Zwuckel Nimmersatt

Das Zwuckelchen ist 4 Monate und 28 Tage alt.

Am ersten Tag lutschte sie an einem Stückchen Brot, aber satt war sie immer noch nicht.

Am zweiten Tag saugte sie zwei Streifen rohe Paprika aus, aber satt war sie immer noch nicht.

Am dritten Tag zermatschte sie ein Stück Avocado… etc. pp.

Ein Vorteil beim zweiten Kind ist, dass man sich über viele wesentliche Themen schon Gedanken gemacht hat. Das heißt natürlich nicht, dass man das nicht alles beim Zweiten auch wieder komplett umwerfen könnte, oder dass das Zweite sich automatisch genauso verhalten würde wie der Erstgeborene, aber eben… immerhin schon mal angedacht.

In unserem Fall war das zum Beispiel die Beikostsache. Beim Knirps hatten wir uns das ausführlich überlegt, und die Erfahrungen der folgenden Monate haben unsere Ansichten nur noch bestärkt. Es war also im Prinzip klar: auch das Zwuckelchen sollte erst mal keinen Brei bekommen, sondern Fingerfood, Essen in ganzen Stücken, im wesentlichen das, was auch wir essen. Vorausgesetzt, sie selbst würde das mitmachen – aber das zu berücksichtigen, finde ich so selbstverständlich, dass es eigentlich nicht erwähnt werden müsste. Baby Led Weaning, ich habe das damals etwas ausführlicher beschrieben, falls jemand den Begriff noch nicht kennt.

Sie war noch keine vier Monate alt, als sie begann, uns das Essen vom Teller zu grapschen. Ähnliches Verhalten hatte beim Knirps damals den Startschuss zum Essen gegeben, aber 3 Monate und irgendwas war mir persönlich dann doch noch ein kleines bisschen jung für festes Essen. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass es sinnvoller ist, ein Kind diesen Zeitpunkt selbst wählen zu lassen als sich nach starren Kalenderdaten zu richten. Jedes Kind entwickelt sich nach seinem eigenen Tempo, nicht wahr? Deshalb bekam der Knirps seine erste Kartoffel mit fünf Monaten, obwohl ich damals ursprünglich sechs Monate vollstillen wollte.

Und deshalb beschlossen wir dann auch beim Zwuckelchen ein paar Tage nach dem vierten Monat, dass sie essen darf, solange sie das Zeug selbst greifen, in den Mund stecken und dort irgendwie verarbeiten kann. Nicht, weil ich so gemein bin und ihr nicht helfen möchte, sondern einfach weil ich glaube, dass auf diese Weise der sanftmöglichste Einstieg gewährleistet ist. Sie muss erst lernen, wie man welche Nahrungsmittel am besten hält und aufnimmt. Die verzehrten Mengen sind – gerade ganz ohne Zähne – anfangs wirklich minimal. Aber genau dadurch kann sich der milchgewohnte Darm ganz langsam und schrittweise an immer größere Mengen unterschiedlichster Lebensmittel gewöhnen, ohne dass wir uns dabei an irgendeinen Beikostplan halten müssen. Es passiert einfach alles ganz von alleine.

Mit vier Monaten und zwei oder drei Tagen also: das erste fingergroße Stück Brot. Hingelegt, danach gegriffen, in den Mund gesteckt – ohne Umschweife, ohne Spielen. Damals hat sie es noch ausgelutscht, was wohl schon spannend genug war. Heute, keine vier Wochen später, isst sie so ein Fingerstück schon ziemlich konzentriert komplett auf, wenn ihr gerade danach ist.

In den nächsten Tagen gab es, wie schon beim Knirps, das in die Hand, was wir gerade da hatten. Mal ein Stück Apfel, mal ein Streifen Paprika, mal etwas Banane oder Avocado. Härtere Sachen saugt sie hauptsächlich gierig aus, während sie unfassbar schnell gelernt hat, weiche Dinge mit den zahnlosen Kauleisten zu zerkauen. Sie würgt kaum noch (was am Anfang ja ganz normal ist und nichts schlechtes bedeutet). Das einzige, was sie bisher abgelehnt hat, war ein Stück Rührei. Alles andere wird zumindest als Essen erkannt und aufmerksam in den Mund gestopft. Sie hat mittlerweile auch schon Tomatenviertel bis auf die Haut abgezuzelt, gekochte Karotten und Spiralnudeln in Stücke gekaut, Butter probiert und Fenchel ausgelutscht. Begrenzt wird ihre Neugier eigentlich hauptsächlich durch die Motorik, nach etwa zehn Minuten lässt sie immer mehr fallen und wird immer ungeduldiger dabei, weil nichts mehr in den Mund gelangt. Gehört dazu.

Zum Brüllen komisch finde ich dabei, wie verrückt sie nach allem Essbaren ist. Wehe, es geht jemand mit einer Scheibe Brot an ihr vorbei! Wehe, sie liegt noch auf der Spieldecke, während wir am Esstisch sitzen! Da wird dann schon mal so lang in schrillen Tönen gequiekt, bis sie endlich etwas eigenes in der Hand hat. Genauso lässt sie sofort jedes Spielzeug fallen, wenn sie etwas zu Essen sieht. Dass das Essen auf unseren Tellern noch viel besser sein muss als das extra bereitgelegte auf dem Tisch, das kennen wir sowieso schon. Ich schwöre, ich habe in meinem Leben noch kein so essverrücktes Baby wie dieses gesehen. Noch keine fünf Monate alt.

