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Nachgeholt

Knirps: 3 Jahre, 28 Tage

Zwuckel: 4 Monate, 26 Tage

2011 war der Knirps nicht ein einziges Mal krank. Ganz egal, wie oft er zum Spielen nackt auf dem kalten Küchenboden lag (Kleidung ist doof, meint er), egal, wie oft wir uns meist unabsichtlich mit anderen kranken Kindern getroffen hatten (zuhause bleiben ist doof, meinen wir alle), egal, wie oft er im Winter ohne Mütze oder gar ohne Jacke nach draußen wollte (Winterkleider sind doof, meinen der Knirps und ich). Maximal hat er ein wenig geschnupft. Vielleicht sogar mal gehustet, das weiss ich nicht mehr so genau. Jedenfalls gab es über 15 Monate lang keine Medikamente, Fieber, Schmerzen oder Kinderarztbesuche. Durchaus angenehm. Der Mann hat übrigens in der Zeit so ziemlich jede Erkrankung mitgenommen, die uns über den Weg lief.

Irgendwann muss so eine Glückssträhne ja vorbei sein. Hier hat sie vor vier Wochen geendet. Ich schiebe die Schuld entweder auf den (gesunden) Besuch in der Kinderarztpraxis für die beiden Vorsorgeuntersuchungen oder auf die vielen Kindergeburtstage, zu denen der Knirps im Februar eingeladen war. Irgendjemand muss ja schuld sein.

Es begann mit einer fiebrigen Erkältung beim Knirps und mir. Wir mussten erst mal das Thermometer suchen, Fiebermedikamente waren ebenfalls abgelaufen. Die Erkältung war noch nicht durch, da fing sein Auge an zu schmieren. Blühende eitrige Bindehautentzündung auf beiden Augen, die verordnete Augensalbe ließ er sich zu meinem riesigen Erstaunen vier mal täglich ohne einen Mucks verabreichen. Drei Tage später durfte ich dann auch salben. Parallel fingen wir an, wieder ordentlich zu husten. Der Mann übrigens immer noch gesund, das Zwuckelchen zum Glück auch. Nächster Fieberinfekt, alles nicht tragisch, nur mittlerweile etwas nervig. Augen und Husten sorgten für die ersten Arztbesuche.

Dann kamen Halsschmerzen auf meiner Seite. Solche aus der Hölle, mit Schluckbeschwerden und Wachliegen. Das kann eigentlich gar nicht mehr so weh tun, sprach der Arzt mit Blick auf meinen unroten Hals (wie ich solche Sätze liebe!) und tippte wegen schlechter Blutwerte und Atemnot dazu auf Bronchitis. Einige Tage später verweigert der Knirps nach einer erneuten Fiebernacht jedes Essen außer kalter Milch und Joghurt und sagt, das würde alles brennen. Ein Blick in den Mund zeigte Aphten an den Lippen, Aphten in den Backen und Aphten am Gaumen. Ich weiß nur zu gut, wie sehr schon ein einzelnes Ding davon weh tun kann und ließ den Mann mehr kaltes Joghurt und Eis besorgen. Natürlich war Wochenende.

Zwei Tage später – wir werden mittlerweile in der Gemeinschaftspraxis von Allgemein- und Kinderarzt als alte Bekannte begrüßt – findet die Ärztin beim Knirps eine lehrbuchreife eitrige Mandelentzündung, wettet auf Streptokokken, hat das Penicilin-Rezept schon in der Hand, der Schnelltest sagt aber, keine Streptokokken. Ich darf praktischerweise wegen der anhaltenden Halsschmerzen auch gleich einen Rachenabstrich für’s Labor hinterlassen, der Arzt ist sich nach einem Blick in den Hals aber sicher, dass ich keine Streptokokken habe, und wir werden gewarnt, gleich wiederzukommen, falls auch das Zwuckelchen Krankheitsanzeichen zeigt. Das war Montag morgen.

