. Zwar komme ich dadurch noch später los, aber es hat sich als sinnvoll erwiesen, um im Büro einen Grund weniger für morgendliche Ablenkung zu haben. Ich bestelle endlich den Akku-Bohrhammer, um den ich schon seit Wochen herumschleiche und bin 20 nach 8 endlich fertig zum gehen.

Der Mann wird heute den kleinen Wocheneinkauf übernehmen und bringt den Knirps deshalb mit dem Auto zum Kindergarten, so dass die drei mich noch schnell mit zur U-Bahn nehmen können. Ich besitze zwar mindestens drei mobile Geräte, die mir unterwegs zur Unterhaltung dienen könnten (Smartphone, Tablet, ebook-Reader), aber ich schaffe es, kein einziges davon aufgeladen zu haben. Also muss ich die knapp 25 min U-Bahn-Fahrt zwangsläufig damit verbringen, Mitfahrer zu beobachten, Löcher in die Luft zu starren und vor mich hin zu träumen. Zugegeben, manchmal nicht die schlechteste Beschäftigung.

Gegen 9 bin ich also im Büro. Vielleicht auch kurz danach, das ist bei uns glücklicherweise nicht ganz so wichtig. Ich schalte den PC ein, öffne das Fenster zum durchlüften und gehe dann erstmal Kaffee holen und einen Teil des Teams begrüßen. Bis ich zurück bin, ist selbst meine Krücke von Computer arbeitsbereit.

An dieser Stelle werde ich etwas ungenauer, auch wenn das die Frau Brüllen mit der expliziten Arbeitsalltagsneugier enttäuschen mag. Sorry! Zum einen darf ich einiges nicht erzählen, anderes behalte ich für mich, um weiter so hübsch anonym zu bleiben. 

Meine Arbeit besteht für die nächsten Stunden vor allem darin, am PC zu sitzen, Dinge zu lesen, nachzudenken und Dinge zu schreiben. Ich habe mein eigenes kleines, nettes Büro mit eigener Tür und ein paar Grünpflanzen, die überraschenderweise immer noch leben. Mit meinen Kollegen treffe ich mich hauptsächlich zum Mittagessen. Manchmal auch, wenn einer von uns eine Frage hat oder ein Problem diskutieren will oder sich einfach mal für fünf Minuten die Füße vertreten möchte.  Aber insgesamt sind wir Einzelkämpfer, jeder sein Ding, alles recht ruhig und von außen vermutlich langweilig. Zunächst sieht es heute nach einer entspannten Woche aus, dann sehe ich doch noch den neuesten Auftrag, der die Lage sofort in Richtung “machbar, aber stressig” verändert.

Als die drei Kollegen zum Mittagessen rufen, bin ich gerade endlich mal halbwegs konzentriert und sage deshalb solange “komme gleich”, bis die anderen fertig sind. Mist. Das passiert mir selten, über so ein bisschen zwischenmenschliche Ansprache am Tag bin ich doch froh – auch wenn die immer gleichen Themen gelegentlich was von Kaugummi haben. Zäh. Ich mache mir also schnell alleine meine Convenience-Käsespätzle in der Pfanne heiß. Kein optimales Essen, aber leider sitzen wir essenstechnisch etwas auf dem Trockenen. Keine Kantine, kaum Restaurants, kein Supermarkt, vereinzelte Imbisslokale. Ich bin kein großer Freund belegter Brote, und der Plan, mir Salat oder ähnliches von zuhause mitzubringen, scheitert oft an Zeit und Aufwand. Eine meiner Planbaustellen für dieses Jahr: besser essen im Büro. Irgendwann bald.

