Tagebuchbloggen. Dienstag.

Eigentlich dachte ich zunächst, der Montag würde als exemplarischer Kindertag ausreichen, andererseits: wenn schon belanglos bloggen, dann so richtig. Also heute wieder.

Dienstag ist mein zweiter Zuhausetag mit den Kindern. Also im Grunde alles wie Montag, nur manchmal ein bisschen anders.

Heute beispielsweise war der Mann nicht schon weg, als wir aufstanden, weil er verschlafen hatte. Der Knirps bettelte um Aufstehen, was ich erst mit einem Hinweis auf tiefste Nacht abwehren wollte, dann aber zugeben musste, dass wir 5 min vor Weckerklingeln waren. Er war dennoch gut gelaunt, aber nicht ganz so blendend wie gestern und etwas mehr in Trödelverfassung. Dennoch: ein recht entspannter Morgen für alle. Viertel nach 8 aus dem Haus, Zwuckel („HopHop!“) auf den Rücken gepackt und uns zum Kindergarten aufgemacht. Dass heute der Mann die übertragbare Monatskarte hatte, ich prompt das Stempeln vergaß und damit schwarz fuhr, fiel mir erst später auf. Glück gehabt.

Von dort ging es auf direktem Weg zurück, diesmal mit Tragezwuckel, weil offensichtlich müde. Kaum daheim, schlummerte sie weg – wie üblich beim Stillen – und ich übermütiges Ding startete einen weiteren Ablegeversuch. Erfolgreich. 1,5 Stunden im Bett. Da tut sich was beim Schlafen zur Zeit. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Meine freie Zeit? Spülmaschine, PC, getwittert, Tagebuchblogger und sehr traurige Blogs gelesen. Was sind schon 90 Minuten. Zum Mittagessen ein paar kleine Kartoffeln mit ordentlich Öl und Rosmarin in die Pfanne geworfen, Gurkenstücke zum Knabbern dazu. Festgestellt, dass hungrige 1-jährige wirklich unbeirrbar immer wieder die nicht-mehr-zu-heiße-aber-doch-noch-sehr-warme Kartoffel in den Mund stecken, aber selbst beim fünften erschrockenen Ausspucken nichts dazu lernen.

Davor und danach außerdem, man verzeihe mir die fehlenden Minutenangaben: mit Zwuckel Klavier geklimpert; zweimal Weihnachten im Stall vorgelesen („Beeebi! Bebi! Tuuuh!“); beide Kloschüsseln mit Zitronensäure entkalkt (das Münchner Wasser sorgt zwangsläufig für enormen Säureverbrauch); geblödelt, viel; verliehene und zurückerhaltene Babywäsche sortiert und kurzzeitig geärgert, weil da tatsächlich Oberteile mit verkrusteten Breiresten dabei waren; den Plastikmüllbehälter wieder eingeräumt, den Zwuckel ausgeräumt hatte, die währenddessen aber die Handschuhkisten im Flur auskippte, die ich dann wieder einräumte, während sie alle Plastikteller und restliche Senseo-Kaffeepads im Wohnzimmer verteilte, etc.pp.; diverse Tassen Espresso getrunken; lustlos Dinge in der Küche von rechts nach links geschoben; die Glastür zum Wohnzimmer mit Zwuckel geputzt, ich auf der einen Seite, sie mit geschätzten drei Metern selbstabgerollter Küchenrolle (ichbinganzentspannt) auf der anderen; vergessen, was ich sonst noch gemacht habe. Wie gestern eben, nur anders.