Montag nachmittag hat das Zwuckelchen knapp 39 Grad Fieber und ich bin mal wieder amüsiert über das gut funktioniernde Mama-Hand-Thermometer, während der Mann meinte, die wäre doch gar nicht warm. Nach einigem Hin und Her und einem Anruf beim Arzttelefon sind wir vorsichtshalber in die Klinikambulanz gefahren, mit so kleinen Winzlingen und irgendwelchen unbekannten Erregern wollte ich nicht lange fackeln.

Kinderklinik ist ja jetzt grundsätzlich nicht so wundervoll, aber diese Klinik hat im Wartebereich immerhin ein Kinderkarussell stehen. Kein Spielplatzkarussell, sondern so ein kleines Rummelplatzteil, mit Pferdchen und Schwänen und Bären. Und das beste: ganz umsonst und mit einem An- und Aus-Knopf für die Kinder. 243 Karussellrunden und zweieinhalb Stunden später torkelt der müde Knirps nur noch so durch die Gegend, beim Zwuckelchen wird außer Fieber und mittlerweile leichtem Ausschlag nichts relevantes gefunden, also wird noch Urin verlangt. Nach gefühlten Stunden hat das Zwuckelbaby erfolgreich am aufgeklebten Urinbeutel vorbeigepieselt, die restlichen drei Mililiter werden getestet, während der Knirps auf dem Karussellpferd hängt und fast schläft. Um uns herum unfassbar viele Kinder, denen ein Elternteil die Brechschale hinhält, während das andere Elternteil ihnen rosa Elektrolytflüssigkeit mit dem Löffel einflößt. Die Herren Rota und Noro sind wohl in der Stadt, wir beten, dass dieser Kelch diese Kotzschüssel wenigstens an uns vorübergeht und lassen den Knirps dort drei mal gründlich die Hände waschen.

Das Urinergebnis ist dann schließlich schlecht, aber selbst die anwesende Ärztin hält den Blasenkatheter, den sie nun offiziell empfehlen muss, für etwas übertrieben und tippt auf verunreinigte Probe. Also alle ohne weiteren Befund zuhause. Am nächsten Morgen schafft es das Zwuckelchen übrigens, zwei weitere Urinbeutel nur von außen komplett nasszumachen und dabei einmal auch noch mich und sich selbst umziehreif einzupieseln, doch der Beutel bleibt leer. Die Nacht dagegen sprach sowieso gegen Harnwegsinfekt, denn sobald wir aus der Klinik zuhause waren, verweigerte die Zwuckelina das Stillen. Wobei Verweigern wohl der falsche Begriff ist: sie wollte trinken, versucht, lässt nach einem Schluck schreiend los und brüllt dann minutenlang. Nach einigen Stunden brüllte sie schon beim Anblick der Brust ohne Stillversuch, während wir mit mäßigem Erfolg versuchen, dem Fieberbaby gepumpte Milch mit dem Löffel einzuflößen. Wie ich schon hier und da erwähnte – seit dem Klinikaufenthalt mit dem Knirps reagiere ich auf hohes Fieber und Flüssigkeitsverweigerung leicht panisch. Nennen wir es mein persönliches kleines Kliniktrauma.

Morgens endlich die Idee, ihr Schmerzmittel zu geben, weil sie eben auch einfach unsere Halsschmerzen haben könnte, und tatsächlich: keine halbe Stunde nach dem Zäpfchen trinkt sie endlich, lang und gierig. So ging der Dienstag weiter; Vanillejoghurt für den Knirps, alle 8 Stunden Schmerzmittel für die Zwuckelina. Die stillt bis jetzt nur noch in den zwei Stunden nach dem Zäpfchen und mit allerlei Tricks, etwa in der Hängeschaukel. Meine Nerven leiden gewaltig unter der Angst, am Ende mit dem Zwuckelbaby doch am Flüssigkeitstropf zu landen und unter der Hilflosigkeit beim Schmerzgebrüll des Zwuckelchens, wenn die Wirkung des Schmerzmittels nachlässt. Vermutlich hat sie ihr ganzes Leben zusammengerechnet weniger geschrieen als in den letzten zwei Tagen.