Bis sie wirklich nennenswerte Mengen essen wird, wird aber noch viel Zeit vergehen, und erst recht, bis das Stillen davon irgendwann beeinflusst wird. Beim Knirps war das mit knapp einem Jahr der Fall, obwohl er schon früher wirklich ordentlich zugelangt hat. Aber wir haben Geduld. Das wichtigste ist, dass das Zwuckelchen Spaß am Essen hat, und da gibt es keinen Zweifel.

Und wenn sie dann noch, wie ihr großer Bruder, irgendwann Sushi zur Lieblingsspeise erklärt, dann bin ich wirklich wunschlos glücklich. (Na gut, sie darf notfalls auch Pfannkuchen wählen, oder Butterbrot, oder Brokkoli, oder… aber Sushi wäre schon sehr praktisch für mich. Wir hätten den Mann dann endgültig und immer überstimmt.)

Besser

Oder: bloggen hilft.

Eine Stunde nach meinem langen Artikel gestern wachte der Knirps nach vier Stunden Mittagsschlaf mit blendender Laune auf, setzte sich an den Tisch und aß. Tomaten, Mandarinen, Kartoffeln, Karotten. Zum ersten Mal seit Freitag wieder Obst und Gemüse, und das in ordentlichen Mengen. Heute dann drei große Brote zum Frühstück.

Gleichzeitig begann das Zwuckelchen zu spielen. Ganz normal, lachend und glucksend und munter. So viel besser als noch Stunden vorher.

Und abends dann die Krönung: das Zwuckelchen stillte ohne Schmerzmittel. Sie brauchte etwas Überredung, sich an die Brust zu wagen, aber dann trank sie. Später gleich nochmal, zum Anlegen immer noch mit Geschaukel und viel Schhhhh (unklar, ob zu ihrer oder meiner Beruhigung). Heute Nacht dann nach zwei Fehlversuchen sogar im Liegen! Unfassbar. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich jetzt bin, polternde Steine sind gar kein Ausdruck.

Doch, manchmal hilft Bloggen. Und jetzt geht es nur noch aufwärts. 

Nachgeholt

Knirps: 3 Jahre, 28 Tage

Zwuckel: 4 Monate, 26 Tage

2011 war der Knirps nicht ein einziges Mal krank. Ganz egal, wie oft er zum Spielen nackt auf dem kalten Küchenboden lag (Kleidung ist doof, meint er), egal, wie oft wir uns meist unabsichtlich mit anderen kranken Kindern getroffen hatten (zuhause bleiben ist doof, meinen wir alle), egal, wie oft er im Winter ohne Mütze oder gar ohne Jacke nach draußen wollte (Winterkleider sind doof, meinen der Knirps und ich). Maximal hat er ein wenig geschnupft. Vielleicht sogar mal gehustet, das weiss ich nicht mehr so genau. Jedenfalls gab es über 15 Monate lang keine Medikamente, Fieber, Schmerzen oder Kinderarztbesuche. Durchaus angenehm. Der Mann hat übrigens in der Zeit so ziemlich jede Erkrankung mitgenommen, die uns über den Weg lief.

Irgendwann muss so eine Glückssträhne ja vorbei sein. Hier hat sie vor vier Wochen geendet. Ich schiebe die Schuld entweder auf den (gesunden) Besuch in der Kinderarztpraxis für die beiden Vorsorgeuntersuchungen oder auf die vielen Kindergeburtstage, zu denen der Knirps im Februar eingeladen war. Irgendjemand muss ja schuld sein.

Es begann mit einer fiebrigen Erkältung beim Knirps und mir. Wir mussten erst mal das Thermometer suchen, Fiebermedikamente waren ebenfalls abgelaufen. Die Erkältung war noch nicht durch, da fing sein Auge an zu schmieren. Blühende eitrige Bindehautentzündung auf beiden Augen, die verordnete Augensalbe ließ er sich zu meinem riesigen Erstaunen vier mal täglich ohne einen Mucks verabreichen. Drei Tage später durfte ich dann auch salben. Parallel fingen wir an, wieder ordentlich zu husten. Der Mann übrigens immer noch gesund, das Zwuckelchen zum Glück auch. Nächster Fieberinfekt, alles nicht tragisch, nur mittlerweile etwas nervig. Augen und Husten sorgten für die ersten Arztbesuche.

Dann kamen Halsschmerzen auf meiner Seite. Solche aus der Hölle, mit Schluckbeschwerden und Wachliegen. Das kann eigentlich gar nicht mehr so weh tun, sprach der Arzt mit Blick auf meinen unroten Hals (wie ich solche Sätze liebe!) und tippte wegen schlechter Blutwerte und Atemnot dazu auf Bronchitis. Einige Tage später verweigert der Knirps nach einer erneuten Fiebernacht jedes Essen außer kalter Milch und Joghurt und sagt, das würde alles brennen. Ein Blick in den Mund zeigte Aphten an den Lippen, Aphten in den Backen und Aphten am Gaumen. Ich weiß nur zu gut, wie sehr schon ein einzelnes Ding davon weh tun kann und ließ den Mann mehr kaltes Joghurt und Eis besorgen. Natürlich war Wochenende.