Dann weiter wie vormittags: lesen, nachdenken, schreiben. Irgendwann kommt ein Anruf von meinem Chef, dringende Sache, wichtige Sache. Ich werde ein wenig schultergeklopft, “Sie sind meine beste Allzweckwaffe für diesen Fall” – was mir durchaus zusagt, keine Frage. Am Ende bedeutet es aber dennoch, dass noch mehr Arbeit in die Woche gepresst wird. In diesem Fall: Fehler ausbaden, die andere gemacht haben, retten, was zu retten ist, und das innerhalb von 36 Stunden. Der Countdown läuft. Mein Kopf läuft leider nicht. Der blockiert mal wieder, wie so oft, gerade unter Stress. Beruhigend ist da höchstens, dass ich weiß, dass irgendwann der Knoten in meinem Hirn aufgeht und ich in rasender Geschwindigkeit jede Menge geschafft kriegen werde. Fragt sich nur, wann das passiert. Jedesmal dasselbe. Mein persönlicher kleiner Nervenkitzel.

Als ich schließlich kurz nach halb 7 aus dem Büro gehe, schneit es, und ich bin eher unzufrieden mit meiner heutigen Leistung. Aber was nutzt das Jammern. Morgen muss es besser gehen, morgen muss irgendetwas passieren. Heute hat das alles keinen Sinn mehr, sonst wäre ich eventuell länger geblieben. Auf dem Heimweg drängen sich am Marienplatz jede Menge schalgeschmückte Fußballfans in die Bahn. Der gegnerische Verein scheint aber von der harmlosen Sorte zu sein, es ist zwar gedrängelt voll, aber sonst ruhig, fast freundlich. Da habe ich schon andere Fußballfahrten erlebt. Immer wieder mittwochs. Die kleine Herausforderung des Abends ist dann jedesmal, sich ausgerechnet eine Station vor dem Stadion aus der Bahn zu kämpfen. Ich lasse den Bus stehen und gehe das letzte Stück zu Fuß, noch den Kopf ein wenig freipusten lassen. Unterwegs läuten Glocken, und Twitter bestätigt, es gibt einen neuen Papst.

An der Wohnungstür empfangen mich fröhliche Kinder, fertig abgefüttert und schon in Schlafanzüge verpackt. Zwuckel will sofort und auf der Stelle stillen und ist reichlich wütend, dass ich mich erst noch für dreißig Sekunden ins Bad wage. Der Knirps spielt, Zwuckel stillt, ich esse. Der Mann hat Gemüsebratlinge mit Joghurtsauce gemacht. Lecker. Ausnahmsweise schalte ich noch schnell den Livestream in den Vatikan ein, historisches Ereignis und sowas, auch wenn ich mich derzeit nicht als gläubig bezeichnen würde. Der Knirps schaut sich interessiert den Aufmarsch der Schweizer Garde an (“ist das auch Fasnet?”), will dann aber schlafen gehen, so dass ich mir für morgen noch überlegen kann, wie man ihm das Konzept Kirche und Papst verständlich erklären kann. Zwuckel schläft schon in meinem Arm ein. Der Mann kommt auch ziemlich schnell von der Einschlafbegleitung zurück, offensichtlich waren beide recht müde. Ich lese ein wenig zum neugewählten Franziskus, der Mann hat einen freien Abend und geht aus. Gegen halb 10 kann ich Armschlafzwuckel unglaublicherweise mit etwas Geduld und Spucke Deckenrollen ins Bett ablegen. Ich esse die restlichen Bratlinge, räume die Spülmaschine ein und schreibe diesen Artikel fertig. Mittwoch vorbei.

Ein Wunder, ein Wunder!

Die gute Nachricht:

Wir haben ab September/Oktober einen Kindergartenplatz. Einen städtischen. Einen von denen, den sowohl wir als auch die entsprechenden Kindergärten als unwahrscheinlich bis unmöglich bezeichneten, weil wir doch so undringend sind. Kleiner Lottogewinn. Wunder. Ich bin recht grinsend vom Briefkasten zurück getanzt.

