Nun habe ich euch drei Tage vernachlässigt. Aber keine Sorge, mein Leben war in der Zeit nicht besonders interessant.
Und heute? Auch nichts großartiges, aber zum Abschluß der Tagebuchblogwoche lasse ich euch noch mal mit reinschauen. Bin allerdings diesmal schon so müde, dass ich garantiert die Hälfte des Tagesgeschehens vergesse…
Die Kinder sind gegen 7 wach, wie fast immer. Noch mit halbgeschlossenen Augen ist die erste Frage aus Knirpsrichtung: “Heute frühstücken wir im Restaurant, oder?” Ja, genau, heute ist auswärts essen geplant, ein gemütlicher Brunch. Das gehört keineswegs zum normalen Sonntagsalltag hier, macht aber natürlich trotzdem Spaß und fand schon viel zu lange nicht statt. Unser Fehler war aber, von einem “Frühstück” zu sprechen, denn jetzt wurden wir selbstverständlich zwei Stunden lang belagert: “Wann gehen wir los? Warum können wir nicht jetzt los gehen? Aber wir wollten doch nicht zuhause frühstücken? Warum haben die jetzt noch nicht auf? Wann ist 10 Uhr? Gehen wir jetzt endlich?” etc. pp., und ebenso selbstverständlich war der Knirps dann, als wir wirklich losgehen wollten, gar nicht in Gehlaune, sondern trödelte wieder munter vor sich hin. Aber gut.
Wir haben sogar zu viert den richtigen Bus erwischt. Nach 15 Jahren in dieser Stadt (hui!) kommt es mir ganz normal vor, für Freizeitaktivitäten mal eben 50 min mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt zu fahren; früher, daheim, auf dem Land, hätte ich da höchstens den Vogel gezeigt.
Das Brunchbuffet war beeindruckend. Schon alleine von der Auswahl her, aber auch die einzelnen Komponenten machten einem Gerne-Esser wie mir große Freude. Endlich mal nicht nur Schinken, Tomate-Mozzarella und ein paar Kuchen – statt dessen oder besser zusätzlich Caesars Salad, Spargel, Roastbeef, Carpaccio, Suppen, Garnelensalat, Couscous, ach, so viele leckere Sachen! Ganz mein Ding. Nicht, weil ich unbedingt viel essen möchte, sondern weil ich mich endlich einmal nicht entscheiden muss. Der Knirps, der ja sonst gerne auch Sushi und Curry und Räucherlachs und überhaupt fast alles isst, war entweder von der Auswahl überfordert oder entwickelt sich langsam in Richtung klassischer Kindervorlieben. Jedenfalls ging er an all diesen Leckereien recht unbeeindruckt vorbei und aß ganz langweilig einen Joghurt, einen Obstsalat, etwas Rührei, viel trockenen Reis, etwas Fisch, eine Stange Spargel und eine Apfeltasche. Aber gut, meinetwegen darf er auch langweilig satt werden, wenn’s schmeckt.
Fast noch luxuriöser als das Essen selbst: die alleinige Tatsache, dass ein gut ausgestattetes Kinderspieleck existiert. Anders wären 4h Brunch mit zwei kleinen Kindern wohl auch kaum machbar. Unsere Aufstehfrequenz wurde nochmal deutlich gesenkt, als direkt am Spieleck ein Tisch frei wurde und wir kurzerhand um einen Umzug baten. Zwuckel schlief zwischendrin eine Runde in der Manduca, der Knirps war bis auf einen kleinen Kindersesselstreit recht entspannt – alles in allem wirklich toll. Aus dem Rahmen fiel höchstens der Keyboarder der Live-Jazz-Band, der rein vom Aussehen so gar nicht zur Musikrichtung passte in ganz schwarz mit schwarz gefärbten Haaren und vor allem aber mit Nietenjeans, die einen ausufernden Blick auf seinen schwarzen Stringtanga und noch mehr freigab. Auf der Bühne über dem Buffet schwebend, übrigens. Ich habe heute leider kein Foto für euch, aber vermutlich hätte es diesen Artikel entscheidend aufgewertet.