Wieder kurz nach 2 zum Knirpsabholen aufgebrochen. Ich war fest davon überzeugt, gestern wie heute zur selben Zeit losgegangen zu sein, aber gestern war ich 20 min zu früh, heute kam ich gerade so zwei Minuten vor Kindergartenschluss noch an. Neue Kochdienste für die nächsten Wochen eingetragen. Dem Knirps einen Laugenzopf gekauft (Kindergarten macht so schrecklich hungrig). Immer noch müdes Tragezwuckelchen erfolgreich auf dem Rücken behalten, so dass wir schon nach fast rekordverdächtigen 45 min zuhause waren, und das inklusive Baggerbestaunen. Wie schon die letzten Tage ist der Knirps direkt ins Bett gewandert und fast auf der Stelle alleine eingeschlafen. Seit er neulich krank war, Grippe oder sowas ähnliches, eine Woche lang hoch Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen, seither jedenfalls ist er eigentlich dauernd müde. Mir geht es ganz ähnlich, daher großes Verständnis.

Wir dödeln irgendwas vor uns hin, bis wieder kurz nach halb 6 der Mann nach Hause kommt. Wieder Küche fertig machen, Pellkartoffeln aufsetzen, Fisch in den Ofen schieben, Karottensalat durch die neue und schon heißgeliebte Küchenmaschine jagen. Pünktlich zum Abendessen (wir wissen ja: wenn er aufwacht, dann nach recht genau drei Stunden) wird der Knirps gegen 7 wach. Wieder schlecht gelaunt. Liegt vielleicht an der Dauermüdigkeit zur Zeit. Oder ihn drückt sonst irgendwo der Schuh. Jedenfalls zwei astreine Riesenwutanfälle, noch bevor er zu essen beginnt, es ging, glaube ich, um falsche Becher und zerfallende Fischstücke und falsche Sitzplätze. Man weiß es nicht so genau, weil es natürlich um diese Sachen eigentlich überhaupt nicht geht. Irgendwann (man lese: nach einer guten halben Stunde) beruhigt er sich und erzählt auf vorsichtige Nachfrage vom Kindertheater, das sie letzte Woche mit dem Kindergarten besucht hatten, von Figuren, die ihm womöglich etwas Angst gemacht hatten, aber nur ein bisschen. Vielleicht war es das. Vielleicht auch was anderes, da gäbe es die ein oder andere Option zur Zeit. Wir werden das wohl die nächsten Tage erleben.

Nach dem Essen fällt Zwuckel müde mehr oder weniger in meinem Arm um, der Knirps trödelt noch ein wenig vor sich hin, wird bettfertig gemacht, bekommt Pippi vorgelesen, alles wie gestern. Einschlafen kann er heute aber nicht so einfach, also geht der Mann irgendwann raus und lässt die Tür halb offen. Auch das ist eine recht neue Errungenschaft hier, kam von alleine, kommt immer öfter: abends alleine einschlafen können. (Ich denke, er schläft jetzt, zumindest hören wir nichts mehr von ihm.) Wir beide sitzen noch mit Armschlafzwuckel im Wohnzimmer, der Mann kruschtelte erst irgendetwas, übernahm dann Zwuckel, las noch, ich schrieb hier, nein, ich schreibe noch, er schläft da hinter mir fast ein und deshalb: gute Nacht. Dienstag vorbei.

Tagebuchbloggen. Montag.

Die Frau Brüllen hat gefragt , was wir denn eigentlich so den ganzen Tag machen. Da dachte ich, das wäre der perfekte Anlaß, um so zu tun, als wäre nichts gewesen und sich unauffällig einzureihen. (Blogpause? wer? wo?) Muss man ja nur beschreiben, wenig denken, nichts kreatives oder hochintellektuelles, da lässt sich ganz gut ausprobieren, ob meine alten Blogfinger vor lauter Rost schon knarzen.

Also. Was mache ich den ganzen Tag?

Montag ist für mich Kindertag. Wenn unser Wecker um 6:45 klingelt, dann ist der Mann schon längst zur Arbeit verschwunden. Im Idealfall ist dabei keiner aufgewacht. Heute ist ideal. Der Knirps kuschelt sich müde an mich, während ich nicht minder müde zweimal die Snooze-Taste drücke. Zwuckel schnarcht tief und fest, also lasse ich sie liegen und kann mich ganz dem großen widmen – das passiert selten genug. Der wiederum ist offenbar ausgeschlafen und gut gelaunt, zumindest springt er alleine in Richtung Klo, statt nach Begleitung zu jammern. Ein guter Start.