Aber: es bleibt ein komisches Gefühl. Die Sache war nämlich, dass in genau diesem städtischen Kindergarten (einer von vielen, bei denen wir angemeldet waren) speziell nach Freunden gefragt wurde, die eventuell den gleichen Kindergarten bevorzugen würden. Offiziell spielt das alles natürlich keine Rolle für die Vergabe, unter der Hand wird da wohl ein wenig gemauschelt.

Entgegen aller mahnenden Stimmen wächst der Knirps auch ohne Betreuung bisher nicht isoliert auf, sondern hat einige kleine Spielplatz- und Nachbarschaftsfreunde. Einer davon musste – beschissene Welt, anders lässt sich das nicht sagen – vor kurzem sein kleines Geschwisterchen zu Grabe tragen. Dieses Kind hat nun in diesem Kindergarten einen Platz mit gewissem Sonderstatus, soweit wir wissen. Ich werde den Gedanken nicht los, dass wir den Platz nun nur aufgrund unserer Bekanntschaften haben. Vor allem, weil wir eben wirklich keinen Betreuungsbedarf in diesem Sinne haben, während andere Familien im Umfeld, wo eigentlich beide wieder arbeiten müssen, munter Absagen für ihre Vierjährigen kassieren.

Dazu passt, dass wir nun seltsamerweise einen Ganztagsplatz bekommen haben, den wir eigentlich gar nicht wollten. Solange einer von uns immer mit dem Zwuckelchen zuhause ist, sehe ich keinen Grund, den Knirps bis kurz vor Abendessen auswärts zu betreuuen lassen; wir hätten nichts gegen freie Nachmittage mit den Kindern und wollten entweder die Vormittags- oder die Über-Mittag-Gruppe bis etwa 14 Uhr. Die Freunde allerdings sind eben in der Ganztagsgruppe.

Gut. Wir warten erst mal ab, denn der Traum wäre immer noch ein Platz in der Wunsch-Elterninitiative. Weil deren Konzept und der Umgang mit den Kindern uns näher ist. Weil wir uns dort unheimlich wohlgefühlt haben. Weil da auf etwa gleicher Haus- und Gartenfläche 16 Kinder von 3 Erwachsenen betreut werden und im städtischen Kindergarten 75 Kinder von 6 Erwachsenen. Weil wir keinen Ganztagsplatz wollten. Weil uns die Idee mit der Elterninitiative, Aufwand hin oder her, immer besser gefällt. Da müssen wir uns aber noch einige Wochen gedulden, denn die Entscheidung wurde wegen des großen Andrangs verschoben.

Aber ich will nicht undankbar sein. Es ist eine riesige Erleichterung, dass der Knirps auf jeden Fall einen Kindergartenplatz hat und auf keinen Fall zuhause bleiben muss, bis er fast fünf wäre. Und der Kindergarten ist ganz bestimmt nicht die schlechteste Wahl; unter den städtischen war das unser Favorit. Liegt mehr oder weniger hinterm Haus, hat wirklich schöne Räume, und die Leiterin war uns auf Anhieb recht sympathisch. Und so teuer die Krippenplätze und die privaten Einrichtungen auch sind – durch unsere Teilzeitstellen mit reduziertem Einkommen wäre dieser Platz sogar richtig billig.

Nein, das wäre alles absolut kein Weltuntergang, und da sind schon einige Steine von meinem Herzen gepurzelt heute vormittag. Damit hatte ja keiner gerechnet. Die Daumen für den Wunschplatz dürft ihr trotzdem noch ein bisschen gedrückt halten. Für den ganz großen Lottogewinn.

Hilfsbereit

Nach den letzten Wochen Familienkrankenlager hier war es heute direkt angenehm, dass der Knirps ganz unbedingt nach draußen wollte. Neue Gummistiefel ausprobieren. Wir haben uns also zuerst zwei Stunden auf dem Spielplatz vergnügt, der Knirps in Matschsachen im Sand, das Zwuckelchen meist schlummernd und gelegentlich stillend in der Manduca eingepackt. Soweit alle glücklich.