Zwei Tage später – wir werden mittlerweile in der Gemeinschaftspraxis von Allgemein- und Kinderarzt als alte Bekannte begrüßt – findet die Ärztin beim Knirps eine lehrbuchreife eitrige Mandelentzündung, wettet auf Streptokokken, hat das Penicilin-Rezept schon in der Hand, der Schnelltest sagt aber, keine Streptokokken. Ich darf praktischerweise wegen der anhaltenden Halsschmerzen auch gleich einen Rachenabstrich für’s Labor hinterlassen, der Arzt ist sich nach einem Blick in den Hals aber sicher, dass ich keine Streptokokken habe, und wir werden gewarnt, gleich wiederzukommen, falls auch das Zwuckelchen Krankheitsanzeichen zeigt. Das war Montag morgen.

Montag nachmittag hat das Zwuckelchen knapp 39 Grad Fieber und ich bin mal wieder amüsiert über das gut funktioniernde Mama-Hand-Thermometer, während der Mann meinte, die wäre doch gar nicht warm. Nach einigem Hin und Her und einem Anruf beim Arzttelefon sind wir vorsichtshalber in die Klinikambulanz gefahren, mit so kleinen Winzlingen und irgendwelchen unbekannten Erregern wollte ich nicht lange fackeln.

Kinderklinik ist ja jetzt grundsätzlich nicht so wundervoll, aber diese Klinik hat im Wartebereich immerhin ein Kinderkarussell stehen. Kein Spielplatzkarussell, sondern so ein kleines Rummelplatzteil, mit Pferdchen und Schwänen und Bären. Und das beste: ganz umsonst und mit einem An- und Aus-Knopf für die Kinder. 243 Karussellrunden und zweieinhalb Stunden später torkelt der müde Knirps nur noch so durch die Gegend, beim Zwuckelchen wird außer Fieber und mittlerweile leichtem Ausschlag nichts relevantes gefunden, also wird noch Urin verlangt. Nach gefühlten Stunden hat das Zwuckelbaby erfolgreich am aufgeklebten Urinbeutel vorbeigepieselt, die restlichen drei Mililiter werden getestet, während der Knirps auf dem Karussellpferd hängt und fast schläft. Um uns herum unfassbar viele Kinder, denen ein Elternteil die Brechschale hinhält, während das andere Elternteil ihnen rosa Elektrolytflüssigkeit mit dem Löffel einflößt. Die Herren Rota und Noro sind wohl in der Stadt, wir beten, dass dieser Kelch diese Kotzschüssel wenigstens an uns vorübergeht und lassen den Knirps dort drei mal gründlich die Hände waschen.

Das Urinergebnis ist dann schließlich schlecht, aber selbst die anwesende Ärztin hält den Blasenkatheter, den sie nun offiziell empfehlen muss, für etwas übertrieben und tippt auf verunreinigte Probe. Also alle ohne weiteren Befund zuhause. Am nächsten Morgen schafft es das Zwuckelchen übrigens, zwei weitere Urinbeutel nur von außen komplett nasszumachen und dabei einmal auch noch mich und sich selbst umziehreif einzupieseln, doch der Beutel bleibt leer. Die Nacht dagegen sprach sowieso gegen Harnwegsinfekt, denn sobald wir aus der Klinik zuhause waren, verweigerte die Zwuckelina das Stillen. Wobei Verweigern wohl der falsche Begriff ist: sie wollte trinken, versucht, lässt nach einem Schluck schreiend los und brüllt dann minutenlang. Nach einigen Stunden brüllte sie schon beim Anblick der Brust ohne Stillversuch, während wir mit mäßigem Erfolg versuchen, dem Fieberbaby gepumpte Milch mit dem Löffel einzuflößen. Wie ich schon hier und da erwähnte – seit dem Klinikaufenthalt mit dem Knirps reagiere ich auf hohes Fieber und Flüssigkeitsverweigerung leicht panisch. Nennen wir es mein persönliches kleines Kliniktrauma.

Morgens endlich die Idee, ihr Schmerzmittel zu geben, weil sie eben auch einfach unsere Halsschmerzen haben könnte, und tatsächlich: keine halbe Stunde nach dem Zäpfchen trinkt sie endlich, lang und gierig. So ging der Dienstag weiter; Vanillejoghurt für den Knirps, alle 8 Stunden Schmerzmittel für die Zwuckelina. Die stillt bis jetzt nur noch in den zwei Stunden nach dem Zäpfchen und mit allerlei Tricks, etwa in der Hängeschaukel. Meine Nerven leiden gewaltig unter der Angst, am Ende mit dem Zwuckelbaby doch am Flüssigkeitstropf zu landen und unter der Hilflosigkeit beim Schmerzgebrüll des Zwuckelchens, wenn die Wirkung des Schmerzmittels nachlässt. Vermutlich hat sie ihr ganzes Leben zusammengerechnet weniger geschrieen als in den letzten zwei Tagen.