Heute früh war dann zur Abwechslung mal der Mann beim Arzt. (Es geht uns so gut. Er hat spontan frei genommen und kümmert sich um den Knirps und andere Kleinigkeiten, während ich mich ganz darauf konzentrieren kann, dem Zwuckelchen Milch einzuflößen und eventuell mal selbst gesund zu werden.) Das Laborergebnis ist da und zeigt entgegen aller Erwartungen Streptokokken, der Knirps und ich bekommen nun Antibiotikum und hoffen endlich auf Besserung. Morgen darf das Zwuckelchen auch nochmal den Hals vorzeigen, denn es könnte ja sein….

Zugegeben, das war ganz schön viel Gejammer schon wieder für einen einzelnen Blogartikel. Aber dafür gehe ich jetzt optimistisch davon aus, dass unser Krankheits-Soll für dieses Jahr endgültig erfüllt ist und meine Leser für das restliche 2012 von Krankencontent verschont werden. Außerdem ist der Knirps meiner Meinung, dass ärztlich angeordnetes Vanilleeis gar nicht mal so übel ist, und wenn jetzt das Zwuckelchen noch wieder normal stillen würde, dann könnten wir endlich den Frühling genießen, uns fällt nämlich nach den letzten Wochen so ein bisschen die Decke auf den Kopf (oder mit Knirpsworten “bitte, bitte, Papa, ich will einfach nur einkaufen gehen!”). Draußen im Garten jedenfalls blühen Krokusse und die ersten Narzissen.

Und in diesem Sinne noch: gute Besserung an alle Mitkranken.

Klinikwahl: das war einfach

So, gestern abend dann der zweite Infoabend. Neue Klinik, gleicher Ablauf: Kreissäle besichtigen, Wochenstation bewundern, Vortrag anhören, Fragen stellen. Nur Proben gab es diesmal keine (mist, wo doch unsere Probe vom Dehnungsstreifen-Massageöl gerade eine Woche gereicht hat..).

Und ich bin erleichtert, dass mir die Klinik viel besser gefallen hat als die erste. Wir schauen uns vielleicht noch ein oder zwei andere an, aber ich denke, dort könnte ich mir die Entbindung ganz gut vorstellen:

  • hellere und größere Kreissäle (mit Fenster! Ha!)
  • Uniklinik, also medizinisch gut versorgt
  • ganz toll: Beistellbetten für die Kleinen, also richtig zum Bett offene, auf der Wochenstation
  • maximal Zweibettzimmer, solange noch Zimmer frei sind, werden sie als Einzelzimmer belegt
  • große Wochenstation: 16 Doppelzimmer mit Alpenblick statt 5 winzige Dreierzimmer
  • wenn nicht gerade alles belegt ist, kann man den Vater für die Nacht “dazubuchen” – flexibles Familienzimmer also, und ich wäre nicht alleine!
  • es gibt eine Wanne (ich will zwar keine Wassergeburt, aber so zur Entspannung..)
  • die Hebammen arbeiten viel mit Aromatherapie, Kügelchen, Akupunktur.. ich nehm alles, was hilft..
  • es gibt Parkplätze. Unschlagbarer Vorteil im Vergleich zu fast allen anderen Münchner Kliniken.
  • Besuchszeiten sind für Väter rund um die Uhr (wörtlich), für andere auf nachmittags beschränkt – super Lösung
  • Zusatzuntersuchungen für die Knirpse: einmal in den ersten 24 Stunden zusätzlich zur normalen U1, außerdem Hüftultraschall und Stoffwechseltest (wäre schlau, da ich meinem Knirps sowohl kaputte Hüften wie auch kaputte Schilddrüse vererben könnte). Gab’s in der anderen Uniklinik nicht.