Nachdem alle satt waren und der Lautstärkepegel doch langsam seine nervenzehrende Wirkung auf die Kinder zeigte, verließen wir das Restaurant und überfielen den nächsten Spielplatz. Sonne, austoben, gar nichts tun. Schon wieder perfekt. Zwuckel interessierte sich bis auf eine Wippe recht wenig für die Spielgeräte, denn wer braucht schon Spielsachen, wenn es Stöcke gibt. Ganz viele Stöcke. Und während der Knirps uns ständig im Auge hat, immer wieder bettelt, wir sollten doch mit zum Klettergerüst oder zur Schaukel kommen, marschiert Zwuckel einfach davon, ohne sich einmal umzusehen, versucht gerne auch mal, mit einer Gruppe 8jähriger Fußball zu spielen oder diskutiert mit Kindergartenmädchen, ohne ein Wort wirklich sprechen zu können. Und sammelt noch mehr Stöcke.
Gegen 16 Uhr beenden wir diesen wirklich wunderbaren Tag da draußen langsam. Die Kinder werden müde, wir auch, und wir haben ja noch die übliche Stunde Heimweg vor uns. Natürlich verpassen wir den Bus, der sonntags sowieso seltener fährt. Zum Ausgleich werden wir Zeugen eines Auftritts der Zivilstreife, Drogenfahndung oder sowas, jedenfalls Blaulicht (“Dadü! Dadü!”) und Zivilpolizisten, die Männer und Autos durchsuchen. Zweifellos sehr spannend für einen Vierjährigen. (“sind das Diebe? Nehmen sie die jetzt mit? was suchen die jetzt im Auto? was haben die da im Auto gefunden? warum müssen die da so stehen? bestimmt sind das Diebe, oder, Papa, und die müssen jetzt ins Gefängnis! Doch, das glaube ich schon. Warum haben die nur so ein kleines Blaulicht und gar kein Polizeiauto? Warum haben die normale Kleider an? Warum fahren die nur hinterher? Kommen die auch, wenn echte Diebe da sind?” etc. pp.) Wir besorgen unterwegs mal wieder zwei Brezen für hungrige Kinder, ertragen diverse Zwuckelkreischanfälle im Bus aus unbekannten Gründen, haben beim Aussteigen aus dem Bus einen Vierjährigen, der jammert, weil er nicht getragen wird und eine Einjährige, die kreischt, weil sie kurzzeitig getragen wird und sind irgendwann endlich zuhause.
Überhaupt, Zwuckelkreischanfälle: darin und im Nein sagen war sie heute einsame Spitze. Ich würde vermuten, ich habe von ihr heute mehr “Nnnnnnein!” gehört als vom Knirps in den ersten beiden Jahren. “So, jetzt gehen wir los.” – “Nein!” – An der Straße musst Du mir die Hand geben. “Nein!” “Mütze aufsetzen?” – “Nein!” “Das ist unsere UBahn, jetzt steigen wir ein.” -”Neinnn!” “Noch was essen? Tomate? Brot? Ei? ….” – “Nnnnnnein!” “Kuchen?”- “Nein! *pause* Jaaaaaa!” (war dann aber doch nein.) Sie hat meinen Kopf, denke ich.
Daheim beschließen wir, dass eigentlich alle mehr oder weniger satt sind und erklären die Brezen und etwas Brot zum Abendessen. Der Knirps ist kurzzeitig empört, weil für ihn kaltes Abendessen kein Abendessen sei, lässt sich aber mit Essiggurken besänftigen. Dann lässt er sich mit mehr oder weniger Aufwand und Trödelei und Streiterei (heute mal wieder eher mehr) für’s Bett fertig machen, zieht immerhin den Schlafanzug richtig schnell an, denn der ist neu und einteilig (der Neid auf das Schwesterchen und ihre Garderobe machte sowas nötig). Zwuckel dagegen lässt sich zwar ebenfalls umziehen, ist aber noch hellwach und beschäftigt sich bis kurz vor 9 selbst, während ich hier am PC sitze und der Mann irgendwo wurschtelt. Wir suchen noch die seit gestern schwer vermisste Zwuckelpuppe in und unter allen Möbeln suchen. Sie kommt nur ab und zu vorbei, um uns Playmobilmännchen vorzuführen oder stolz in Knirpsschuhen, Schlafanzug und Mütze durchs Wohnzimmer zu stiefeln. Irgendwann kommt auch sie von sich aus zum schlafen zu mir, schläft entsprechend sofort ein, und wir sitzen wie meistens hier im Wohnzimmer, einer hier, einer da, lesen ein wenig, reden ein wenig, naschen ein wenig (ich), schnarchen (Schnupfenzwuckel), und so weiter.
Sonntag vorbei. Danke an alle, die diese Tage mit-gelesen haben – mal sehen, wie es hier weitergeht.