Heute früh war dann zur Abwechslung mal der Mann beim Arzt. (Es geht uns so gut. Er hat spontan frei genommen und kümmert sich um den Knirps und andere Kleinigkeiten, während ich mich ganz darauf konzentrieren kann, dem Zwuckelchen Milch einzuflößen und eventuell mal selbst gesund zu werden.) Das Laborergebnis ist da und zeigt entgegen aller Erwartungen Streptokokken, der Knirps und ich bekommen nun Antibiotikum und hoffen endlich auf Besserung. Morgen darf das Zwuckelchen auch nochmal den Hals vorzeigen, denn es könnte ja sein….

Zugegeben, das war ganz schön viel Gejammer schon wieder für einen einzelnen Blogartikel. Aber dafür gehe ich jetzt optimistisch davon aus, dass unser Krankheits-Soll für dieses Jahr endgültig erfüllt ist und meine Leser für das restliche 2012 von Krankencontent verschont werden. Außerdem ist der Knirps meiner Meinung, dass ärztlich angeordnetes Vanilleeis gar nicht mal so übel ist, und wenn jetzt das Zwuckelchen noch wieder normal stillen würde, dann könnten wir endlich den Frühling genießen, uns fällt nämlich nach den letzten Wochen so ein bisschen die Decke auf den Kopf (oder mit Knirpsworten “bitte, bitte, Papa, ich will einfach nur einkaufen gehen!”). Draußen im Garten jedenfalls blühen Krokusse und die ersten Narzissen.

Und in diesem Sinne noch: gute Besserung an alle Mitkranken.

Kindergartenwahnsinn

Der Knirps ist 3 Jahre und 25 Tage alt.

Mittlerweile ist der Knirps 3 und soll irgendwann in diesem Jahr einen Kindergarten besuchen. Grundsätzlich hatten wir auch mal den vergangenen Herbst als Startzeitpunkt im Auge, doch das verwarfen wir spätestens, als die Zwuckelina sich angekündigt hatte. Eingewöhnung und Geschwisterchen wären dann in den gleichen Monat gefallen, was uns doch ziemlich ungünstig bis unmöglich schien. Ganz abgesehen von ein paar anderen praktischen Problemchen, aber dazu später.

Nun könnte man meinen, das sei alles ganz einfach. Kind anmelden, Bescheid kriegen, hingehen. Noch dazu, wo wir hier sage und schreibe fünf Kindergärten in Kleinkind-Geh-Reichweite haben. Vier davon sind erreichbar, ohne eine Straße zu überqueren. Traumhaft? Nicht so schnell.

Wir leben nämlich in einer Stadt, in der laut offizieller Statistiken zumindest in einigen Vierteln genug Kindergartenplätze vorhanden sein sollen, in der Realität aber diese Plätze begehrter sind als ein mittelgroßer Lottogewinn. Fragt nicht, wie das sein kann. Vermutlich braucht man dazu die höheren Weihen des Beamtendienstes und eine ordentliche Portion Schönrechnerei. Unser Stadtviertel beispielsweise hat auf dem Papier eine Abdeckung von 90% für über Dreijährige, (die Stadt behauptet, die übrigen 10% wollen gar nicht in den Kindergarten), aber so genau weiß das keiner. Im Nachbarviertel liegt die Abdeckung unter 70%, so dass schon jedes dritte Kind keinen Kindergartenplatz mit drei Jahren bekommt. Wenig hilfreich ist wohl auch, dass gleich nebenan vor zwei Jahren ein nettes Neubauviertel enstand, Zielgruppe junge Familien, mit Reihenhäusern und Spielplätzen und Familienrabatt, nur die Kindergärten dort, ja, die sind immer noch nicht fertig. Kannjamalpassieren.

Hier sieht das also so aus: man meldet sich bewirbt sich bei etwa einem Dutzend Kindergärten, erhält dann mit Glück ein bis zwei Zusagen, mit Pech gar keine und kommt auf die Warteliste, deren Einträge überraschend im September mitgeteilt bekommen, dass sie nun ab übermorgen doch einen Platz haben. Oder nicht. Von Freunden weiß ich, dass der Wahnsinn sofort ein Ende hat, sobald man das Stadtgebiet verlässt. In den Vororten kann man sich angeblich manchmal sogar aussuchen, welchen Kindergarten man denn gerne hätte. Aber da wohnen wir nicht.

(Wir sollen den Platz doch einklagen? Rechtsanspruch und sowas? Gute Idee. Es wird wohl auch schon auf Androhung solcher Schritte reagiert, nur gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz in der Nähe. Und bevor wir, wie es schon anderen Eltern in diesem Fall passiert sein soll, jeden Tag 3 Stunden Fahrzeit investieren, um einen mittelprächtigen Kindergarten exakt am anderen Ende der Stadt zu bekommen, in dem unser Kind mit dem Stempel “unbequeme Rechthaber” versehen ist, warten wir lieber auf Restplätze anderswo.)