Es ist also kurz nach 7. Mein mittelperfektionistischer Mann hat wie immer am Vorabend den Kindern Kleidermännchen auf dem Sofa parat gelegt und den Frühstückstisch vorgedeckt. Wir müssen uns also nur noch setzen und anfangen. Die blendende Knirpslaune besteht weiterhin, was keineswegs selbstverständlich ist; an manchen Montagen könnte ich zu dieser Zeit schon vom dritten Wutanfall berichten. Oder von sich kratzenden Geschwistern. Aber nein, heute alles friedlich, er schmiert sich also sein Honigbrot selbst, die Milchmenge im Becher ist die richtige und wir beide frühstücken gemütlich vor uns hin. Bis Zwuckel aus dem Schlafzimmer ruft. Mittlerweile ist es halb 8 und wir sind alle drei im Schlafanzug. Während also auch Zwuckel ihr Brot knabbert, zieht der Knirps sich an. Alleine und ziemlich schnell, er meint zwar, er würde einen Anziehwettbewerb mit mir veranstalten, achtet aber dabei nicht mal auf meine Teilnahme. Die gute Laune heute, ich wiederhole mich, an anderen Tagen… Eigentlich wollte ich morgens noch schnell die Spülmaschine erledigen, sprich, die dreckigen Geschirrberge vom Vorabend beseitigen, aber ohne Aufsicht springt mir Kamikazezwuckel gern mal seitlich vom Stuhl, also wird das verschoben. Der Knirps verwundert erfreut mich weiter, indem er unaufgefordert schon mal Zähne vorputzen geht. Alleine. Am Ende jedenfalls schaffen wir es alle um 20 nach 8 aus dem Haus, vollständig angezogen, gewaschen und mit sauberen Zähnen und mit nur einmal umdrehen, weil ich von außen das zum Lüften offene Schlafzimmerfenster sehe.

Unser täglicher Weg zum Kindergarten besteht aus 25 min Fußweg, 1 Station U-Bahn und nochmal 15 min Fußweg. Ohne Kinder kann man von beiden Fußwegen gute 10 min abziehen. Mit selbstlaufendem Zwuckel kann man auf beide Fußwege gute 20 min dazurechnen. Das zusammen mit der Tatsache, dass wir gegen 9 im Kindergarten sein sollten, ist der Grund, wieso ich sie jetzt nicht wie erwünscht laufen lasse, sondern auf den Rücken packe. Kleiner, empört schimpfender 11kg-Rucksack („auch! auch!“).

Um kurz vor 9 lassse ich mich wie fast immer von einem freudestrahlenden Knirps aus der Kindergartentür schubsen. (Kleines, feines Abschiedsritual. Und übrigens: es wurde dann doch noch der Traumkindergarten. Aber das ist eine andere Geschichte.) Zwuckel wäre lieber ebenfalls geblieben („auch! auch!“), erinnert sich aber sofort dann daran, dass ich ihr vorher „selberlaufen“ versprochen hatte und nimmt das sehr wörtlich, inkl. kleinem Fußstampfwutanfall, weil sie über die Straße nicht ohne meine Hand darf und schlußendlich doch getragen wird. Wir kaufen im Supermarkt, der so praktisch vor dem Kindergarten liegt, die Kleinigkeiten ein, die beim Samstagseinkauf vergessen wurden/unerwartet schnell verbraucht wurden/aus anderen Gründen fehlen. Butter, Sahne, etwas Gemüse und Schokolade. Dann stapft Zwuckel stolz voran, während ich versuche, sie von Straßenrändern und Fahrradwegen fernzuhalten. Unterwegs bestaunen wir eine Kanalreinigung, glatte 5 Minuten lang, einen Bagger, diverse Steine, Streusplit und Stöcke und einen dicken Begrenzungsstein, der sie als Sitzgelegenheit so sehr fasziniert, dass sie noch siebenmal wieder zurücklaufen und sich noch einmal hinsetzen muss. Aber wir haben ja Zeit und zuhause wäre es nicht wirklich einfacher, sie zu beschäftigen, wir hätten nur weniger Frischluft. Dann wieder U-Bahn, für den letzten Wegteil aus purer Faulheit Bus, und wir sind viertel nach 10 wieder daheim.