Auf der Schlußrunde durch den Park allerdings sind wir einem Hund begegnet. Das reicht zur Zeit als Auslöser für mittelgroße Panikanfälle beim Knirps, Hunde, Katzen, auch Tauben und Spatzen, alles endet in kopflosem Kreischen und Weinen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Und der Hund war auch noch ohne Leine, also: großes Problem.

Da liegt also nun der heulende Knirps im matschigen Märzgras, ich bekomme neben ihm langsam feuchte Knie und er besteht auf dem abwesenden Papa zur Beruhigung. Er wälzt sich weiter, ich würde liebend gerne einfach nach Hause verschwinden und kann ihn wegen Tragezwuckel nicht mal einfach aufheben. Genau dann kommen zwei schwarze Frauen vorbei, die eine ein Kind nur knapp unter Knirpsalter mit dieser bewundernswerten afrikanischen Bindeweise im Tuch auf den Rücken gebunden, die andere schiebt den deshalb kinderleeren, aber mit Einkäufen vollbepackten Kinderwagen.

Sonst werden Eltern mit wütenden, am Boden liegenden Kleinkindern ja von Passanten bestenfalls mit verständnisvollem Lächeln bedacht, schlimmstenfalls mit Kopfschütteln. Die beiden Damen dagegen sprachen mich in gebrochenem Deutsch an, zuerst dachte ich, sie würden mich nach dem Weg fragen, dann haben sie wieder untereinander diskutiert, sich dann aber nochmal an mich gewendet. Und was wollten sie? Sie boten mir fröhlich an, den Knirps in ihrem Kinderwagen mitzuschieben. Weil sie annahmen, er würde einfach nicht mehr laufen wollen. Ich habe dann kurz die Situation mit dem Hund etc. erläutert, was freundliches Lachen und Nicken verursachte, bevor sie sich verabschiedeten.

Mal ehrlich. Ich bin hochbegeistert. Wildfremde Menschen, und bieten einfach ganz praktische Hilfe in so einer doch irgendwie klassischen Situation. Wäre das nicht schön, wenn’s immer so wäre?

(Und note to self: öfter selbst Hilfe dieser Art anbieten. Wird mich schon keiner auffressen.)

Apfel, Stamm und so

Zum Frühstück isst der Knirps normalerweise Brot. Dieses Brot muss unbedingt zusammen geklappt sein, damit er keine weniger dreckige Finger bekommt. Nicht, dass er sonst so auf Reinlichkeit bedacht wäre… aber beim Brot ist das wichtig.

Wir backen unser Brot selbst, und der Laib ist zwangsläufig nicht in alle Richtungen symmetrisch. Wenn man halbe Brote klappt, dann steht also meist irgendwo ein kleiner Rand über. Genau dieser Rand macht den Knirps offenbar halb wahnsinnig. Abbeissen geht gar nicht, das Stück muss exakt abgeschnitten werden. Anfangs dachte ich, das wäre seine Version von “nein, meine Rinde ess’ ich nicht“, aber er besteht sogar darauf, das abgeschnittene Eck getrennt zu essen.

Es geht nur um Symmetrie. Passgenauigkeit. Perfektion.

(Kind seines Vaters.)

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Neulich erhob sich der Knirps aus seinen zigtausend Legobauten, zwischen denen er so oft ganz vertieft sitzt. Er rannte aus dem Kinderzimmer. Kam dann wieder zurück. Stellte sich vor seinen Legohaufen und sah zunehmend verwirrt aus. Drehte sich zum Wickeltisch. Und zurück. Keine Reaktion auf unsere Frage, ob er etwas suche. Ging noch mal Richtung Tür. Kam mit einem Gesicht voller Fragezeichen wieder ins Zimmer. Kletterte auf sein TROFAST-Stufenregal.

Und dann stand er schließlich da oben, schüttelte unmerklich den Kopf und sagte ratlos: “Mama – was wollte ich ‘etzt eigentlich grad machen?”

(Kind seiner Mutter.)