Im vergangenen Frühjahr haben wir uns diverse Kindergärten am Tag der offenen Tür angesehen. Die ersten Kandidaten flogen gleich da aus dem Rennen. Ein Kindergarten, der bei den befreundeten Eltern im Viertel einen gar nicht so schlechten Ruf hat – solange man die eine Gruppe erwischt. Wer allerdings in die zweite Gruppe kommt und damit eine bestimmte Erzieherin vor sich hat, gibt wohl spätestens nach einem Jahr auf. Wir kennen keinen, der dort freiwillig geblieben ist; man erzählt von archaischen Bestrafungen und anderen Unschönheiten. Dann war da noch der Kindergarten, der uns ebenfalls ganz gut gefiel, bis die Erzieherin am Tag der offenen Tür so richtig offen aus dem Nähkästchen plauderte. Konzept? Ach, das kann man mit 25 Kindern in der Gruppe doch eh nicht durchziehen, das schreiben wir nur so hin. Und diese Eltern da neulich, wissen Sie, haha, die wollten von uns dies und jenes wissen, die haben wir dann einfach angelogen, das war uns zu blöd, können doch nicht bei all den Kindern den Überblick behalten. Machen wir immer so. Dann sind die Eltern beruhigt, verstehen Sie? Denen erzählen wir einfach, das Kind hätte was gegessen, ist doch eigentlich egal, etc.pp.. Und schwupp, rutschte dieser Kindergarten auf die “nur wenn’s nicht anders geht”-Liste. Eine Einordnung, die uns mittlerweile von Eltern bestätigt wurde, deren Kinder dort sind.

Die übrigen entsprachen zwar nicht meiner Traumvorstellung, aber da kann man sich eventuell mal bewerben und sehen, wie das alles im Alltag funktioniert. Vier Bewerbungen also in städtischen Einrichtungen. Unsere Chancen, dort genommen zu werden, sind aber minimal. Es gibt nämlich das Konzept der Dringlichkeitsstufen. Ganz dringlich sind Kinder, bei denen das Jugendamt der Ansicht ist, das Kind sollte eher ein paar Stunden weniger zuhause verbringen. Logisch. Dringlich sind auch Kinder von alleinerziehenden Elternteilen. Außerdem sind Kinder dringlich, die Sprachförderung benötigen, weil sie bisher keinen Kontakt mit der hiesigen Landessprache hatten. Und Kinder, bei denen beide Elternteile arbeiten und daher während der Arbeitszeiten betreut werden sollten. Dann gibt es noch dringliche Kinder in speziellen Situationen – vorübergehend kranke Eltern, beispielsweise. Ach, und Kinder, die wegen der knappen Platzsituation noch nie im Kindergarten waren und schon fünf sind.

Das Konzept ist natürlich völlig richtig und gut so. All diese Familien sind dringender auf einen Betreuungsplatz angewiesen als wir. So ganz subjektiv ist es für uns aber einfach beschissen unpraktisch. Wir sind deutschsprachig, werden auch ab Herbst wieder beide in Eltern-Teilzeit arbeiten, haben mit dem Jugendamt nichts zu tun und auch sonst kein Problem. Schön. Wirklich. Die Einrichtungen nehmen da auch kein Blatt vor den Mund, nein, da sieht es natürlich schlecht aus mit einem Platz dieses Jahr, er ist ja erst drei und wir haben nur 5 Plätze pro Gruppe zu vergeben… (und ihr seht jetzt auch, warum – siehe oben – ein Kindergartenstart mit unter drei Jahren nur rosa Traumschaum ist.)

Es bleiben private Einrichtungen. In den meisten Fällen sind das Elterninitiativen, die neben einem höheren finanziellen Beitrag auch nicht unwesentliches Engagement verlangen. Mal nur Putzdienste, mal regelmäßiges Kochen für alle, mal Springer für kranke Erzieher. Als Gegenleistung erhält man meist Mitspracherecht in verschiedenen Gebieten, einen besseren Betreuungsschlüssel, andere Konzepte, engere Kontakte und etwas mehr Einblick in den Ort, an dem das eigene Kind die nächsten Jahre verbringen wird. Das ganze steht und fällt also mit der funktionierenden Zusammenarbeit der Eltern.

Kein Wunder, dass die Bewerbungsverfahren dort etwas intensiver sind. Das ist noch untertrieben; zuletzt hatte ich so viel Aufwand wohl für die Bewerbung in meinem Job. Bewerbungsschreiben, Familienfotos, Vorstellungstage, Fragerunden, Hospitationstage. Wir sind in den letzten Wochen von hier nach da gerannt und haben versucht, uns so gut wie möglich zu verkaufen. Was uns die städtischen Plätze unwahrscheinlich macht, ist für die Initiativen eher positiv: Zeit für Engagement, weil immer einer zuhause ist. Sichere Jobs und damit verlässlich fließende Beiträge. Zwei Elternteile, die sich mit einbringen können. Man stellt sich im allerbesten Licht dar, fühlt sich dabei oft außerordentlich komisch und hofft auf den Wunschplatz.