Wenn ich mit nur einem Kind – also meist: mit Zwuckel – alleine daheim bin, plätschert alles so dahin. Ich räume hier ein bisschen den Tisch ab und wische dort kurz das Waschbecken, das ich beim Badputz vergessen hatte, denke mir Beschäftigungen für Zwuckel aus und trinke aus von ihr gereichten Bechern imaginäre Getränke, klappere schnell am PC die Kleinanzeigen nach einem Kinderfahrrad ab, stille zwischendurch gelegentlich, trage Dinge von hier nach da und vergesse, was ich da wollte, trage die Dinge also wieder zurück, wo mir einfällt, was ich da wollte, lese dem Kind ein Buch vor bzw. lasse mir die Katzen darin ausführlich vorführen, ignoriere die Geschirrberge weiter stur, twittere ab und zu einen Satz, fege unter dem Eßtisch zusammen, mache mir einen Espresso (mit Zucker und Sonnentor-Kaffeegewürz), setze Zwuckel die Frühstücksreste von vorhin zusammen mit einer Handvoll Trauben zum zweiten Frühstück vor, versuche mich an der Spülmaschine, lasse das sofort wieder sein, weil Zwuckel dabei unbedingt die Messer und Teller durch die Gegend tragen will, trinke noch einen Espresso, sammle Altpapier zusammen. So etwa. An anderen Tagen wische ich vielleicht kein Waschbecken, sondern falte dafür Wäsche. Oder wasche welche. Oder ignoriere die Geschirrberge nicht, sondern putze die Küche. Oder schreibe eine Mail, weil Zwuckel gefühlte Ewigkeiten alleine vor dem Bücherregal sitzt. Oder spiele fast ausschließlich mit Zwuckel, weil sie sonst jammernd an meinem Hosenbein hängt. Aber so grob: immer dasselbe. Und es gefällt mir so.

Gegen 12 frage ich das Nichtmehrbaby mehr aus rhetorischen Gründen, ob wir nun kochen sollen, was sie mit einem gar jämmerlichen „Jaaaa. Ditte!“ beantwortet, aber ich verspreche: wir haben das arme Kind halbwegs regelmäßig gefüttert. Es gibt Tiefkühl-Buttergemüse und Reis, schnell und einfach für uns zwei, Zwuckel sitzt stolz auf dem TripTrap des nicht anwesenden Bruders. Satt und zufrieden schläft sie dann beim Stillen ein, lässt dabei alles so sehr hängen, dass ich einen Ablegeversuch wage und – tadaaa – erfolgreich bin. Sie schläft im Bett weiter. Auch das nicht selbstverständlich in den vergangenen 17 Monaten. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Die freien Arme nutze ich jetzt nicht etwa für die Geschirrberge. Oh nein, was wäre das für eine Verschwendung! Kinderschlaf ist Freizeit und Nervennahrung. Zumindest erstmal. Man muss ja Prioritäten setzen. Also PC und der dritte Espresso für mich. Leider heute keine Schlafwunder, nach 30 Minuten ist der Spaß für mich vorbei und sie müde, aber wieder hellwach. Wir wiederholen also die Beschäftigungen von oben, ich widme mich seufzend doch den Geschirrbergen, gebe dem schon wieder hungrigen Kind noch mehr zu essen und ziemlich kurz darauf ist es plötzlich 14 Uhr, so dass wir den Knirps holen müssen.