Klingt doch richtig gut, oder?

Klinikwahl, die erste

Ich bin seit heute in der 24. Schwangerschaftswoche.

Langsam aber sicher wird es Zeit, sich zumindest einmal unverbindlich nach einer geeigneten Entbindungsklinik umzuschauen. Auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin, wäre das ja noch relativ einfach: fahre ich 20 km in die Richtung, 30 km in die andere oder 40km zur nächsten Uniklinik? Aber hier in München hat man die Qual der Wahl. Es gibt eine ganze Menge Kliniken, die in Frage kommen, und da sich offenbar das Geschäft mit Entbindungen lohnt, buhlen diese auch mit ausführlichen Infoabenden und weiteren Angeboten um die zukünftigen Mütter.

Für mich gibt es zunächst mal ein ganz wichtiges Kriterium: es kommen nur Krankenhäuser in Frage, die über eine Neugeborenen-Intensivstation verfügen. Damit scheiden so einige kleinere Kliniken aus, Geburtshäuser und Hebammen-Geburtspraxen sowieso. In dieser Hinsicht bin ich Sicherheitsfanatiker; wenn alles gut geht, wunderbar, aber für den unwahrscheinlichen Fall dass nicht, möchte ich mich und mein Kind sofort versorgt haben.

Die weitere Auswahl ist schon schwieriger: richtet man sich nach der Atmosphäre? Der Kreissaaleinrichtung? Der Wochenstation? Oder einfach nach Entfernung von zu Hause bis zur Klinik? Immerhin habe ich auch nach dem oben genannten Ausschlußkriterium noch mindestens 6 oder 7 Kliniken zur Auswahl. Also waren wir vorgestern beim ersten Infoabend im Rechts der Isar.

Erst mal war ich überrascht: ich hatte mit einer kleinen, kurzen Veranstaltung gerechnet; stattdessen saßen dort geschätze 80 Schwangere mit oder ohne Partner, die sich den ausführlichen Vortrag von Hebamme, Stationsarzt und Kreissaalärztin angehört haben. Manches hat man auch sonst wo gelesen und war eher allgemein gehalten, anderes war speziell zur Klinik und damit sehr interessant. Anschließend konnte jeder ganz konkrete Fragen stellen: wie hoch ist hier die Dammschnittrate? Wann muss ich mich anmelden? Die Werbemaschinerie ist nebenbei auch schon angelaufen, es gab Säfte von Hi.pp und Unmengen von Infobroschüren und Pröbchen zum mitnehmen.

Die fachlichen Infos haben mich recht positiv gestimmt; Dammschnitte werden so weit wie möglich vermieden, die Uniklinik ist natürlich auf alle möglichen Eventualitäten gut eingestellt, soweit alles ganz gut. Die Kreissäle befinden sich nach einem Umbau (sah alles recht neu aus) im Keller; nicht gerade Wellnesshotel, aber ich denke, das wird mir in dem Moment sowas von egal sein. Abgeschreckt hat mich aber dann die Wochenstation: Dusche und WC sind auf dem Gang (gut, das ist leider oft der Fall), alles ist nicht gerade neu und hübsch (auch da will ich von einem Krankenhaus nicht zuviel verlangen, aber es macht eben einen düsteren Eindruck) und: Besuchszeiten sind von 9-10:30 und von 14-21 Uhr. Anscheinend auch für Väter! Das hat mich unglaublich abgeschreckt. Ich will ja am liebsten sowieso ambulant entbinden, aber wenn das nicht klappt, dann kann ich mir absolut nicht vorstellen, dass ich in so einer Extremsituation kurz nach der Geburt meinen Allerbesten über Mittag wieder wegschicken muss, egal wie es mir geht…Noch dazu habe ich schon öfter gelesen, dass die Unterstützung zum Stillen und so weiter auf der Wochenstation nicht die beste ist.

Fazit: nächste Woche kommt die nächste Klinik dran. Wir haben ja Zeit.