In unserem Fall haben wir nun die erste Absage, warten noch auf einen Probetag in einem anderen Haus, auf den vermutlich negativen Bescheid von der Stadt und auf die endgültige Entscheidung im Wunschkindergarten. Ja, wir hoffen, ab Herbst alle drei Wochen kochen und putzen zu dürfen, alle drei Monate die Kindergartenwäsche zu waschen und Notdienste zu schieben, alle vier Wochen auf Elternabende zu pilgern und was sonst noch anfällt. Der Lohn wäre unser Traumkindergarten, mit drei netten Betreuern auf lächerliche 16 Kinder, unfassbar viel Platz drinnen und draußen, einem Konzept nach unserem Gusto und fahrradtauglicher Entfernung.

Drückt uns die Daumen.

Bruder sein

Knirps: 3 Jahre, 12 Tage

Zwuckel: 4 Monate, 10 Tage

Viel hatte ich darüber nachgedacht, wie sich mein Verhältnis zum Knirps mit der Ankunft seiner Schwester ändern würde. Ob er mir vielleicht dadurch größer vorkommen würde, ob ich Schuldgefühle haben würde, was auch immer – alles nicht abwegig. Doch als der Knirps 6 Stunden nach der Zwuckelgeburt ins Klinikzimmer lief, da bemerkte ich zu meiner Erleichterung keinen Unterschied zum Vortag, und das ist auch bis heute so geblieben. Er war immer noch genauso klein und groß wie bisher. Nur etwas eingeschüchtert vielleicht. Er wollte sein kleines Schwesterchen sofort sehen und zu mir ins Bett klettern, aber anfassen wollte er sie zunächst gar nicht. Fast, als hätte er Angst gehabt, etwas an diesem kleinen Winzling kaputt zu machen. Erst Stunden später nahm er das Zwuckelchen ganz, ganz vorsichtig für ein erstes Familienfoto in den Arm. (Der Mann übrigens hatte dagegen diesen oft berichteten “Wow, war der schon immer so groß?”-Effekt.)

Es folgten die ersten zwei Monate zuhause, in denen wir dank Elternzeit des Mannes zu viert waren. Das war die beste Entscheidung überhaupt. So konnte ich mich wirklich von Grund auf erholen, wurde umsorgt und gepflegt und musste mich zunächst abgesehen vom Stillen um rein gar nichts kümmern. Was für ein Luxus. Während ich mit unserem pflegeleichten Zwuckelbaby also anfangs im Bett lag, später auf dem Sofa oder am PC saß, hatte der Knirps dennoch immer jemanden auch für sich (natürlich war er auch bei mir. Im Bett essen fand er sehr spannend.). Auch die Großeltern halfen kräftig aus, und ich war recht bald wieder vergleichsweise fit, so dass das ganze am ehesten eine Art sehr entspannter Familienurlaub war.

Von Anfang an liebte der Knirps das Zwuckelchen – auf eine eher ruhige und fürsorgliche Art. Er überschüttet sie nicht mit Küssen und Liebesbekundungen, aber er achtet immer darauf, dass sie alles hat, was sie braucht. In den ersten Wochen war es für ihn spannend, beim Wickeln zu helfen, ihre Sachen heranzuschleppen oder beim Stillen zuzuschauen. Er kletterte für jeden Windelwechsel auf das Regal neben dem Wickeltisch und hielt Händchen mit seiner kleinen Schwester. Das hat sich mittlerweile gelegt, es ist eben “nur” noch Alltag. Dagegen gibt es noch heute Tränen, wenn ich mit dem Zwuckelbaby nicht mit zum Einkaufen fahren will. Sie soll immer und überall dabei sein. Wenn ich sie kurz alleine in einem Zimmer ablege, um ins Bad zu gehen, dann protestiert der Knirps entweder (“Jetzt is sie doch so alleine!”) oder geht zu ihr und passt auf. Wenn man zurückkommt, findet man oft den Knirps neben dem Zwuckelchen liegen, sie schaut ihn mit großen Augen an, er streichelt unablässig über den weichen Babykopf. Er sucht ihr Spielzeug aus oder macht sich für sie zum Affen und freut sich dann, wenn das Zwuckelchen glucksend über ihn lacht. Er stellt sie stolz jedem Fremden vor und macht mal wieder Pläne, was er alles mit ihr machen wird, wenn sie größer ist. Sicher, er schiebt ihre Hand auch mal beiseite, wenn sie ihm im Gesicht herumtatschen will, aber selbst dabei ist er meist ganz vorsichtig. (Meist. In den letzten Tagen hat er zwei oder dreimal ausprobiert, wie fest man so einem Baby eigentlich in den Arm zwicken kann, aber noch hat es sie nicht gestört. Ich will mal nichts beschreien.)

Der einzige Haken am Zwuckel ist für den Knirps, dass es auch seinen Papa beansprucht. Und das scheint für ihn ein ziemliches Problem zu sein. Sobald ich das Zwuckelchen an den Mann weitergeben möchte, wird es schwierig. Er weint. Er wütet. Er jammert. Er schreit. Er klammert sich an Arme und Beine. Er argumentiert. “Ich brauche aber beide Papas Arme!”, heißt es dann. Oder “Ich kann aber nicht warten, bis ich wieder zu Papa darf!” Es spielt keine Rolle, ob er die Stunden davor alleine mit seinem Lego verbracht hat oder auf Papas Schoß; sobald das Zwuckelbaby ins Spiel kommt, springt er auf und muss ganz unbedingt jetzt und sofort zum Mann.