Zwuckel ist wieder ähnlich empört wie morgens, dass sie nicht selbst laufen oder auf dem Spielplatz hinter dem Haus halt machen darf. Ich kann ihre Empörung verstehen und ärgere mich ein wenig, dass wir nicht 30 min früher, dafür aber entspannter von zuhause losgegangen sind. Hilft aber nix, sie wird also in den Buggy verfrachtet und mit einem sehr großen Stock zum wild wedeln vorübergehend ruhiggestellt. Aus unklaren Gründen sind wir dann sagenhafte 20 min zu früh am Kindergarten, besorgen noch zwei Brezen für die immer hungrigen Kinder, helfen kurz beim Blätterfegen vor der Türe, lesen von Wünschen nach ausgeblasenen Eiern und machen uns dann auf den Heimweg. Zwuckel wieder zu Fuß, zeitweise beim Bruder an der Hand gehalten, was sie von mir überhaupt nicht akzeptiert, einer dieser seltenen „oooooch, Geschwister“-Momente, genauso wie dann, als sie ihm auch den wichtigen Sitzstein vorführt und beide dort längere Zeit nebeneinander einfach nur sitzen müssen. Irgendwann allerdings wird der Knirps dann doch ungeduldig und müde, oder vermutlich eher umgekehrt, also muss das Zwuckellaufexperiment nach einer halben Stunde leider schon wieder beendet werden. Aber was ich nicht darf, darf der Knirps, nämlich: sie ohne Widerstand in den Buggy setzen und anschnallen. Er ist zur Zeit der Zwuckel-Joker. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Kurz nach 16 Uhr, wir sind zuhause. Die knirpssche Selbständigkeit scheitert jetzt an Müdigkeit, er will ausgezogen werden wie die Schwester, schnappt sich das neue Pferdebuch vom Flohmarkt und kriecht auf direktem Wege ins Bett. Irgendwann will er die Tür geschlossen haben, damit Zwuckel ihn nicht mehr ständig nervt („auch! auch!“), dreht sich um und schläft ein, es ist kurz vor 5. Das ist hier übrigens keine Seltenheit, an 2-3 von 7 Tagen schafft er es nicht ohne Mittagsschlaf. Andere Geschichte, schon wieder. Knirps schläft also, Zwuckel ist dank zu kurzem Mittagsschlaf und drückenden Eckzähnen eher beschäftigungs- und zuneigungsbedürftig, ich prüfe den Kühlschrank auf Essbares. Espresso Nummer vier. Irgendwann, vielleicht 17:30, kommt der Mann nach Hause, wird sofort von Zwuckel belagert und wir reden nebenbei über alltägliches. Ohne Kind am Fuß sind jetzt auch die restlichen Kleinigkeiten in Küche und Eßbereich schnell erledigt. Oder zumindest schneller. Ich entscheide mich für Nudeln mit Lachs-Lauchzwiebel-Sauce, schnelles Geschnipsele, schnell kochen. Der Knirps wird gegen halb 8 zum Abendessen geweckt, auch wenn er an manchen Tagen durchschläft oder durchschlafen würde, aber dann wacht er gegen vier mit Hunger auf, und vier Uhr morgens ist eine wirklich unfreundliche Zeit. Geweckte Knirpse sind abends sehr unwirsche Knirpse, übrigens. Lachs mag er nicht, oder jetzt doch, oder jetzt doch nicht, deshalb will er nichts auf seine Nudeln, nur Käse, aber nicht dieses Wasserglas, sondern das kleine, aber er will bei Papa sitzen, und doch lieber Milch trinken, und wieder schlafen, und überhaupt ist das alles doof. Wir machen das beste aus dem Abendessen, Zwuckel findet die Sauce offenbar gut und will mehr und mehr, bis ihr einfällt, dass auch sie ziemlich müde ist und deshalb jetzt! sofort! auf der Stelle! aus dem Hochstuhl muss. Mit etwas Hartnäckigkeit essen wir Erwachsene beide fertig. Muss so.

Anschließend machen wir beide Kinder bettfertig. Meist übernimmt der Mann das, den Knirpsteil wegen großer Knirps-Papa-Liebe immer, Zwuckel meistens, denn was der Bruder macht, will sie auch. Mit dem neu bestellten Pippi-Langstrumpf-Buch verschwinden die Männer um halb 9 ins Schlafzimmer, wo der Knirps noch eine Geschichte vorgelesen bekommt und dann problemlos wegschlummert. Zwuckel wird jeden Abend instantan von Müdigkeit überfallen, sobald der Knirps den Raum verlässt, und schläft ebenso schnell beim Einschlafstillen am PC ein, wo ich mich durch Nachrichten, Blogs und Twittertimeline lese. Gegen 21 Uhr kommt der Mann heute vom Einschlafbegleiten zurück. Armschlafzwuckel wird den restlichen Abend je nach Bedarf zwischen uns hin und her gereicht, und wenn wir ganz mutig sind, versuchen wir, sie ins Bett zu legen, was selten von Erfolg gekrönt ist, deshalb lassen wir das heute. Der Mann sitzt mit Tablet auf dem Sofa, ich am PC drei Meter weiter, wir reden ab und zu, die Spülmaschine ist gleich durch, und mir fällt schließlich ein, dass ich bloggen könnte. Der Mann geht mit Zwuckel schon mal vor Richtung Bett, ich kündige an, dass ich auch gleich nachkomme.

Und dann war plötzlich 23:29. Montag vorbei. Gute Nacht.

(Morgen nochmal belangloser Kindertag, aber vielleicht erzähle ich ja dann übermorgen, wie meine Arbeitstage aussehen. Vielleicht.)

Zwuckel Nimmersatt

Das Zwuckelchen ist 4 Monate und 28 Tage alt.

Am ersten Tag lutschte sie an einem Stückchen Brot, aber satt war sie immer noch nicht.

Am zweiten Tag saugte sie zwei Streifen rohe Paprika aus, aber satt war sie immer noch nicht.

Am dritten Tag zermatschte sie ein Stück Avocado… etc. pp.

Ein Vorteil beim zweiten Kind ist, dass man sich über viele wesentliche Themen schon Gedanken gemacht hat. Das heißt natürlich nicht, dass man das nicht alles beim Zweiten auch wieder komplett umwerfen könnte, oder dass das Zweite sich automatisch genauso verhalten würde wie der Erstgeborene, aber eben… immerhin schon mal angedacht.

In unserem Fall war das zum Beispiel die Beikostsache. Beim Knirps hatten wir uns das ausführlich überlegt, und die Erfahrungen der folgenden Monate haben unsere Ansichten nur noch bestärkt. Es war also im Prinzip klar: auch das Zwuckelchen sollte erst mal keinen Brei bekommen, sondern Fingerfood, Essen in ganzen Stücken, im wesentlichen das, was auch wir essen. Vorausgesetzt, sie selbst würde das mitmachen – aber das zu berücksichtigen, finde ich so selbstverständlich, dass es eigentlich nicht erwähnt werden müsste. Baby Led Weaning, ich habe das damals etwas ausführlicher beschrieben, falls jemand den Begriff noch nicht kennt.

Sie war noch keine vier Monate alt, als sie begann, uns das Essen vom Teller zu grapschen. Ähnliches Verhalten hatte beim Knirps damals den Startschuss zum Essen gegeben, aber 3 Monate und irgendwas war mir persönlich dann doch noch ein kleines bisschen jung für festes Essen. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass es sinnvoller ist, ein Kind diesen Zeitpunkt selbst wählen zu lassen als sich nach starren Kalenderdaten zu richten. Jedes Kind entwickelt sich nach seinem eigenen Tempo, nicht wahr? Deshalb bekam der Knirps seine erste Kartoffel mit fünf Monaten, obwohl ich damals ursprünglich sechs Monate vollstillen wollte.