Probiert haben wir vieles, geholfen hat wenig. Mehr Zeit mit Papa alleine, mehr Zeit mit Mama alleine, mehr Zeit zusammen mit dem Zwuckelchen, mehr Aufgaben, mehr Ablenkung, mehr Kuscheln, mehr “einfach durchziehen” – die Auswirkungen sind eher bescheiden. Die Eifersuchtsanfälle sind dazu wie jede Kleinkindlaune stark abhängig von Hunger und Müdigkeit. Ein ausgeschlafener und frisch bekochter Knirps verkündet zu unserem Erstaunen schon mal großzügig, dass der Mann mir doch bitte jetzt mal das Zwuckelchen abnehmen solle. Ein müder und hungriger Knirps dagegen kann sich schon bei Ankündigung derselben Situation heulend und schluchzend für zehn Minuten auf dem Fußboden wälzen, ohne uns an ihn heran zu lassen. Wir halten uns also tunlichst an eine der wichtigsten Regeln für dieses Alter: rechtzeitig für Schlafmöglichkeit sorgen und Essen anbieten, alles andere kommt danach.

Am besten klappt noch (wie immer), ihn stark in die Entscheidungen mit einzubeziehen. Also dem Mann nicht das Zwuckelchen in den Arm zu drücken, sondern den Knirps vorzuwarnen, dass ich gerne irgendwann in nächster Zeit duschen möchte, und dann ihn direkt zu fragen, wann das Baby denn zu Papa kann. Meistens schlägt er dann von sich aus vor, dass er nur noch dieses Buch fertig lesen will und dann würden die beiden gemeinsam mit dem Zwuckelbaby spielen. Gelegentlich nutzen wir auch heimlich seine fürsorgliche Ader aus: wenn ich das Zwuckelchen mehr oder weniger kommentarlos ablege und der Mann sie dann zu sich nimmt, sobald sie meckert, dann ist das für den Knirps im Gegensatz zur direkten Übergabe oft gar kein Problem. Und wenn der Mann sie erst mal im Arm hat, dann funktioniert das in den meisten Fällen glücklicherweise auch für längere Zeit, gerne auch stundenlang. Aber all das sind natürlich keine Lösungen mit Erfolgsgarantie.

Die positive Seite der Medaille ist, dass es in meine Richtung überhaupt keine Eifersucht gibt. (Wenn ich ganz schlecht drauf bin, nehme ich das persönlich, nach dem Motto Oh Gott, mein Kind liebt mich nicht!, aber das ist natürlich Unsinn.) Das erleichtert unseren Alltag doch gewaltig. Er wartet, wenn sie stillen will, er bringt mir Dinge und hilft wirklich mit. Sie ist eben einfach immer dabei. Allerhöchstens besteht er mal darauf, dass ich ihm zuerst ein Brot zum Frühstück schmiere und dann zum Wickeln gehe, aber das ist wohl mehr Hunger als Eifersucht. Ich darf, nein, ich soll sie jederzeit zu mir nehmen. Er beschwert sich sogar, wenn sie ausnahmsweise morgens so fest schläft, dass ich sie noch im Bett liegen lassen möchte und mit ihm ganz alleine aufstehen will.

Die Frau Gminggmangg hat dafür eine recht schlüssige Erklärung vorgebracht: dass das Baby mich braucht, weil es stillen muss, steht für den Knirps außer Frage, ganz logisch. Aber wozu, zum Teufel, nimmt es dann auch noch den Papa in Beschlag? So erklärt er das auch selbst, wenn man ihn danach fragt. “Zwuckelchen kann doch zur Mama gehen“, meint er dann. Zusätzlich war der Knirps schon seit dem Abstillen ganz Papakind. Nur Papa soll ins Bett bringen, Papa soll trösten, Papa soll vorlesen. War uns natürlich in der Schwangerschaft ganz recht, weil ich eh wenig konnte. Und jetzt, seit meiner Elternzeit, ist sein heißgeliebter Papa nicht nur drei, sondern fünf Tage pro Woche in der Arbeit. Vorhin hatte er ihn an 3 Tagen rund um die Uhr ganz allein für sich, jetzt sieht er den Mann abends drei Stunden und muss ihn dann auch noch teilen. Da gibt es schon auch tagsüber mal Tränen, weil jetzt sofort der Papa verfügbar sein soll – das ist neu für uns, das gab es in den drei Jahren geteilter Elternzeit sonst nie. Aber wer würde bezweifeln, dass ein neues Geschwisterkind eine wirklich riesige Änderung ist? Und was sind schon vier Monate Zeit für eine Umstellung?

In den letzten zwei Wochen hatten wir eine lange Phase ganz ohne Probleme und nur ein paar Tage mit vereinzelten Tränen, wenn die Zwuckelina beim Papa war. Ich traue mich noch nicht zu sagen, dass es wirklich endgültig besser wird – aber zur Zeit ist es zumindest entspannter. Vermutlich müssen wir die Phase einfach aussitzen, bis der Knirps voll und ganz mit dieser neuen Situation im Reinen ist. Eigentlich wie mit allen Phasen. Sie werden irgendwann miteinander spielen und miteinander streiten. Es wird mal wieder schwieriger sein und dann wieder einfacher. Aber wir zweifeln keine Minute daran, dass es gut so ist. Sie für ihn, er für sie und die beiden für uns. Geschwister eben.

Fast Drei

Knirps: 2 Jahre, 11 Monate, 30 Tage alt.

Etwa zwanzigmal täglich wurde uns in der vergangenen Woche die Frage gestellt: “Is jetzt mein Deburtstag?”, oder auch “Wie lang dauert es noch bis zu meinem Deburtstag?”, oder auch als Feststellung “Ich tann aber nicht mehr warten, bis mein Deburtstag ist!

Einen Tag noch. Dann ist der Knirps unfassbare 3 Jahre alt. Das bedeutet allerdings auch, dass er vor gerade mal einem Jahr noch ein klitzekleiner Einjähriger war; die Fotos bestätigen das. Winzig und kleinkindlich war er im Vergleich.

Die Geschenke sind besorgt. Das war gar nicht so einfach, denn Wünsche hat der große kleine Mann fast gar keine. Er wünscht sich nur seit Monaten schon einen Schokoladenkuchen zum Geburtstag – mit Schokolade auch oben drauf! – und seit neuestem auch noch einen Haken für die große Küche, zum was Dranhängen, so wie bei meiner kleinen Spielküche.

Den Kuchen kriegt er natürlich. Weil mir die besten Ideen immer kurz vor knapp kommen, werde ich mich auf gut Glück und freihand an einem Grüffelo-Kuchen versuchen – Schokoladenkuchen, eine Schokoladenganache für das Fell, Bananen für die Hörner und Zähne, getrocknete Aprikosen für die Augen… wir werden sehen. Vielleicht drucke ich mir ja auch noch ein bisschen Grüffelodekoration. (Leicht zu erraten, was nun seit über einem Jahr eines der absoluten Lieblingsbücher für den Knirps ist.)

Dazu gibt es eine Packung Baufix-Konstruktionsspielzeug (glücklicher Flohmarktfund), weil er ein wirklich begeisterter Baumeister ist. Noch wird er hauptsächlich planlos damit schrauben und nichts aufwendiges bauen, aber mit der Zeit ganz bestimmt. Und eine Plastik-Babypuppe. Jahaa! Er hat zwar eine wirklich schöne, von Oma handgenähte Puppe nach Waldorfart, mit der er auch sehr gerne spielt. Er zieht sie an, tröstet und füttert sie, nimmt sie manchmal mit ins Bett und trägt sie gelegentlich im Puppen-MeiTai durch die Gegend. Aber dennoch sind für ihn die Plastikpuppen etwas anderes. Im Mütterzentrum schleppt er diese Dinger begeistert mit sich herum und würde sie am liebsten mit nach Hause nehmen. Interessant auch sein Sprachgebrauch: die Stoffpuppe ist für ihn eine Puppe, die Plastikpuppen sind Babys. Ein Baby also für den Knirps. Wie oben schon, ich und die Last-Minute-Ideen: heute nachmittag habe ich der Puppe erstmal eine hübsche weiße Cordhose genäht und nur ein bisschen dabei geflucht, obwohl ich eigentlich gar nicht nähen kann, und heute nacht irgendwann sollte noch ein Shirt folgen, wenn der Kuchen fertig ist und die Wohnung aufgeräumt ist. Mehr Puppenkleidung dann doch eher nächste Woche.

Achja, und ein ordentlicher Stapel Geschenke von Großeltern, Urgroßeltern, Tanten, Onkels liegt da auch noch. Ich vergesse einfach für morgen, dass ich zur Vorbeugung von Geschenkefluten um “nur ein Geschenk pro Partei” gebeten habe und freue mich, dass so viele Leute ihm eine Freude machen wollen. Andersrum wäre schlimmer.

Ursprünglich hat der Knirps steif und fest behauptet, nur mit Oma und Opa feiern zu wollen. Keine Kinder? Keine Kinder. Auch nicht auf konkrete Nachfrage. Und wir wollten ihm keine Kinderparty aufdrücken, die er nicht will, dafür wird in den nächsten Jahren noch genug Zeit sein. Allerdings können sich solche Meinungen mit knapp drei auch mal über Nacht ändern. Glücklicherweise haben wir noch einmal beiläufig nachgefragt, denn seither müssen ganz unbedingt zwei Spielgruppen- bzw. Spielplatzfreunde zum feiern kommen. Wird gemacht, ganz ohne Programm, einfach nur mit Kuchen und Obstspießen und dem Kinderzimmer. Fast hätte es allerdings noch ein kleines Drama gegeben, weil einer der beiden Eingeladenen wieder abgesagt hat. Viele dicke Knirpstränen und ein Telefonat später ist geklärt: der Freund kommt doch und wir halten uns vom kranken fast schon wieder gesunden kleinen Geschwisterchen einfach ein wenig entfernt.

Jetzt liegt er schon im Bett, das kleine Fast-Geburtstagskind, und wir starten jetzt erst so richtig durch mit unseren Vorbereitungen. Und wenn er wieder aufwacht, ist er Drei. Drei Jahre . Ich glaube, ich bin mindestens so aufgeregt wie er.