Und deshalb beschlossen wir dann auch beim Zwuckelchen ein paar Tage nach dem vierten Monat, dass sie essen darf, solange sie das Zeug selbst greifen, in den Mund stecken und dort irgendwie verarbeiten kann. Nicht, weil ich so gemein bin und ihr nicht helfen möchte, sondern einfach weil ich glaube, dass auf diese Weise der sanftmöglichste Einstieg gewährleistet ist. Sie muss erst lernen, wie man welche Nahrungsmittel am besten hält und aufnimmt. Die verzehrten Mengen sind – gerade ganz ohne Zähne – anfangs wirklich minimal. Aber genau dadurch kann sich der milchgewohnte Darm ganz langsam und schrittweise an immer größere Mengen unterschiedlichster Lebensmittel gewöhnen, ohne dass wir uns dabei an irgendeinen Beikostplan halten müssen. Es passiert einfach alles ganz von alleine.

Mit vier Monaten und zwei oder drei Tagen also: das erste fingergroße Stück Brot. Hingelegt, danach gegriffen, in den Mund gesteckt – ohne Umschweife, ohne Spielen. Damals hat sie es noch ausgelutscht, was wohl schon spannend genug war. Heute, keine vier Wochen später, isst sie so ein Fingerstück schon ziemlich konzentriert komplett auf, wenn ihr gerade danach ist.

In den nächsten Tagen gab es, wie schon beim Knirps, das in die Hand, was wir gerade da hatten. Mal ein Stück Apfel, mal ein Streifen Paprika, mal etwas Banane oder Avocado. Härtere Sachen saugt sie hauptsächlich gierig aus, während sie unfassbar schnell gelernt hat, weiche Dinge mit den zahnlosen Kauleisten zu zerkauen. Sie würgt kaum noch (was am Anfang ja ganz normal ist und nichts schlechtes bedeutet). Das einzige, was sie bisher abgelehnt hat, war ein Stück Rührei. Alles andere wird zumindest als Essen erkannt und aufmerksam in den Mund gestopft. Sie hat mittlerweile auch schon Tomatenviertel bis auf die Haut abgezuzelt, gekochte Karotten und Spiralnudeln in Stücke gekaut, Butter probiert und Fenchel ausgelutscht. Begrenzt wird ihre Neugier eigentlich hauptsächlich durch die Motorik, nach etwa zehn Minuten lässt sie immer mehr fallen und wird immer ungeduldiger dabei, weil nichts mehr in den Mund gelangt. Gehört dazu.

Zum Brüllen komisch finde ich dabei, wie verrückt sie nach allem Essbaren ist. Wehe, es geht jemand mit einer Scheibe Brot an ihr vorbei! Wehe, sie liegt noch auf der Spieldecke, während wir am Esstisch sitzen! Da wird dann schon mal so lang in schrillen Tönen gequiekt, bis sie endlich etwas eigenes in der Hand hat. Genauso lässt sie sofort jedes Spielzeug fallen, wenn sie etwas zu Essen sieht. Dass das Essen auf unseren Tellern noch viel besser sein muss als das extra bereitgelegte auf dem Tisch, das kennen wir sowieso schon. Ich schwöre, ich habe in meinem Leben noch kein so essverrücktes Baby wie dieses gesehen. Noch keine fünf Monate alt.

Bis sie wirklich nennenswerte Mengen essen wird, wird aber noch viel Zeit vergehen, und erst recht, bis das Stillen davon irgendwann beeinflusst wird. Beim Knirps war das mit knapp einem Jahr der Fall, obwohl er schon früher wirklich ordentlich zugelangt hat. Aber wir haben Geduld. Das wichtigste ist, dass das Zwuckelchen Spaß am Essen hat, und da gibt es keinen Zweifel.

Und wenn sie dann noch, wie ihr großer Bruder, irgendwann Sushi zur Lieblingsspeise erklärt, dann bin ich wirklich wunschlos glücklich. (Na gut, sie darf notfalls auch Pfannkuchen wählen, oder Butterbrot, oder Brokkoli, oder… aber Sushi wäre schon sehr praktisch für mich. Wir hätten den Mann dann endgültig und immer überstimmt.)